sie ja eben so unerhört langweilig . « » Darum ? « sagte Mario lachend . » Freilich ! - so unfrisch , so gleichgültig , so ohne Meinungen , die ihnen wie Blut in den Adern pulsiren ! denn was giebt ' s zu sagen über Dinge , die dem innersten Wesen fremd bleiben ? Gemeinplätze , Hypothesen , vage Theorien , Sophismen : die ganze Bagage des exercirenden Soldaten - Verstand . Wir aber ziehen als echte Krieger ohne alle Bagage in die Schlacht und kämpfen begeistert . « » O gnädige Gräfin , « rief Mario , » die Begeisterung ist dem Manne doch viel eigenthümlicher , als dem Weibe ! Ich nenne nicht die augenblickliche Exaltation , welche Leib und Leben , Seel ' und Seligkeit wagen und opfern läßt , allein Begeisterung , sondern auch festes Beharren , unverbrüchliche Richtung , ausdauerndes Handeln in einem und demselben Sinne , für eine und dieselbe Idee , mit einer und derselben Wärme und Kraft . « » Das ist Character « - sagte Faustine . » Aber was alimentirt den Character , wenn nicht Begeisterung ? welch ein dürres , unerquickliches , unwirksames Wesen wird daraus , wenn der Character nur wie ein Maulthier immer vorwärts trabt , und seine Last über das Gebirge fortschafft . Ohne Freudigkeit an dem einmal Erfaßten , ohne Andacht zu ihm , ohne Befriedigung in ihm , ohne Triumph mit ihm - ward nie etwas Großes geleistet , und was ist die Quintessenz dieser Empfindungen , wenn nicht Begeisterung ? was ist der Pulsschlag , der ihnen Leben zuströmt , wenn nicht Begeisterung ? Begeisterung ist der elektrische Schlag , der die Kette der Existenz durchströmt , und die Geschichte beweist , daß nur Männer ihn empfingen . « » Nur Männer ? « unterbrach Faustine ; » und die Prophetinnen der Hebräer ! und die todverlachenden Römerinnen ! und die Priesterinnen der Germanen ! und die Heldinnen von Saragossa ! « » Die Richtung nehme ich aus . Wo das Herz des Weibes getroffen wird , wo die Liebe es berührt , sei es ausschließlich für einen Menschen , oder für das Vaterland , oder für Gott - da schlägt der elektrische Funke ein , da lodert die Begeisterung auf . Aber selbst dann begnügt sich das Weib damit , für das Geliebte zu leiden und zu sterben . Zum Schaffen , zum Handeln , zum die Welt aus ihren Fugen Heben , wird das Weib nie angeregt , nie ! wohl verstanden , nie durch Begeisterung . Durch Intriguen , durch Laune - ja , damit amüsirt sie sich zuweilen . Noch keiner Frau ist es eingefallen , den Geliebten unsterblich zu machen , wie Petrark die Laura und Dante die Beatrice ; sie beherrschen nicht einmal die Kunst ! viel weniger die Wissenschaft ! die Frau soll noch geboren werden , welche im Stande ist , für eine abstracte Idee sich zu begeistern bis zum gelassenen Erdulden von Kerker und Verfolgung , wie z.B. Galilei mit seinem » e pur si muove ! « Ein weiblicher Socrates läßt sich nun vollens gar nicht denken ! « » Doch war die schöne und weise Hypatia , welche unter Kaiser Theodosius II. einen Lehrstuhl zu Alexandrien einnahm , wie Socrates Lehrer der Jugend ; und gleich ihm fand sie den Märtyrertod , welchen ihres Ruhms und ihrer Wissenschaften neidische Feinde über sie verhängten . Uebrigens - da Männer die Geschichte schreiben , und da die Geschichte sich überhaupt mehr mit Darstellung der Thatsachen , als mit Entwickelung der Motive beschäftigt - kann niemand wissen , ob nicht , während ein Dutzend Männer auf der Lebensbühne agirt und tragirt , eine Frau im Souffleurkasten ihnen ihre Rolle vorspricht . « » Davon bin ich überzeugt , « entgegnete Mario , » die Frauen haben grenzenlosen Einfluß auf uns . Wo ein Mann ruinirt ward , trug gewiß eine Frau die erste Schuld . « » O Graf Mengen ! « rief Faustine , » Sie sind unerhört parteiisch für Ihr Geschlecht ! Ganz der nämliche Vorwurf läßt sich umkehren und bleibt eben so wahr . « » Aber der ruinirte und gesunkene Mann kann durch eine Frau erhoben und gebessert werden . Läßt sich diese Behauptung auch umkehren ? « » Ich glaube kaum . Die gesunkene Frau steht nicht wieder auf . Ein böser Mann ruinirt so gründlich , daß ein guter nicht mehr retten kann . Unser Einfluß aber ist stärker im Guten , als im Bösen . « Clemens , der immer ruhig zugehört , hob jetzt an : » Keineswegs ! wenn Sie mir befehlen , den Einen aus dem Wasser zu holen , und den Anderen ins Wasser zu werfen , so thue ich beides mit gleichem Vergnügen . « » Gott behüte mich vor einem so blind ergebenen Freund ! « rief Faustine . » Auf Menschen Einfluß zu haben , ist Genuß ; dabei kommt es doch auf meine Eigenthümlichkeit an ! aber eine willen- und gedankenlose Maschine kann Jeder regieren . Ich sage mich Ihnen gegenüber von allem Einfluß los und ledig . « » Sie üben ihn unwillkürlich . « » Ich will aber nicht ! « sagte sie , und kreuzte ihre Arme über der Brust , als wickele sie sich in sich selbst zusammen , um niemand zu berühren , wie man wol thut , wenn man im Gedränge von Menschen steht oder geht . Mario fühlte , daß es Zeit sei zu gehen ; es kam ihm zudringlich vor , den ersten Besuch über die Gebühr auszudehnen . Er dachte heimlich : wenn sie nur schwiege , wenn sie nur sich nicht bewegte , wenn sie nur überhaupt gar nicht sie wäre , so würde ich ja sehr gern gehen . - Kirchberg war längst fort . Nun ging auch Clemens . Da überwand sich Mengen und stand auf . Er sagte nur noch : » Feldern sagte mir