und warm , Dich begleiten in Dein stilles Haus , Dich ausfragen in müßigen Stunden über Dein früheres und jetziges Leben , so wie ich Dein Angesicht ausgefragt habe über seine frühere und jetzige Schönheit . - Auf der Bibliothek , da konnte ich nicht umhin , mich zu Deiner jungen Büste aufzuschwingen und meinen Schnabel wie eine Nachtigall dran zu wetzen ; Du breiter voller Strom , wie Du damals die üppigen Gegenden der Jugend durchbraustest und jetzt eben ganz still durch Deine Wiesen zogst ; ach , und ich stürzte Dir Felssteine vor ; und wie Du wieder Dich auftürmtest ; wahrlich , es war nicht zu verwundern ; denn ich hatte mich tief eingewühlt . O Goethe ! - Der Gott da oben ist ein großer Dichter , der bildet Geschicke , frei im Äther schwebend , glanzvoller Gestalt . Unser armes Herz , das ist der Mutterschoß , aus dem er sie mit großen Schmerzen geboren werden lässet ; das Herz verzweifelt , aber jene Geschicke schwingen sich aufwärts , freudig hallen sie wieder in den himmlischen Räumen . - Deine Lieder sind der Samen , er fällt ins wohlvorbereitete Herz , - ich fühl ' s , mag sich ' s wenden , wie es auch will , frei von irdischer Schwere wird es als himmlisches Gedicht einst aufwärts sich schwingen , und dem Gott da oben werden diese Schmerzen und diese Sehnsucht und diese begeisterten Schwingungen Sprossen des jungen Lorbeers weihen , und selig wird das Herz sein , das solche Schmerzen getragen hat . Siehst Du , wie ich heute ernsthaft mit Dir zu sprechen versteh ? - Ernster als je : und weil Du jung bist und herrlich und herrlicher wie alle , so wirst Du mich auch verstehen . - Ich bin ganz sanft geworden durch Dich ; am Tage treib ich mich mit Menschen , mit Musik und Büchern herum , und abends , wenn ich müde bin und will schlafen , da rauscht die Flut meiner Liebe mir gewaltsam ins Herz . Da seh ich Bilder , alles , was die Natur Sinnliches bietet , das umgibt Dich und spricht für Dich ; auf Höhen erscheinst Du ; zwischen Bergwänden in verschlungnen Wegen ereile ich Dich , und Dein Gesicht malt Rätsel , lieblich zu lösen . - Den Tag , als ich Abschied nahm von Dir , mit dem einen Kuß , mit dem ich nicht schied , da war ich morgens beinah eine ganze Stunde allein im Zimmer , wo das Klavier steht ; da saß ich auf der Erde im Eck und dachte : » Es geht nicht anders , Du mußt noch einmal weinen « , und Du warst ganz nah und wußtest es nicht ; und ich weinte mit lachendem Mund ; denn mir schaute das feste grüne Land durch den trübsinnigen Nebel durch . - Du kamst , und ich sagte Dir recht kurz ( und ich schränkte mich recht ein dabei ) , wie Du mir wert seist . Morgen reise ich nach Frankfurt , da will ich der Mutter alle Liebe antun und alle Ehre , denn selig ist der Leib , der Dich getragen hat . Bettine An Goethe Am 21. August Du kannst Dir keinen Begriff machen , mit welchem Jubel die Mutter mich aufnahm ! Sowie ich hereinkam , jagte sie alle fort , die bei ihr waren . » Nun , ihr Herren « , sagte sie , » hier kommt jemand , der mit mir zu sprechen hat « , und so mußten alle zum Tempel hinaus . Wie wir allein waren , sollte ich erzählen , - da wußt ich nichts . » Aber wie war ' s , wie Du ankamst ? « - » Ganz miserabel Wetter « ; » vom Wetter will ich nichts wissen ; - vom Wolfgang , wie war ' s , wie du hereinkamst ? « » Ich kam nicht , er kam ; « - » nun wohin ? « - » In den Elefanten , um Mitternacht drei Treppen hoch ; alles schlief schon fest , die Lampen auf dem Flur ausgelöscht , das Tor verschlossen , und der Wirt hatte den Schlüssel schon unterm Kopfkissen und schnarchte tüchtig . « - » Nun , wie kam er denn da herein ? « - » Er klingelte zweimal , und wie er zum drittenmal recht lang an der Glocke zog , da machten sie ihm auf . « - » Und du ? « - » Ich in meiner Dachstube merkte nichts davon ; Meline lag schon lange und schlief im Alkoven mit vorgezognen Vorhängen ; ich lag auf dem Sofa und hatte die Hände überm Kopf gefaltet und sah , wie der Schein der Nachtlampe wie ein großer runder Mond an der Decke spielte ; da hört ich ' s rascheln an der Tür , und mein Herz war gleich auf dem Fleck ; es klopfte , während ich lauschte , aber weil es doch ganz unmöglich war in dieser späten Stunde und weil es ganz still war , so hört ich nicht auf mein ahnendes Herz ; - und da trat er herein , verhüllt bis ans Kinn im Mantel , und machte leise die Tür hinter sich zu und sah sich um , wo er mich finden sollte ; ich lag in der Ecke des Sofas ganz in Finsternis eingeballt und schwieg ; da nahm er seinen Hut ab , und wie ich die Stirne leuchten sah , den suchenden Blick , und wie der Mund fragte : Nun , wo bist du denn ? da tat ich einen leisen Schrei des Entsetzens über meine Seligkeit , und da hat er mich auch gleich gefunden . « Die Mutter meinte , das würde eine schöne Geschichte geworden sein in Weimar . Der Herr Minister um Mitternacht im Elefanten drei Treppen hoch eine Visite gemacht ! - Ja wohl ist die Geschichte schön !