erfüllet war , Und alle Menschen starben ; sieh , da nahm Die Göttin jenes Buch , und trug es weg An andern Ort , wer wollte den erkunden ? Auch meinen Schlüssel nahmen sie hinweg , Die Himmlischen , und warfen ihn ins Meer . KOLLMER . Herr , welchen Schlüssel ? KÖNIG . Der zum Grabe führt Der Könige . KOLLMER . Was zitterst du ? erbleichst ? KÖNIG . Die Zaubrin lockt - Thereile reißt an mir - Leb wohl ! Ich muß - Beide nach verschiedenen Seiten ab . Dritte Szene Nacht . Ein offener , grüner Platz an einem sanften Waldabhang beim Schmettenberg , ohnweit des Flusses Weyla . Thereile , eine junge Feenfürstin . Kleine Feen um sie her . König an der Seite , mehr im Vorgrund . THEREILE . Seid ihr alle da ? MORRY . Zähl nur , Schwester , ja ! THEREILE . Ein , zwei , drei , vier , fünf , sechs , sieben . Silpelitt ist ausgeblieben ! Hat doch stets besondre Nester ! Nun , so sucht , ihr faulen Dinger , Steckt euch Lichtlein an die Finger ! Kinder eilen davon . MORRY die heimlich zurückbleibt , leise . Weithe ! WEITHE . Was ? MORRY . Siehst du nicht dort Ihren Buhlen bei der Schwester ? Darum schickt sie uns nun fort , Dieses hat was zu bedeuten . WEITHE . Ei , sie mag ihn gar nicht leiden . MORRY . Bleibe doch ! und laß uns lauschen , Wie sie wieder Küsse tauschen . Guck , wie spröd sie tut zum Scheine , Trutzig ihre Zöpfe flicht ! Sie nur immer ist die Feine , Unsereins besieht man nicht . WEITHE . Aber wir sind auch noch kleine . MORRY . Nun , so sag , ist dieses Paar Nicht so dumm wie eines war ? Darf sich süße Feenbrut Einem Sterblichen wohl gatten ? Beide zwar sind Fleisch und Blut Doch die Braut wirft keinen Schatten . WEITHE . Ja , das ist doch unanständig . MORRY . Aber stets war sie unbändig . WEITHE . Morry , laß uns lieber fort ! Mir wird angst an diesem Ort MORRY . Wie sich wohl dies Spiel noch endet ! Beide stehen abgewendet ; Wahrlich , wie im tiefsten Schlummer Steht der König , unbeweglich . WEITHE . Ach , wie traurig scheint der Mann ! Liebe Schwester , ist ' s nur möglich , Daß man so betrübt sein kann ? MORRY . Seine Stirne , voller Kummer , Seine Arme sind gesenkt ! WEITHE . Was nur unsre Schwester denkt ! MORRY . Wär er mir wie ihr so gut , Ich ließ mich küssen wohlgemut . WEITHE . Bitte , komm und laß uns gehn ! Wollen nach dem Walde sehn , Ob die holden Nachtigallen Bald in unsre Netze fallen . Beide ab . Vierte Szene König und Thereile allein . KÖNIG für sich . Still , sachte nur , mein Geist ; gib dich zur Ruhe ! Lagst mir so lang in ungestörter Dumpfheit , Hinträumend allgemach ins Nichts dahin , Was weckt dich wieder aus so gutem Schlummer ? Lieg stille nur ein Weilchen noch ! Umsonst ! umsonst ! es schwingt das alte Rad Der glühenden Gedanken unerbittlich Sich vor dem armen Haupte mir ! Will das nicht enden ? mußt du staunend immer Aufs neue dich erkennen ? mußt dich fragen , Was leb ich noch ? was bin ich ? und was war Vor dieser Zeit mit mir ? - Ein König einst , Ulmon mein Name ; Orplid hieß die Insel ; Wohl , wohl , mein Geist , das hast du schlau behalten ; Und doch mißtrau ich dir ; Ulmon - Orplid - Ich kenne diese Worte kaum , ich staune Dem Klange dieser Worte - Unergründlich Klafft ' s da hinab - O wehe , schwindle nicht ! Ein Fürst war ich ? So sei getrost und glaub es . Die edle Kraft der Rückerinnerung Ermattete nur in dem tiefen Sand Des langen Weges , den ich hab durchmessen ; Kaum daß manchmal durch seltne Wolkenrisse Ein flüchtges Blitzen mir den alten Schauplatz Versunkner Tage wundersam erleuchtet . Dann seh ich auf dem Throne einen Mann Von meinem Ansehn , doch er ist mir fremd , Ein glänzend Weib bei ihm , es ist mein Weib . Halt an , o mein Gedächtnis , halt ein wenig ! Es tut mir wohl , das schöne Bild begleitet Den König durch die Stadt und zu den Schiffen . Ja , ja , so war ' s ; doch jetzt wird wieder Nacht . - Seltsam ! durch diese schwanken Luftgestalten Winkt stets der Turm von einem alten Schlosse , Ganz so , wie jener , der sich wirklich dort Gen Himmel hebt . - - Vielleicht ist alles Trug Und Einbildung und ich bin selber Schein . Er sinkt in Nachdenken ; blickt dann wieder auf . Horch ! auf der Erde feuchtem Bauch gelegen Arbeitet schwer die Nacht der Dämmerung entgegen , Indessen dort , in blauer Luft gezogen , Die Fäden leicht , kaum hörbar fließen , Und hin und wieder mit gestähltem Bogen Die lustgen Sterne goldne Pfeile schießen . THEREILE noch immer in einiger Entfernung . Wie süß der Nachtwind nun die Wiese streift , Und klingend jetzt den jungen Hain durchläuft ! Da noch der freche Tag verstummt , Hört man der Erdenkräfte flüsterndes Gedränge , Das aufwärts in die zärtlichen Gesänge Der reingestimmten Lüfte summt . KÖNIG . Vernehm ich doch die wunderbarsten Stimmen Vom lauen Wind wollüstig hingeschleift , Indes mit ungewissem Licht gestreift Der Himmel selber scheinet hinzuschwimmen . THEREILE . Wie ein Gewebe zuckt die Luft manchmal , Durchsichtiger und heller aufzuwehen , Dazwischen hört man weiche Töne gehen Von sel ' gen Elfen , die im blauen Saal Zum Sphärenklang , Und fleißig mit Gesang , Silberne Spindeln hin und