wunderbares Wesen , und zeigst mir ein Glück , das mir Verblendeten bis heute noch erreichbar war . Und wäre es denn wirklich zu spät ? nein ! mein guter Engel sandte dich , ich habe dich gefunden , ich gehöre zu dir , und bin noch nicht ganz gefesselt . Gabriele , sprich nicht zu rasch unser Urtheil ! ein Wink von dir , und meine Fesseln reißen , und « - » Ottokar ! Ottokar ! « rief Gabriele erbleichend und trat einige Schritte von ihm zurück - gefaßter näherte sie sich indessen ihm bald wieder . » Wie du mich erschreckst ! « sprach sie , » wie du mich erschreckst mit einer mir so fremden Ansicht unserer Zukunft , daß ich es nicht fasse , wie sie dir kommen konnte , dir , dessen Gedanken ich sonst stets lange vorher wußte , ehe du sie aussprachst . Auch ist das , was du sagtest , nicht die wahre Meinung deines Herzens , « fuhr sie fort , » du kannst nicht wortbrüchig werden , weil kein Schwur dich bindet , du kannst deinem guten Vater nicht die nahe Erfüllung seines letzten Wunsches vorspiegeln und dann grausam ihn täuschen , du kannst nicht meiner Tante mit der Schmach ihrer Tochter heimtückisch dafür lohnen , daß sie ihr Haus zu dem deinen machte und dir vertraute . Ottokar , ich brauche nicht zu entscheiden , du selbst hast entschieden in der rechten Tiefe deines Gemüths , du weißt es wohl , was geschehen muß , « setzte sie mit sanftem Weinen hinzu . » Aber ist es denn wirklich so ? müssen wir scheiden auf ewig ? und du , du Arme , was wird aus dir in den Wüsten des Lebens ? « rief Ottokar . » Ich bin beglückt , « sprach Gabriele , kraftlos auf den Divan hinsinkend , » laß mir nur die Hoffnung , daß du streben willst , mit Aurelien glücklich zu seyn . « » Ich will es , Gabriele ! ich will alles , was du willst . Guter Gott ! wie soll ich es aber anfangen , dich zu vergessen ? « erwiederte Ottokar . » Vergiß mich nicht ! « bat Gabriele , » laß mich mit dir leben , wie du ewig mit mir leben wirst , vielleicht sehen wir einst uns hier noch wieder , nach langen , langen Jahren , dort finden wir uns gewiß ; dorthin wende den Blick , « sprach sie mit aufgehobnen Händen , und sank sogleich wieder zurück . » Und kein Andenken dieser Stunde gewährst du mir ? « sprach Ottokar . » Du hast meine Zeichnung von Schloß Aarheim , betrachte die alten düstern Mauern , in denen ich von nun an leben werde , denke , daß dein Bild sie mir erhellt , und nun lebe wohl , meine Kräfte reichen nicht weiter , « sprach Gabriele mit erlöschender Stimme . Ottokar kniete vor ihr hin , mit heißen Thränen netzte er die Hände der jetzt beinahe ganz Bewußtlosen , als eine Tapetenthüre sich öffnete . Erschrocken fuhr er auf , es war Annette . Von einer unerklärlichen Angst getrieben , hatte sie das ganze Haus durchstreift , um ihre junge Gebieterin zu suchen , nachdem sie vergeblich sich in der Gesellschaft nach ihr umgesehen hatte . Angst leitete ihre Schritte , auch in das an die Gesellschaftssäle anstoßende Kabinet , und der Zustand , in welchem sie ihre geliebte Herrin dort fand , erschreckte sie so sehr , daß sie kaum Ottokars Gegenwart , noch weniger die an Verzweiflung grenzende Bewegung bemerkte , in welcher er sogleich nach ihrem Eintritt das Kabinet verließ . Es gelang ihm , auf der bis jetzt ihm unbekannt gebliebnen verborgnen Treppe , welche Annetten herbei geführt hatte , sein Zimmer zu erreichen , ohne daß ihn jemand bemerkte . Eben erhaltne Briefe von höchster Wichtigkeit mußten für diesen Abend sein Nichtwiedererscheinen bei der Gesellschaft entschuldigen , während Gabriele , sanft und schweigend , sich von Annetten in ihr Zimmer führen ließ . Der starre Blick , das wunderliche Lächeln , das ununterbrochne Schweigen Gabrielens trieben die arme Annette , unerachtet der dunkeln Nacht , auf die Straße hinaus , um Frau von Willnangen zu Hülfe zu rufen , denn im Hause war alles zu beschäftigt , um auf ihr Bitten zu hören , und glücklicher Weise Augustens Uebelbefinden zu unbedeutend , als daß es Gabrielens mütterliche Freundin hätte abhalten sollen , dem Kinde ihres Herzens zu Hülfe zu eilen . Schon am zweiten Tage nach diesen Ereignissen war alles Leben aus dem sonst so geräuschvollen Hause der Gräfin Rosenberg gewichen . Nur in Gabrielens Zimmer waltete und flüsterte bange Sorge am Bette der zum Tode Erkrankten . Durch die übrigen verödeten Gemächer schlichen nur noch ein paar halb invalider Diener , um die Vorhänge an den Fenstern herabzulassen und das kostbare Hausgeräthe gegen den Staub sorgfältig zu bewahren . Bald war auch dieses gethan , und die ehemals glänzende Wohnung gewann nach und nach ganz das Ansehen jener verlaßnen Schlösser , die man auf Reisen so oft besehen muß , die wie verzauberte Palläste in einem Feenmährchen dastehen , und einen unbeschreiblich traurigen Eindruck machen , weil sie mit allem versehen sind , dessen das üppigste Leben nur bedarf , ohne daß eine fröhliche lebende Seele zwischen den reichgeschmückten Wänden athmet . Kaum hatte die Gräfin am Morgen der Verlobung ihrer Tochter die Nachricht von Gabrielens plötzlichem Erkranken vernommen , so ahnete sie mit der ihr in solchen Fällen gewöhnlichen Lebhaftigkeit ein bösartiges Nervenfieber in dieser Krankheit . Der Arzt wagte es nicht , sogleich für oder wider ihre Muthmaaßung zu entscheiden , Frau von Willnangen hingegen wünschte , die Pflege ihrer jungen Freundin ganz ungehindert übernehmen zu können , und bemühte sich daher nicht sonderlich , der Gräfin die Furcht vor einer möglichen Gefahr der Ansteckung auszureden . Halb todt vor Angst , konnte diese von dem Momente an