herrlichsten Gedanken durchblitzten . Leontin erstaunte über die scharfen , ganz selbsterschaffenen Ausdrücke und die entschiedene Anlage zum Tiefsinn . Aber alles schien wie eine üppige Wildnis , durch den lebenslangen Müßiggang zerrüttet und fast bis zum Wahnwitz verworren . Zuletzt sprach der Ritter noch von einem Philosophen , den er jährlich einmal besuche . Leontin war mit ganzer Seele gespannt , denn die Beschreibung von demselben stimmte auffallend mit dem alten Ritterbilde überein , dessen Anblick ihn auf dem Schlosse der weißen Frau so sehr erschüttert hatte . Er fragte näher nach , aber der Ritter antwortete jedesmal so toll und abschweifend , daß er alle weitern Erkundigungen aufgeben mußte . Endlich brach der Ritter auf , da er heute noch auf dem Schlosse der niedlichen Braut Herberge suchen wollte . Leontin trug ihm an dieselbe seine schönsten Grüße auf . Der Ritter stolperte nun auf seiner Rosinante langsam über die Heide hinab , und unterhielt sich noch immerfort mit Leontin mit großem Geschrei über die Philosophie , während er schon längst in der Nacht verschwunden war . Leontin sah sich , nun allein , nach allen Seiten um . Alle Wälder und Berge lagen still und dunkel ringsumher . Unten in der Tiefe schimmerten Lichter hin und her aus den zerstreuten Dörfern , Hunde bellten fern in den einsamen Höfen . Auch in dem Schlosse des Herrn v. A. sah er noch mehrere Fenster erleuchtet . So blieb er noch lange oben auf der Heide stehen . Am folgenden Morgen frühzeitig erhielt Friedrich einen Brief . Er erkannte sogleich die Züge wieder : er war von Rosa . So lange schon hatte er sich von Tage zu Tage vergebens darauf gefreut , und erbrach ihn nun mit hastiger Ungeduld . Der Brief war folgenden Inhalts : » Wo bleibst Du so lange , mein innig geliebter Freund ? Hast Du denn gar kein Mitleid mehr mit Deiner armen Rosa , die sich so sehr nach Dir sehnt ? Als ich auf der Höhe im Gebirge von euch entführt wurde , hatte ich mir fest vorgenommen , gleich nach meiner Ankunft in der Residenz an Dich zu schreiben . Aber Du weißt selbst , wieviel man die erste Zeit an einem solchen Orte mit Einrichtungen , Besuchen und Gegenbesuchen zu tun hat . Ich konnte damals durchaus nicht dazu kommen , obschon ich immer und überall an Dich gedacht habe . Und so verging die erste Woche , und ich wußte dann nicht mehr , wohin ich meinen Brief adressieren sollte . Vor einigen Tagen endlich kam hier der junge Marquis von P. an , der wollte bestimmt wissen , daß sich mein Bruder mit einem fremden Herrn auf dem Gute des Herrn v. A. aufhalte . Ich eilte also , sogleich an Dich dorthin zu schreiben . Der Marquis verwunderte sich zugleich , wie ihr es dort so lange aushalten könntet . Er sagte , es wäre ein Séjour zum Melancholischwerden . Mit der ganzen Familie wäre in der Welt nichts anzufangen . Der Baron sei wie ein Holzstich in den alten Rittergeschichten : gedruckt in diesem Jahr , die Tante wisse von nichts zu sprechen , als von ihrer Wirtschaft , und das Fräulein vom Hause sei ein halbreifes Gänseblümchen , ein rechtes Bild ohne Gnaden . Sind das nicht recht närrische Einfälle ? Wahrhaftig , man muß dem Marquis gut sein mit seinem losen Maule . Siehst Du , es ist Dein Glück , denn ich hatte schon große Lust eifersüchtig zu werden . Aber ich kenne schon meinen Bruder , solche Bekanntschaften sind ihm immer die liebsten ; er läßt sich nichts einreden . Ich bitte Dich aber , sage ihm nichts von alle diesem . Denn er kann sich ohnedies von jeher mit dem Marquis nicht vertragen . Er hat sich schon einige Male mit ihm geschlagen , und der Marquis hat an der letzten Wunde über ein Vierteljahr zubringen müssen . Er fängt immer selber ohne allen Anlaß Händel mit ihm an . Ich weiß gar nicht , was er wider ihn hat . Der Marquis ist hier in allen gebildeten Gesellschaften beliebt und ein geistreicher Mann . Ich weiß gewiß , Du und der Marquis werdet die besten Freunde werden . Denn er macht auch Verse und von der Musik ist er ein großer Kenner . Übrigens lebe ich hier recht glücklich , so gut es Deine Rosa ohne Dich sein kann . Ich bekomme und erwidere Besuche , mache Landpartien usw. Dabei fällt mir immer ein , wie ganz anders Du doch eigentlich bist als alle diese Leute , und dann wird mir mitten in dem Schwarme so bange , daß ich mich oft heimlich wegschleichen muß , um mich recht auszuweinen . - Die junge , schöne Gräfin Romana , die mich alle Morgen an der Toilette besucht , sagt mir immer , wenn ich mich anziehe , daß meine Augen so schön wären , und wickelt sich meine Haare um ihren Arm und küßt mich . - Ich denke dann immer an Dich . Du hast das auch gesagt und getan , und nun bleibst Du auf einmal so lange aus . Ich bitte Dich , wenn Du mir gut bist , laß mich nicht so allein ; es ist nicht gut so . - Ich hatte mich gestern soeben erst recht eingeschrieben und hatte Dir noch so viel zu sagen , da wurde ich zu meinem Verdrusse durch einen Besuch unterbrochen . Jetzt ist es schon zu spät , da die Post sogleich abgehen wird . Ich schließe also schnell in der Hoffnung , Dich bald an mein liebendes Herz zu drücken . Diesen Winter wird es hier besonders brillant werden . Wie schön wäre es , wenn wir ihn hier zusammen zubrächten ! Komm , komm gewiß ! « Friedrich legte den Brief still wieder zusammen . Unwillkürlich summte ihm der Gassenhauer : » Freut euch des Lebens « usw. , den Leontin gewöhnlich abzuleiern pflegte ,