daher ihren Wunsch , mehr über das geheime Wirken einzelner Geweiheten der Vorzeit zu erfahren , auf die genauere Kenntniß der Naturkräfte überhaupt ; rieth ihr , beweglichern Verkehr mit dem Lebendigen ; freien , vertrauten Umgang mit der Gegenwart zu pflegen , verhieß ihr freundlich , sie in das geschäftige Innenleben der Natur einzuführen , und suchte ihren Blick auf alle Weise von dem trüben Wiederschein verblichener Gestaltungen abzulenken . In Antonien war aber das Wort Zauberei wie ein zündender Funke hineingefallen . Sie dachte , es ist alles unbegreifliches Wunder , was uns umgiebt , warum sollen wir selbst nichts Wunderbares vollbringen dürfen ! Und gäbe es einen Zauber , ihn an mich zu bannen , wie ich an ihn gebannt bin , weshalb sollte ich nicht ? - Es giebt so viel Verborgenes im Menschen , wovon er selbst nichts weiß - Gott hat es ihm eingepflanzt - Gott will - Sie konnte es nicht vergessen , wozu sie Gott ausersehen habe . Ihre Eltern fielen ihr ein . Sie konnten nicht von einander laßen , sagte sie ! - ihr Herz bebte in freudigem Entzücken ; sie beschloß , sich dem Marquis zu nähern , von ihm über vieles Auskunft zu erhalten . Auch das Anerbieten des Arztes nahm sie an , sie hoffte , mehr unter seiner Anleitung zu ergründen , als er ihr offenbaren konnte ; denn gewinnen mußte sie sich den Geliebten , das war im Himmel wie in ihrem Herzen beschlossen ! Dreizehntes Kapitel Während ein unnatürlich Beginnen der nothwendigen Ordnung des Lebens vorgreifen wollte , entfaltete sich der Frühling nach alten , ewigen Gesetzen , und schien es den Menschen an das Herz zu legen , sich der stillen Führung der Natur ruhig zu überlaßen . Unwetter und Stürme hatten ausgekämpft , die Erde lachte ein neues Dasein in jedes Herz hinein , ihre feste Rinde gewann ein lockeres duftiges Ansehn , man sah sie arbeiten , und wenn sie Abends wogender Dampf umzog , und wieder in ein großes Meer umzuwandeln schien , schwirrende Insekten durcheinander brausten , und tief unten alles hämmerte und pochte , dann fühlte jeder die Welt aufs neue in sich entstehn ! Marie , wie Giannina und Alexis , waren die allerseligsten Kinder ! Tagelang schweiften sie umher , sie waren nicht im Hause zu erhalten , und Marie , welche im Kloster ein eigenes Gärtchen hatte , ließ nicht ab mit Bitten , bis ihr Adalbert auch jetzt ein Sommerhaus , mit recht freundlicher Umgebung , vor dem Thore miethete . Hier war sie ganz in ihrem Element , sie verstand und trieb die Blumenzucht mit vielem Eifer . Alexis ging ihr dabei ganz besonders zur Hand . Der Knabe hatte Geschick und Trieb zu allem , was er Andere machen sah , deshalb war er auch überall , wo es etwas zu thun gab , und überall aufmerkend , behend und tauglich . Giannina lief viel hin und her , allein mit der Arbeit wollte es nicht recht von statten gehn , indeß erhielt sie das Geschäft stets heiter , und Adalbert mußte sich eingestehn , daß er nichts reizenderes kenne , als die drei zarten Wesen , welche , wie Elfen auf grünem Boden , ihr freundlich Beginnen so leicht und anmuthig förderten . Sie hatten recht nach Feeenart einen Blumenthron unter zwei dicht ineinander verwachsenen Ulmen erbauet . Eine Wand schlanker Kelchblumen , hoher Feuerlilien und glührothen Mohnes , faßte den lieblichen Sitz ein , am Boden blüheten Doppelveilchen und Anemonen , den Rasen aber bezog ein Gewinde der schönsten Vinka . Adalbert saß hier oft Stundenlang , und tändelte mit Marten , die , immer geschäftig , sich nur einzelne Augenblicke abstahl , um dem geliebten Mann in die Arme zu fliegen , und allen freundlichen Spott und die tausend kleinen Neckereien von seinem Lippen wegzuküssen . Nicht selten feierte Giannina solche Augenblicke mit ihrer Herrin , und , sich in die Zweige der starken Ulme schwingend , saß sie über dem jungen Ehepaare , wiegte sich nachläßig in dem Grün , und stimmte ein scherzendes Liedchen auf ihrer Mandoline an . Einst waren alle hier versammelt , als die Baronin herzukam und Marien bat , sie nebst mehrern Andern auf einem Spatziergang den Rhein hinunter zu begleiten , wo sie in einer Meierei zu Abend essen und Nachts zu Wasser rückkehren wollten . Marie ließ sich sogleich willig finden . Giannina sollte ihr Instrument mitnehmen , Alexis , der zeither ganz artig das Flageolet blies , durfte auch nicht fehlen , man versprach sich unendliches Vergnügen . Auch Adalbert ward bestürmt , mit zu gehn , er hatte noch Geschäfte , wollte indeß gewiß nachkommen . Antonie war mit dem Marquis ; man wußte nicht , ob sie zu dem lustigen Feste gestimmt seien , doch ward Bertrand aufgetragen , sie einzuladen , wenn sie aus ihren Zimmern kämen . Die Andern waren zum Aufbruch bereit . Marie hatte ihren Strohhut mit Mohn geschmückt , und sah sehr reizend aus , als sie , von ihren jungen Gefährten begleitet , den Zug eröffnete . Giannina wußte sich nicht zu laßen vor innerer Lust , sie bewegte den kleinen Körper in tausend zierlichen Verdrehungen , spielte , sang und tanzte , und zwang Alexis , in ihre komische Liedchen und Geberdensprache mit einzustimmen . Adalbert blieb noch auf seinem Platze sitzen , sah innerlich entzückt der anmuthigen Frau nach , und sich selbst in unzählige liebliche Bilder hinein , bis der Blumenduft , das Säuseln der Blätter , die schwüle Stille um ihn her , seine Augen schloß und er fest einschlief . Nicht lange , so theilte sich die Blumenwand hinter ihm , Antonie beugte sich leise hervor , legte ihre rechte Hand unter sein Herz , und flüsterte , mit den Lippen fast seine Schläfe berührend : » Laß mein Bild in Dich eingehn , halte es fest , wie es der Traum Dir zeigt , werde mein