Dir verglichen . Von der Einen hast Du die Stirn , von der Andern die Augen , von der Dritten , Vierten , Fünften , die Nase , den Mund , das Kinn u.s.w. Wohl bemerkt ! unter diesen Allen keine Einzige Deutsche . - Ohne Zweifel aber sämmtlich Deine Frau Muhmen , Basen , Urgroßmütter im hundert und funfzigsten , sechzigsten Gliede . - Ach Gott ! wer sich doch auch einer solchen Familie rühmen könnte ! Ja , hat es mich jemals geschmerzt , aus keinem heiligen Blute entsprossen zu seyn ; so ist es gerade jetzt . In allem könnte ich mit dieser liebenswürdigen Frau sympathisiren ; nur die fatale Heiligenfamilie kommt immer dazwischen . Gott weiß wie es zugeht ! - Sie selbst hat doch so gar nichts Heiliges . - Nennt alle Dinge bey ihren Nahmen , liebt und haßt so südlich , so unheilig wie möglich . Allen Rosenkränzen und Heiligenbildern unbeschadet . Indessen ist doch die Glückseeligkeit dieser Auserwählten nicht ohne Wechsel . Auch sie haben ihre Sonnen- und Regentage . Ja manchmal könnten sie den ersten , besten Unheiligen beneiden . Signora Antonelli ' s Schutzpatron , hat es zwar , im Ganzen genommen , recht gut . Aber ich weiß mich gleichwohl der Zeiten zu erinnern , wo er , statt vier Wachskerzen nur zwey , ja wenn er sich um Briefe von dem geliebten Sohne zu lange bitten ließ , wohl gar keine erhielt . Die Schutzpatrone der Köche , Schiffer und Fuhrleute haben es viel schlimmer . Stöße , Schläge , die ärgsten Schimpfnahmen müssen sie sich gefallen lassen , wenn sie die Bitten ihrer Gläubigen vergessen , oder zu saumseelig erfüllen . Bey dem allen hat aber ein solcher Schutzgott für den Besitzer sehr viel Angenehmes . Ich wenigstens lasse mir einen machen , und zwar nach dem Modelle eines jungen Bauers hier in der Nähe . Jeden Abend trägt er seine alte Mutter in die Kühle , unter ein Laubdach , was er gerade meinem Fenster gegenüber aufgeschlagen hat . Die Art , wie er ihr Lager bereitet , die Zweige an einander fügt , Blumen und Früchte herbeyholt , giebt ihm wirklich etwas Heiliges . Letzt , als er sie wieder hinaus trug , hatte er zu gleicher Zeit die Früchte mitgenommen ; aber plötzlich stieß er an einen Stein und da lag der Korb und die Früchte . Geschwinde lief ich hinunter , sammelte sie wieder in den Korb und brachte sie ihm entgegen . Er nahm sie , sah mich an , konnte mir nichts sagen , ich ihm auch nicht , und so giengen wir langsam von einander . Als er nun den folgenden Tag wiederkam , fand er schon ein recht hübsches Sopha in der Laube und noch schönere Früchte als die seinigen . Er blickte nach meinem Fenster , legte die Hand aufs Herz und grüßte mich auf eine Art - ja , die sich recht gut sehen , aber nicht beschreiben läßt . Seitdem haben wir nun unsre ganz eigne Zeichensprache . Mir gefällt sie so wohl , daß ich den Augenblick fürchte , wo sie sich in Worte verwandeln wird . Auch suche ich ihn so viel als möglich zu entfernen . Aber unterdessen der junge Heilige draußen mit seiner Mutter beschäftigt war , bin ich in ihrer Wohnung gewesen , und habe mir da verschiedenes gemerkt , was die arme , kranke Frau entbehrte . Jedesmal nun , wenn er ins Haus tritt , findet er irgend etwas neues . Da kommt er dann gelaufen und peinigt meine Leute : » Sie sollen ihn vorlassen ! Es wird zu viel - Er kann es nicht tragen « u.s.w. - Aber da bin ich nun hart , meine Leute dürfen nicht wanken , und er muß mit seiner ganzen Schuldenlast wieder zurück . Nun , wie gefällt Dir mein Heiliger ? - Soll ich Dir eine Kopey machen lassen ? oder willst Du lieber den von Signora Antonelli haben ? Er gleicht ihrem Sohne , wie ein Tropfen Wasser dem andern . Acht und vierzigster Brief Olivier an Reinhold Der König ist hier , und Antonelli ist fort . Kaum war er des Arrests entlassen und dem Könige vorgestellt ; so bat er um seinen Abschied . Bat ? sage ich - trotzte , und zwar so arg ; daß ihn der König in völligem Unwillen entließ . Er findet sie nicht , das ist gewiß ; und doch bin ich auf der Folter . Durch einige absichtliche Nachlässigkeiten habe ich ihn auf ganz andere Wege zu leiten gesucht . Er findet sie nicht , er kann sie nicht finden . Auch ist Ubaldo eben so behutsam , ja noch behutsamer , als ich . Volle acht , ja vielleicht zwölf , vierzehn Tage soll ich nun diese Marter so dulden . Muß täglich auf neue Feste und andere Spielereyen denken . Die herrliche Frau , die Königin , ist noch das Einzige was mich tröstet . Scheinbar glaubt sie alles , was ich ihr von Juliens Reise zu der Freundin erzähle ; aber fühlt sie , daß es meinem gepreßten Herzen Noth thut , verstanden zu werden , - o so versteht , so theilt sie alles , was ich ihr nimmermehr sagen mögte . Die Gewalt dieser Frau über sich selbst , geht in das Unbegreifliche . Nach allen Schrecklichkeiten die sie erleben mußte , mit welcher Schonung sie ihn behandelt ! Nein ! ich war ein roher , verwahrloster Mensch ; aber so vieler Liebe , so vieler Geistesgröße könnte ich nicht widerstehn . Freylich , es ist wahr , diese außerordentliche Klugheit - ich könnte sie doch nicht an der Einzigen ertragen . Ach die hohe göttliche Einfalt ihres Herzens ! beynahe glaube ich : sie ist mir noch reizender , als ihre Schönheit . - Sich selbst kann sie täuschen ; Andre nimmermehr . Nein ! nein ! wenn ich ihr jemals untreu würde