« - » Wer spricht davon ? Ich meinte nur . « - » Ja dir macht man ' s nimmermehr recht ! Mit deinem häßlichen Mißtrauen machst du einen auch mit so argwöhnisch ; hätte ich mich nicht beinahe ganz erschrecklich gegen die junge gnädige Herrschaft vergangen ? Und wer war schuld als du ? « - » Ich will alles verantworten , was ich spreche , aber das können nicht alle , und darum müssen sie sich wohl in acht nehmen ! « - » Ach und es ist doch gewiß eine liebe allerliebste Herrschaft ! Ich würde mich in meinem Leben nicht zufrieden geben , wenn ich sie beleidigt hätte . « - » Beleidigt hast du sie doch , aber sie hat es dir wieder verziehen ! « - » Ja so gütig ist sie , und so herablassend , wie eine Heilige , und dabei so zart und so schön ! Vater , wenn du das so gesehen hättest , wie ein Wachsbild , man kann sie doch gar nicht genug ansehen ! « - » Und die beiden jungen Herren sind wohl auch so gütig wie die Heiligen ? Ja ihr Frauen ! « - - » Nun , was fällt dir wieder ein ? Du hast immer ganz besondere Gedanken . « - » Ja vorzüglich der eine , der ist nun vollends lauter Güte ! Nicht wahr ? « - » Welchen meinst du denn , Väterchen ? « - » Nun den , du weißt wohl , du hast ihn mir ja so schlau gezeichnet . « - » Ich versteh ' dich nicht , mein Schatz ! « - » Sieh doch nur seine grüne Jacke an , der linke Ärmel ist ja ganz weiß ! Wo sollte er denn das wohl herhaben ? « - » Weiß ? der linke Ärmel ? Wie soll ich ' s denn wissen ? In der Mühle macht man sich leichthin weiß . « - » Ja besonders , wenn die Müllerin so leicht rot wird ! « - » Es muß auch alles zusammentreffen , um dich argwöhnisch zu machen . « - » Behüte , lieber Schatz « , sagte der Müller laut lachend , und küßte sie , » ich bin nicht im geringsten argwöhnisch , wenn ich deutlich alles sehe und höre , wo man mich nicht vermutet . « - » Nun , wenn du alles gesehen hast , so wirst du auch wohl gesehen haben - « - » Daß du dich wacker gesträubt hast , als er einen Kuß von dir verlangte . Ja mein Kind , siehst du , daher ist er weiß am Ärmel ! « - Florentin gefiel die leichte gutmütige Art , womit der Müller über die kleine Begebenheit scherzte . Er selbst war gemeint ; er hatte sich mit der jungen artigen Müllerin einige Schäkereien erlaubt , um sie bei guter Laune zu erhalten , als ihre Gäste ihr noch unbekannt waren , und er ihr mit immer neuen Forderungen für Julianen viel Mühe machen mußte . Er trat vom Fenster zurück und pfiff und rief den beiden Hunden , um sich vom Müller bemerken zu lassen . Dieser kam ans Fenster und nötigte ihn , noch ein wenig in die Stube zu kommen . Florentin ging hinein und unterhielt sich mit ihm ; der heitre , grade Sinn des Mannes und sein guter Verstand gefielen ihm immer besser . Florentin nahm , während er sprach , mit der größten Unbefangenheit die Bürste vom Nagel , die unter dem Spiegel hing , und bürstete sich ruhig das Mehl vom Ärmel ; die Müllerin lief ganz beschämt aus der Stube , aber der Müller lächelte und ließ sich nicht im geringsten aus der Fassung bringen . Er sprach viel von seinem Stande und seinem Geschäft . Seine sparsamen , ruhigen Worte , und die Überzeugung der Wichtigkeit , mit denen er die Sorgen und Freuden davon schilderte , ohne irgendeinen andern Stand im Leben unnötig und mit affektierter Verachtung mit dem seinigen zu vergleichen , gab ihm eine Würde , der Florentin mit Ehrerbietung begegnen mußte . Er gedachte dabei mit einem Gefühl von Beschämung an die Unruhe , mit der er selbst sich umtrieb , um einen Zweck zu finden , der seinem Leben Wert und Bestimmung gäbe . Der Müller bemerkte endlich , es wäre nun wohl Zeit für ihn , sich zu Bett zu legen ; Florentin bot ihm eine gute Nacht , und war im Begriff hinauszugehen , als Eduard hereintrat , und in Julianens Namen den Müller und seine Frau ersuchte , die Nacht mit den beiden Herren durchzuwachen , sie selbst wollte versuchen zu schlafen , sie wäre aber so ängstlich , daß sie gewiß nicht würde schlafen können , wenn nicht alles im Hause wachte . Sie ließ die Frau bitten , bei ihr im Zimmer zu bleiben , und den Müller , ja sobald der Tag anbräche , jemand aufs Schloß zu schicken . Die Müllerin ging sogleich zu ihr , und der brave Mann war ebenso willig , den Befehlen der jungen Gräfin zu gehorchen . Florentin bemerkte etwas ungewöhnlich Heftiges und Leidenschaftliches an seinem Freunde . Er ließ sich in kein Gespräch mit hineinziehen , gab zerstreute oder gar keine Antwort , und ging hastig , und mit ungleichen Schritten in der Stube auf und ab . Florentin glaubte sogar in seinen Augen Spuren von vergoßnen Tränen wahrzunehmen . Diese Äußerungen waren bei dem sonst sanften stillen Eduard etwas befremdend , doch beunruhigten sie seinen Freund nicht weiter ; er hielt es höchstens für Zeichen eines kleinen Zwistes zwischen ihm und Julianen , von denen , welche die Liebe ebenso schnell zernichtet , als sie sie erzeugte . Er redete ihn an und äußerte fein spottend seine Vermutung ; Eduard blieb aber ernst und trübe , und bat ihn kurz darauf , mit ihm hinaus ins Freie zu gehen . Die Nacht