sah in hohem Grade erregt aus , und Renatus , der dies mit dem Erkranken der Herzogin in Verbindung brachte , fragte in lebhafter Theilnahme : Wie geht es der Herzogin , wie befindet sie sich ? Gut , gut ! entgegnete Eleonore in einer Weise , die den Freiherrn erschreckte , denn es lag etwas völlig Verstörtes in der Hast und in dem Tone , in denen sie zu ihm sprach , - gut , aber davon ist nicht die Rede ! - und vor Renatus hintretend , indem sie beide Hände fest gegen ihre Brust preßte , sagte sie , während ihre Wangen glühten und ihre Augen funkelten : Herr von Arten , ich befinde mich in einer Lage , in der sich wohl nicht leicht eine Frau wie ich vor mir befunden hat ! Meine Ehre , meine ganze Zukunft stehen auf dem Spiele - ich bin verloren , wenn Sie mich nicht erretten ! Renatus traute seinen Sinnen nicht . Die Angst der Gräfin erfaßte auch ihn . Er glaubte sie von Wahnsinn ergriffen , wie er sie also vor sich sah , und das Entsetzen darüber drohte auch ihn zu verwirren . Reden Sie , reden Sie ! Was ist geschehen , Gräfin ? rief er beklommen aus - was kann , was soll ich thun ? Sie müssen mich heirathen ! stieß Eleonore hervor , und sie erbleichte , als sie das Erschrecken des Freiherrn sah . Die Ueberzeugung , daß er eine Geisteskranke vor sich habe , stand in dem Augenblicke in Renatus fest . Er wußte nicht , was er sagen , was er denken sollte , und unwillkürlich darauf bedacht , sich der Unseligen zu bemächtigen , ergriff er ihre Hände und sprach so ruhig , als er es vermochte : Setzen Sie Sich , theure Gräfin , Sie sind sehr erschüttert - setzen Sie Sich nur , dann .. Eleonore lachte hell auf . Sie halten mich für wahnsinnig , und in der That , es ist danach angethan , mich wahnsinnig zu machen - aber noch habe ich meinen Verstand , noch bin ich ich selbst , noch habe ich den festen Glauben , daß Ihre Freundschaft mein Erretter sein wird , daß Sie mich nicht zur Lügnerin werden lassen - und auf meinen Knieen will ich ' s Ihnen danken ! Der Vorgang wie der Zustand der Gräfin wurden Renatus immer räthselhafter , und gemartert , wie er sie gemartert sah , rief er : Sprechen Sie , oh , sprechen Sie , damit ich nur erfahre , was geschehen ist ! Eleonore hatte ihre Hände frei gemacht und strich mit hastiger Bewegung ihr Haar zurück , das aufgegangen und ihr weit um Stirn und Leib herabgefallen war . Sie kennen , hob sie mit gewaltsamer Selbstbeherrschung zu sprechen an , Sie kennen die Absicht meiner Tante , mich mit ihrem Sohne , dem Prinzen Polydor , zu verbinden ! Sie wissen , daß ich die Herzogin und ihren herrschsüchtig-heuchlerischen Charakter verabscheue , daß ich um keinen Preis die Bande noch zu verstärken wünschen kann , die mich ihr verbinden , und Sie wissen auch , daß es mich nicht gelüstet , die Gattin des Prinzen , eines Mannes zu werden , der mein Vater sein könnte und dessen Ruf als Muster eines Edelmannes sich zum Theil auf eine Reihe von Abenteuern gründet , die ihn mir verächtlich machen ! Sie hielt inne , ihre Aufregung versetzte ihr den Athem . Ich habe die persönlichen Bewerbungen des Prinzen , die Vorstellungen meiner Tante nie beachtet , und ich war berechtigt , dies zu thun , denn ich bin volljährig und Herr meiner Person und meines Besitzes ! Aber was man auf geradem Wege von mir nicht zu erringen vermochte , das hoffte man mit List mir abzugewinnen ! - Und wieder hielt die Gräfin inne . Dann sagte sie : Heute , auf dem Balle , trat der König an mich heran . Man hatte ihn , ich wußte es , dazu zu überreden vermocht , dem Prinzen meine Hand zuzusagen , als ob derselbe ein Anrecht an mich besäße , oder als ob ich eine der Unterthaninnen , eine Sklavin dieses Königs wäre , die ihm blindlings zu gehorchen hat ! Mit einem sehr gnädigen Scherze legte der König meine Hand in die des Prinzen , gab er dem Prinzen Urlaub , sich mit mir auf seine Güter zurückzuziehen , und ... Und ? fragte Renatus , und was dann ? Ich war außer mir ! nahm Eleonore mit wiederkehrender Heftigkeit das Wort . Aller Augen waren auf mich gerichtet ! Ich sah das mir verhaßte Lächeln auf des Prinzen Lippen , ich sah die Zufriedenheit in den Augen der Herzogin ! Ich sollte ihre Zufriedenheit mit dem Unglücke meines ganzen Lebens erkaufen - das ging über meine Kräfte ! Ich zog meine Hand zurück , ich sagte : ich bin nicht frei ! - Ich weiß nicht , warum die Empörung mich keinen andern Ausweg finden ließ , wie das Erschrecken mich vergessen machen konnte , daß Niemand ein Recht hat , über mich zu bestimmen , als ich selbst ! Und als der König dann zu wissen forderte , was mich binde , da - da - nannte ich Sie ! Sie brach plötzlich ab und schöpfte Athem , als sei es ihr leichter , nun sie das Wort gesprochen hatte . Renatus trat von ihr zurück . Mich , fragte er , Sie nannten mich ? Seine Betroffenheit konnte ihr nicht entgehen , ihr alter Stolz entzündete sich an derselben . Mich dünkt , sagte sie , es ist keine Unehre für Sie , wenn ich vor dem Könige und dem ganzen versammelten Hofe Sie , Herr von Arten , als den Mann bezeichnete , dem ich meine Zukunft anvertrauen will und den ich mir erwählte ! - Völlig vergessend , wie sie es als ein nicht zu verzeihendes Unrecht anerkannt hatte , daß