Vereinigung hindert und dich in Richtungen treiben wird , die mit deinen hiesigen Lebensbedingungen im grellsten Widerspruche stehen . Fürchtet man Das ? Wünschen ! Fürchten ! Ich habe Männer von hoher Stellung folgendermaßen reden hören : Dieser Prinz Egon von Hohenberg ist nun gesund und wird bald in die Gesellschaft treten und sich ohne Zweifel an der Lösung unserer Wirren betheiligen . Schlimm , wenn er sie vielleicht noch vermehren sollte ! Es fehlte uns nur noch , daß ein so hochgestellter junger Adliger mit diesem Namen , mit diesen glorreichen Familienerinnerungen , nachdem schon einige junge Adlige und Fürsten uns Verwirrung genug gebracht haben , in Deutschland als Communist auftritt ! Entsinnst du dich denn nicht unserer Gespräche auf der Reise ? warf Egon hin . Die Gräfin d ' Azimont , fuhr Dankmar nichtachtend fort , wird für deinen guten Genius gehalten . Man hebt hervor , daß sie eine Aristokratin auch der Gesinnung nach ist . So sehr Eure Beziehung gegen die Grundsätze verstößt , die jetzt in unserer Gesellschaft vertreten werden , so wird man sie doch dulden , anerkennen und ihr Ziel , die eheliche Vereinigung , befördern , wenn sie es durchführt , dich von deinen französischen Bahnen zu trennen . Man nennt dich schon ehrgeizig : man behauptet , du strebtest nach Popularität . Man fürchtet , du würdest durch Aufstellung eines neuen Parteiprincipes die Verwirrung vermehren , die so schon an dem Grundbau und dem Fachwerke unseres Staates mehr rüttelt und ihn dem Sturze näher gebracht hat , als es äußerlich beobachtet werden kann . Dankmar gab diese Fingerzeige so ruhig , so maßvoll , so bei aller Strenge duldsam , daß Egon statt der Antwort auf diese Thatsachen selbst sich nur an Den hielt , der sie ihm mittheilte . Ich bewundere ... sagte er und stockte . Was ? fragte Dankmar . Nichts , als dich , dich selbst , Wildungen ! Wie verschmitzt du bist ! Wie fein zugespitzt du das Alles vorträgst ! Man glaubt einen König der Salons zu hören oder einen Diplomaten . Statt dieses etwas zweideutigen Lobes , antwortete Dankmar lächelnd , möcht ' ich lieber hören , was wol Prinz Egon zur Widerlegung aller dieser nur fraubasenhaften Befürchtungen thun wird ? Vor allen Dingen , mein Freund , sagte Egon , werd ' ich mich inniger und wärmer denn je an meine Lieben anschließen . Ich habe einen neuen mir ebenbürtigen Freund in dir gewonnen und in Louis Armand besitz ' ich etwas , was du mir nicht einmal sein kannst . Ich bin hier so gut wie fremd . Meine Angelegenheiten treff ' in der größten Unordnung . Ackermann erstrebt das Beste , aber ich kenne die Chimärensucht der neuen theoretischen Ökonomen aus meinen englischen Studien . Nur die großen englischen Grundbesitzer sind im Stande , von der alten überlieferten Weise , die Erde zu bebauen , manchmal abzuweichen und mit Maschinen Versuche anzustellen . Das Zehnte bewährt sich nicht . Die Einigkeit zwischen Ackermann und Herrn von Zeisel , dem nominellen Verwalter des Ganzen , so zu sagen das alte Ministerium , scheint nicht die größte zu sein . Schlurck , mir längst verhaßt , ist abgeschüttelt , aber er hielt die Ansprüche der Gläubiger meines Vaters zurück : ich fürchte , sie werden nun zudringlicher und begehrlicher als je werden . In dieser schwierigen Stellung ist mir eine solche uneigennützige , zwischen Freund und Diener schwankende Hingebung , wie die meines Louis , Goldes werth , denn der gute Mensch ist ohne Ansprüche und fügt sich in jede Rolle und wäre es die des Lakaien . Ich kann ihn nicht entbehren , Wildungen . Ich theile seine communistischen Grundsätze nicht , aber ich ehre viele seiner Principien und werde für sie insoweit zu wirken streben , als ich , wie ich dir schon auf unserer Reise sagte , für eine größere Heilighaltung der Arbeit bin . Wenn ich den Prinzen kenne , hab ' ich oft den Leuten gesagt , so ist er ein Aristokrat , wie Ihr es nur selber seid ! ... Dankmar warf diese Bemerkung leicht , doch nicht ohne einen forschenden Blick hin . Ich bin kein Aristokrat ! wallte Egon fast vorwurfsvoll auf . Ich will , daß Gedanken herrschen , nicht Überlieferungen . Die Politik , wie sie in Frankreich getrieben wird , gefällt mir nicht im mindesten . Aber auch die deutsche ist mir verhaßt , die zumal , die hier bisher das Ruder führte . Säß ' ich in einer Kammer , ich würde , wie jetzt die Dinge stehen , zur Opposition gehören . Vergib mir , sagte Dankmar , als er bemerkte , daß Egon zu lebhaft wurde und sich über sein Antlitz eine plötzliche Röthe zog ; vergib mir , daß ich die Schonung des erst Genesenden vergessen habe . Diese Dinge sind wichtig , aber aufregend . Doch nicht ! Doch nicht , Wildungen ! sagte Egon und bat nur den Freund , ihm zu gestatten , daß er sich auf ein Kanapé streckte . Er forderte ihn auf zu rauchen . Er bot ihm türkische Cigarren an und erstaunte selbst , daß Louis Armand Alles so hergerichtet hatte , wie er es zu seinem nächsten Bedürfniß stündlich nur wünschen konnte . Wie sieht es denn in der Welt aus ? sagte er . Sind die Kammern zusammengetreten ? Steht das Ministerium noch ? Es wird , sagte Dankmar , die Cigarre ablehnend , mit den Kammern fallen , die sich eben versammeln . Man macht ein neues Ministerium aus der Kammermajorität . Dies regiert vierzehn Tage . Dann kommen einige Forderungen , die die Krone stellen wird . Das Ministerium wagt sie nicht an die Kammer zu bringen und dankt theilweise ab . Einige , die mehr Muth haben , bleiben und verstärken sich durch Offiziere , Chefpräsidenten , Bankiers ... Man wird dies Ministerium das Ministerium der Thaten nennen . Man fordert jetzt , was die