zu widerstehen vermocht habe . Und wie er am Abende mit innerer Beschämung seinen Brief begonnen hatte , war er sehr wohl mit sich zufrieden , als er ihn am andern Morgen durchlas und beendigte . Die Jahre , welche er fern von der Heimath und von seiner Braut verlebt hatte , dünkten ihn unbegreiflich lange . Er warf es sich vor , daß er nicht eher an seine Heimkehr gedacht , daß er die immer wiederholten Mahnungen seiner Braut , die auf das genaueste mit den Vorstellungen Paul ' s zusammentrafen , bisher unbeachtet gelassen habe . Er versprach am Schlusse seines Briefes , daß er noch selbigen Tages die nöthigen Schritte thun wolle , um sich einen längeren Urlaub zu erwirken , verhieß seiner Braut , daß ihre Verbindung nun nicht weiter hinausgeschoben werden sollte und daß sie dann gemeinsam überlegen würden , ob sie mit ihm nach der Weltstadt an der Seine zurückkehren oder ob er darauf antragen solle , in eines der in der Heimath stehenden Regimenter versetzt zu werden . Es fiel ihm dabei gar nicht auf , daß er der Möglichkeit , in Richten auf seinen Besitzungen zu leben , nicht gedachte , obschon alle seine und seiner Verlobten Plane früher eben darauf berechnet gewesen waren . Da er um Mittag zur Parade gehen mußte , nahm er den Brief an Hildegard mit sich , um nachzufragen , ob er nicht auf der Gesandtschaft eine Gelegenheit fände , ihn schneller als durch die damals noch sehr langsam gehenden Posten zu befördern , und als ihm dies gelungen war , sprach er noch in dem Collegium vor , weil er den Abbé zu sehen und ihm zu sagen wünschte , wie wohlthätig und befreiend seine gestrigen Erklärungen auf ihn gewirkt hätten . Aber als er sich nach demselben erkundigte , erhielt er den Bescheid , daß der Herr Abbé vor zwei Stunden mit einem der anderen Herren aus dem Collegium abgereist sei . Auf die Frage , wohin er gegangen wäre , ob man die Zeit seiner Wiederkehr bestimmen könne , wußte der Dienstthuende keinen Bescheid zu geben , und Renatus ließ also nur seine Karte mit einem Gruße und ein paar Dankesworten für den Abbé zurück , welche diesem verständlich sein konnten , ohne einem Dritten irgend etwas Ungewöhnliches zu sagen . An Hildegard denkend und dabei immer wieder auf Eleonore zurückgeführt , tadelte er sich endlich , daß er sich nicht offener und freier gegen dieselbe gestellt habe . Alles , was der Abbé von ihr behauptet , das gab Renatus auch jetzt noch zu , hatte mehr oder weniger seine Richtigkeit ; aber darin schien der Abbé ihm Unrecht zu thun , daß er der Gräfin ihre eigentliche Wesenheit zum Vorwurfe machte , daß er nicht anerkannte , wie eine solche Natur sich auf ihre Weise mit der Welt und mit dem Leben abzufinden habe . Es ist sein Stand , es ist seine Ehelosigkeit , sagte sich Renatus , die unseren Abbé so streng machen , und es gefiel ihm , daß er sich eines nachsichtigeren Urtheils über die Gräfin bewußt war . Wenn eine Frau wie diese mehr für die Freundschaft als für die Liebe geschaffen schien , so hatte man , nach des jungen Freiherrn Ansicht , diese Eigenschaften , die sie besaß , zu schätzen , hatte man anzunehmen , was sie zu bieten gewillt war , ihr zu leisten , was sie begehrte , und der Abbé am wenigsten durfte sich über Eleonore , wie sie nun einmal war , beschweren . Renatus war sich nie so ehrlich wie eben jetzt des gewaltigen Eindruckes bewußt gewesen , den Eleonore auf ihn gemacht hatte . Er gestand es sich jetzt offen ein , daß es hauptsächlich sie gewesen sei , die ihn an Paris gefesselt und ihm den Gedanken an seine Heimath und an seine Braut beängstigend gemacht habe . Nun er aber zur Besinnung und zu sich und den eigentlichen Bedingungen seines Daseins zurückgekehrt war , meinte er es eben einer Eleonore auch schuldig zu sein , ihr frei und unumwunden seine Freundschaft anzutragen . Er wollte ihr Vertrauen gewinnen , indem er ihr das seinige voll und ganz gewährte . Sie sollte wissen , wie nahe er daran gewesen war , um ihretwillen sich und seinen Pflichten , ja , seiner Ehre untreu zu werden ; und da seit gestern auf dem Boden seiner neu gefaßten guten Vorsätze das Bild seiner Braut wieder lebendig in ihm emporstieg , so daß es sich ihm in dem Schimmer der Sehnsucht und der Erinnerung immer mehr verklärte , so tauchte gleichzeitig auch das Verlangen in ihm empor , die beiden Jungfrauen , welche ihm als die Ideale ihres Geschlechtes , als die beiden weiblichen Wesen erschienen waren , denen er sich in Liebe und Freundschaft hinzugeben wünschte , einander nahe zu bringen und wo möglich durch seine Vermittlung zu verbinden . Dreizehntes Capitel Voll von den angenehmsten Vorstellungen , überzeugt , daß Eleonore und Hildegard , wenn sie Freundinnen werden könnten , die segensreichste Wirkung auf einander üben müßten , und entschlossen , gleich heute , wenn Eleonore von dem Balle heimgekehrt sein würde , eine Unterredung mit ihr zu suchen , langte Renatus in dem Palaste der Herzogin an , und das Erste , womit der Thürsteher ihn empfing , war die Botschaft , daß die Gräfin ihn zu sprechen wünsche . Das überraschte ihn , denn er hatte die Damen noch auf dem Feste vermuthet . Man sagte ihm , daß die Herzogin sich nicht wohl gefühlt und deshalb den Ball verlassen habe , und von dieser Kunde wie von dem Wunsche der Gräfin angetrieben , eilte er die Treppe hinauf und ließ sich bei derselben melden . Er fand Eleonore allein in ihrem Zimmer . Sie hatte ein loses , weites Morgengewand angelegt , ihr Haar , von dem man die Krone und die Blumen abgenommen hatte , war noch nicht völlig wieder geordnet . Sie