christlichen und orientalischen Judenthums und der rabulistische Advokatengeist von Westen . Beide sind Früchte der gepriesenen Neuzeit . « » Ihr Adel - « » Unser Adel - sehen Sie hin da auf jene zahlreiche Gesellschaft , markige frische Gestalten und Gesichter - ich liebe die geborene Noblesse des Körpers ! Unser Adel hat sich brav bewährt und ich gönne ihm selbst seine stark wieder hervortretende Exclusivität . Aber der Schachergeist nagt leider auch an ihm , schmuziger Rost an gutem Stahl , die Spiritusspeculation und der Handel ruinirt mir den noblen Eindruck . Der berliner Wechselwucher hat schon manchen berühmten Namen fallen machen . « » Es sind dies leider Corruptionen , die Sie überall finden - die Sucht , reich zu werden , die Börse , die sogenannte Geldaristokratie , sind Uebel , die nicht allein demoralisiren , die auch materiell untergraben . « » So möge man den kaufmännischen Geist , den sogenannten Segen des Handels , nicht allzusehr poussiren . Ich bin kein Feind des Judenthums als solches , Freund , aber ich hasse das Judenthum als sociale Macht aus tiefster Seele , und unser ganzes Ringen , unser ganzer Kampf ist hauptsächlich mit ihm . Wollen Sie materielle Beweise ? - Berlin bietet sie in reichem Maaße . Seit 1848 sind erst sechs Jahre verflossen . Gehen Sie durch den Thiergarten - mehr als die zweite prächtige Villa ist jüdischer Besitz . Sehen Sie unsere Etablissements , unsere Banquiergeschäfte , den Getreidehandel , die glänzenden Waarenbazars , die Schneider- und Tischlermagazine , - Handel und Wandel - Besitz und Arbeitgebung an - zwei Drittheile befinden sich in den Händen der Juden . Der Handwerkerstand ist durch die Speculation der Geldmacht förmlich ruinirt . Das Judenthum herrscht in der Kunst - unsere ersten Schauspieler sind fast sämtlich Juden ! - wie in der Litteratur und Wissenschaft . Ich wiederhole es Ihnen , ich bin kein Feind der Juden als Juden , und habe liebe , geschätzte Freunde unter ihnen , - aber ich hasse das speculative zersetzende Judenthum , das Alles unter die Herrschaft der Zahlen bringt . « Der fremde Arzt lächelte . - » Sie werden eifrig in Ihrem Thema . Das sind Fragen , über die Staatsmänner und Zeitungen verhandeln mögen . « » Entschuldigung für die Abschweifung , und dennoch wird sie Ihnen auch einigermaßen hiesige Verhältnisse characterisiren , die Factoren des jetzigen berliner Lebens : den Hof , den Adel und das Militair , - das Geheimerathsthum , - die jüdische Geldherrschaft und zuletzt - das bürgerliche Philisterthum . « » Sie vergessen Ihre Presse , zu der Sie ja selbst gehören und die immer eine Macht ist . « Der Berliner lächelte . - » In Berlin nicht . Es giebt in der ganzen Residenz zwei Blätter von journalistischer Würde und Gesinnung : die Kreuzzeitung und die Nationalzeitung . Die Presse ? Wissen Sie , aus was unsere Presse besteht ? Aus einem kleinen Häufchen anständiger und gesinnungsvoller Männer , aus einigen wenigen Talenten , aus einem Schwarm politischer Apostaten und aus einer ziemlichen Anzahl unfähiger Judenjungen , die in andern Geschäften nicht vorwärts kamen . Bewährte Republikaner redigiren conservative Organe , von Eitelkeit geplagte Krämer fabriciren Leitartikel , Frauen und Narren machen die Kritik , ehemalige Bänkelsänger und durchgefallene Referendarien die Politik und naseweise Jungen die Correspondenzen . Es giebt verteufelt Wenige , zu denen man mit Anstand sagen kann : Herr College ! und die Collegenschaft der Anständigen ist so jämmerlich , daß sie noch niemals den geringsten Gemeingeist gezeigt hat , selbst gegenüber der polizeilichen Zuchtruthe des Herrn von Hinckeldey . « Sie waren Beide stehen geblieben im Gespräch und schauten dem Abritt der Jockey ' s zum neuen Rennen zu , als zwischen ihre Köpfe sich der eines hochbeinigen , störrigen Gaules streckte . Vergebens zerrte der jugendliche Sonntagsreiter , in einen jener duftigen Gummiröcke gehüllt , die das Grauen der Damennerven sind , an den Zügeln , um der Rosinante eine andere Richtung zu geben , der Gaul wollte nicht , und eine Gruppe lachender , junger Offiziere und Sportsmans bildete sich um den Unglücklichen . » Verehrungswürdiger James , « sagte der Journalist spöttisch , » verschiedene Thiere aus dem alten Testament waren auch höchst störrischer Natur , also ärgern Sie sich im neuen nicht ; für den Aufkauf der Billets zum Auspfeifen meines letzten Stückes will ich Ihnen den Gefallen thun , Ihren alterthümlichen Fuchs gleich einem Hirsch in ' s Feld galoppiren zu machen . « Er gab lachend dem Gaul einen Hieb mit dem Spazierstöckchen , und der unglückliche junge Orientale galoppirte wirklich zum Gelächter der Tribünen - deren ständische Flanken ihn mit dem Rufe : » Pietsch kommt ! « begrüßten - über die Bahn . - » Ein Sprößling jener Aristokratie , die Sie vorhin so sehr anfeindeten ? « fragte lachend der Arzt . » Ein Candidat des künftigen berliner Löwenthums . Der Vater ein verständiger Geschäftsmann , der junge Narr ein Affe , der noch nicht begreift , daß Lächerlichmachen das größte Uebel . Er hatte ein pikantes Vorbild an seinem Oheim , der viel Geld an die Schreier von Achtundvierzig verlieh und natürlich Nichts wiederbekam . Ich sah ihn an einem Ballabend im Gesellschaftshause das Champagnerglas zwei Mal mit blanken Dukaten füllen und es einer Phryne für seine Wahl bieten , das Mädchen , schlug sie lachend aus und wählte ihren Louis - Sie kennen doch die Benennung von Herrn Arago her , gesandtschaftlichen Andenkens ! « » Wer ist der Herr dort , der mit der Gruppe von Offizieren spricht und Sie vorhin grüßte ? « » Ah - das Embonpoint Ueberall und Nirgends ? Seine Familie ist vor Kurzem geadelt worden und zeugte Künstler , Banquiers , Diplomaten und Bummler . Der Herr da ist der stereotype Flaneur aller öffentlichen Orte , eine gutmüthige Haut und seit seiner verunglückten theatralischen Carriere in Dessau von der Familie als amüsanter Müßiggänger unterhalten . Da drüben sitzt