wird bald drüben sein . Wenn er ' s nur aushält ! Das Loch in der Wand kostet mich viel . Ich hatte diesen Ausweg für mich selbst aufgehoben . Aber was gilt ein Freund nicht ! Und ein solcher war mir Mathias hier im Hause . Ich hätte ihm vielleicht folgen sollen , wer weiß , ob das nur eine Hausaussuchung ist und ob sie nicht vielleicht das Haus so umstellt haben , daß es mir auf meinem gewöhnlichen Wege schwer wird , zu entkommen . - Bah ! man muß nicht das Schlimmste denken . - Doch - jetzt ist Mathias drüben . « In diesem Augenblicke vernahm er nämlich die scheltende Stimme des Wirthes , der auf der Treppe stand , die in das untere Stockwerk führte und laut hinabschrie : » Was für ein Lärmen wird in der Schenkstube getrieben ? Glaubt ihr denn , man könne in dem Hause treiben , was man wolle ? He , Marie , ruf ' den Hausknecht ! « Nachdem er dies gesagt , kehrte er in das Zimmer zurück , wo der Andere unterdessen die beiden Lichter auf dem Tische ausgelöscht hatte , so daß es vollkommen finster gewesen wäre , wenn nicht eine Gaslampe auf dem Gange einige Helle in das Zimmer geworfen hätte . » Mathias ist fort , aber jetzt bitte ich Sie um Gotteswillen , Herr , suchen Sie sich einen Ausweg . Als ich droben vom Fenster auf die Straße hinabschaute , habe ich verdächtige Gestalten bemerkt . « » Auf welcher Seite ? « » Auf der , wo sie gewöhnlich das Haus verlassen . « » Das ist ungeschickt . So muß ich den Weg durch den Keller nehmen . « » Ich glaube auch , daß der sicherer ist , « sagte angstvoll der Wirth . » Nur müssen Sie dabei über die Haupttreppe hinab , bei der Schenkstube vorbei . « » Ich weiß wohl , doch hat das nichts zu sagen . Margarethe wird auf ihrem Posten sein . « » Gewiß ; die läßt sich eher in Stücke reißen . « » So will ich ihr ein Zeichen geben und dann vorwärts , Meister . Ihr steigt scheltend die Treppe hinab und ich folge Euch . « Sowie er dies sagte , zog er an einer Klingelschnur , die neben der Thüre hing , und wenige Sekunden darauf verlöschte die Gaslampe draußen auf dem Gange . Von unten herauf aber erscholl ein lauter Aufschrei , die klägliche Stimme der alten Kellnerin und darauf polterte Meister Scharffer die Treppen hinab , fluchend und scheltend mit aller Kraft seiner Lunge . Der Andere ging hinter ihm drein , er setzte die Füße so leicht auf , daß man von Beiden jedesmal nur einen einzigen Tritt hörte ; sein Auge versuchte es , die Finsterniß , die auf dem ganzen Hause lag , zu durchdringen . Dabei blieb er dicht hinter dem dicken Wirthe , der , auf dem untern Treppenabsatz angekommen , gleich von kräftigen Armen gefaßt wurde . Doch ermangelte er nicht , dies durch lautes Geschrei seinem Hintermanne kund zu thun , der einen Augenblick unbeweglich stehen blieb , dann das Treppengeländer erfaßte , und sich nun mit solcher Gewalt die Treppe vollends hinab schwang , daß er zwei Männer , die dort Posto gefaßt hatten , so vollkommen unvermuthet überfiel , daß diese ihr Gleichgewicht verloren und schwerfällig die Treppe hinab kollerten , ihm nach , der schon mit leichtem Fuß die unterste Stufe erreicht hatte . Hier war der Fliehende nicht einen Augenblick zweifelhaft , welchen Weg er einzuschlagen habe . Eine Thüre , die er suchte , fand er unverzüglich , trat durch dieselbe in ein Gewölbe , glitt hier abermals einige Stufen hinab und erreichte nun einen weiten Keller , in dem er fortschritt . Dieser hatte nach der Straße einige halbkreisförmige Oeffnungen , die man übrigens kaum bemerken konnte , da die Nacht sehr finster war . An einer dieser Oeffnungen hatte man in der Mauer mehrere Steine weggebrochen und so eine förmliche Leiter gebildet , auf der ein gewandter Mann ohne große Mühe emporsteigen konnte . Ehe er sich aber vollständig dort hinaufschwang , horchte er aufmerksam , und erst , als sich in der engen Gasse , in welche diese Fenster mündeten , nicht das geringste Geräusch vernehmen ließ , stieg er vorsichtig aus dem Keller empor . Glücklicherweise warfen die nahestehenden Häuser , sowie ein Mauervorsprung neben dem Fenster einen so tiefen Schatten auf die Stelle , wo er emporgestiegen war , daß ihn selbst ein Späher hier nicht hätte entdecken können . Auch brauchte er die Vorsicht , eine Zeitlang unbeweglich stehen zu bleiben , worauf er endlich mit zwei großen Schritten die andere Seite der Gasse erreichte . Hier blieb er abermals stehen und schaute nach dem Hause zurück , doch faßte er im nächsten Augenblicke unwillkürlich den Griff seines Dolches , denn mit seinem scharfen Auge bemerkte er an zwei Stellen der dunklen Mauer des Hauses , von dem er eben herkam eine Bewegung , gerade als seien dort ein Paar Personen , die sich etwas von der Mauer entfernten . Sobald er aber regungslos stehen blieb , sah er auch drüben nichts mehr . - Und doch ! er hatte sich nicht getäuscht . Kaum hatte er einen Schritt gemacht , so bewegten sich auch dort die beiden dunkeln Flecken wieder - zwei Gestalten mit ihm im gleichen Maße fortschreitend . Das sind Aufpasser und Verfolger , dachte er sich . Was ist zu thun ? Bei einem Ueberfall , den sie aber wahrscheinlich in der Nähe des Hauses nicht wagen , mich ihrer mit meinem Dolche entledigen ; wenn sie mich aber verfolgen , sie , wenn es möglich ist , irre führen ! Das Letztere aber war ein schweres Unternehmen , denn wenn auch die beiden Gestalten nicht Willens schienen , die Entfernung zwischen sich und dem Andern zu kürzen , so ließen