, Herr Pfarrer ! Deshalb will er kein deutscher Ziegenbock mehr sein ? Es ist ja wahr ! Er trägt einen Bart , der Kerl , so lang wie ein Kameel ! Herr Pfarrer , junge Leute - Vierzig Jahre alt ist der communistische Mucker ! Tübbicke , Tübbicke ! Ich höre , daß Ihr maître-tailleur auf dem Finkenhof verkehrt ! Ich sage Ihnen , rathen Sie ihm Gutes ! Der Finkenhof und alles , was wir hierorts von Sodom und Gomorrha noch im Nest haben , hat an mir einen schlimmen Aufpasser ! Warten Sie ab ! Sitzt auch noch der Kirchenfürst in Ketten und Banden , der Sieg ist unser ! Wir haben unsere Kraft fühlen gelernt ! Nun muß es von Grund aus in Deutschland anders werden . Jetzt zumal , wo hier auch bald eine luthersche Herrschaft commandiren soll ... Na , ich denke doch , sagte Tübbicke , der Herr Archipresbyter wird an uns beiden seine Freude haben , Herr Pfarrer ! Bald darauf hielt denn auch wirklich der Archipresbyter Bonaventura von Asselyn das Hochamt zu Sanct-Libori und Müllenhoff administrirte dabei nur und mußte sich dem Domherrn unterordnen . Es war ein Fest für die ganze Gegend , wieder die Kirche überfüllt , der Eindruck einer nie so würdig celebrirten Messe , wie vorauszusehen , der heiligste . Auch Bonaventura ' s spätere Rede zündete . Man hatte hier nie so schön vom Thema der Zeichen und Wunder sprechen hören . Wenn das Wesen der Zeichen und Wunder , hatte der Priester im weißgoldenen Gewande gesagt , schwer zu deuten wäre , so wisse man doch Eines ganz bestimmt , was zu ihnen gehöre : Liebe . » Die Menschen müßten sich gegenseitig erst etwas werth sein , wenn sie sich zu Propheten und Aerzten werden könnten . « Der Redner vermied die ihm gegenübersitzende Paula zu bezeichnen , aber man gedachte nur ihrer . Er übertrug das Uebersinnliche in diejenige Seite der Natur , die uns offen und enthüllt vorliege und zugleich ihre heiligste und höchste wäre , in die Seele , in das Gefühl ... Der Text des Sonntagsevangeliums Quinquagesimä : » Jesus weissagt sein Leiden « gab die Veranlassung zu diesem Thema , das Bonaventura sonst wol vermieden hätte . Er mußte darüber predigen . Er sagte , wir wüßten alle selbst unser künftiges Schicksal , wenn wir uns nur mehr gewöhnten in Gott zu leben , d.h. auf die innere Stimme in uns selbst zu hören . Auch nach diesem ersten Gottesdienste und während Bonaventura ( wie sich wol denken läßt ) tief schweigsam und von seinen neuen Eindrücken erschüttert in der Sakristei sich entkleidete und ringsum die Bevölkerung aufgeregt , urtheilend , vergleichend , erwartungsvoll sich zerstreute , polterte Müllenhoff , der gewissermaßen nur Bonaventura ' s Vicar war , wieder über die baulichen Grillen des Barons Levinus ... Für sein chemisches Laboratorium weiß er nicht genug Geld auszugeben ! sagte er . Ja , Herr von Asselyn , melden Sie ihm das ! Diese Thür hier muß neu gebaut werden ! Es ist wahr , ich habe sie verlangt , aber sehen Sie nur , wie der Schnee hereinfegt ! Eine Doppelthür muß es sein ! Und überhaupt , was hoff ' ich nicht alles von Ihnen ! Bonaventura verstand kaum etwas von Tübbicke ' s dienstgefälliger Erläuterung ... Früher war die Sakristei ohne eigenen Eingang gewesen . Der Pfarrer mußte durch die Kirche gehen . Müllenhoff hatte erst eine Thür durchbrechen lassen . Nun lag sie ihm doch dem Wind und dem Wetter zu offen ausgesetzt ... Als noch der Eingang durchs Schiff war , hat hier ein Cardinal celebrirt - ! äußerte Tübbicke ... Schweigen Sie ! bedeutete Norbert und reichte dem Domherrn eine Prise ... Tübbicke ging auch heute wieder in die Kirche , um die Lichter zu löschen ... Müllenhoff sprach hinter ihm her : Nicht wahr , der Meinung sind Sie doch auch , Domherr ? Malt muß das Reinigen der Kirche mit dem Nächsten anfangen , was nur unser Kehrbesen trifft ! Dieser Tübbicke ist wie die Meßner sämmtlich sind ! Ich sagte ihm schon neulich : Tübbicke , sitzt das Wachs noch nächsten Freitag an den Leuchtern auf der Epistelseite , so nehm ' ich mit eigner Hand vor dem Introito ein Tuch und putze die heiligen Gefäße selbst vor der ganzen Gemeinde rein ! Bonaventura , in tiefen Gedanken , lächelte und sprach : Dann können Sie ja mit dem Apostel sagen : Es sind Gefäße des Zorns ! Bonaventura sah am alten Tübbicke , er hatte die gewöhnliche Krankheit der Kirchendiener ( wie auch Lucindens Vater als Schulmeister ) , sich mit dem lieben Gott auf einem ganz besonders kameradschaftlichen Fuße zu wissen . Auch Tübbicke war wie ein alter guter Kammerdiener der Heiligen . Die Livree der Mutter Gottes trug er , wie wenn er die hohe Frau einst als Kind auf seinen Knieen geschaukelt hätte . Christus war ihm fast wie der » junge Herr « in seiner Himmelsfamilie und die wechselnden Geistlichen waren ihm nur neuangeworbene Hofmeister , die manches gar nicht in der Weise verstanden , wie die Tradition des hochgräflich himmlischen Hofstaats es mit sich brachte . Das war nun gerade der Anstoß , den Müllenhoff nahm . Ich glaube , Sie dünken sich wol einen Liturgiker , hatte er dem Alten gleich nach seiner ersten Messe gesagt , als dieser ihm bemerken wollte , daß seit neun Jahrhunderten in der Liborikirche die Communicanten erst dann knieeten , wenn sie an die Communicantenbank kämen , vorher dürften sie stehen . Nach Müllenhoff mußten sie gleich knieen und zwar utroque genu ! wie er donnerte . Und von dem Tage an , wo Tübbicke sich bei wiederholter Anfechtung seiner alten Art , die Gläubigen zu ordnen und zu scharen und bei erneuetem Rufe : Utroque genu ! die Bemerkung erlaubt hatte : Na , Herr Pfarrer , Sie werden sehen , daß die Bauern sich beklagen