mischend , das wieder den Platz füllt und die dampfend zur Waage zurückkehrenden Pferde umgiebt . » Wissen Sie , lieber Freund , wie viel ich eben hab ' verloren auf die Caurire ? - Zwanzig baare Louisd ' ors ! Aber ' s schadet nischt - ' s ist an eene vornehme Dame ! « Alles drängt durcheinander , die Freunde den Sieger begrüßend , Andere mit den Besiegten jeden Satz der Pferde discutirend . » Sind Sie heute Abend zu Hause , Herr Meyer ? « » Zu unterthänigstem Befehl . Wie viel ? - Es ist schwer , Geld aufzutreiben - die Cöln-Mindener und Ludwigshafen-Bexbacher nehmen Alles in Anspruch - 115 Procent heute ! « Ein verächtliches Achselzucken . - » Das ist Ihre Sache - ich kann mich hier nicht mit Ihnen aufhalten ; um neun Uhr schicke ich . « - Die jugendliche Bettelgeneration mit Blumensträußchen macht ihren letzten Angriff - einzelne Equipagen nehmen bereits ihre Besitzer auf - die Prinzen haben die Königliche Loge verlassen und bewegen sich freundlich plaudernd über das eben beendete Rennen unter der Menge - die neuen Nummern werden aufgezogen und sechs Jockey ' s machen sich fertig zum nächsten Handicap . Zwei Herren gehen aus und ab in der Bahn , an den Tribünen entlang - beide offenbar keine Sportsmans , doch den gebildeten Klassen angehörend ; der Eine in Reiserock und Mütze . » Ich wußte Sie wirklich all keinen Ort zu führen , lieber Doctor , « sagte der Andere , » der Ihnen , da Sie zum ersten Male in Berlin sind , rascher und prägnanter ein Bild unseres Lebens und der Klassen , Sünden und Annehmlichkeiten der Berliner Gesellschaft gegeben hätte . Sie finden in der That hier Alles , was auf diesen Namen Anspruch macht , und ein buntes pêle-mêle ist es in der That . « » Bitte , bezeichnen Sie mir einige pikante oder hervorragende Persönlichkeiten . « » Da sehen Sie unsern preußischen Premier ; Sie kennen ihn bereits . Er unterhält sich eben mit dem Chef unserer Polizei . « » Herr von Hinckeldey hat in der That sich bereits einen europäischen Ruf erworben . « » Ich fürchte , er wird an diesem und seiner Energie scheitern . Bei der Macht ist es schwer , die richtige Gränze zu treffen . « » Die öffentliche Stimme nennt Ihre Finanzen , Ihr Postwesen und Ihre Polizei vortrefflich . « » Ich erkenne an , daß ohne einige kleine Sünden gegen die Paragraphen über die persönliche Freiheit nicht Ordnung zu halten ist . Dennoch lieben wir auch hier manche Neuerungen aus dem Jahre 1848 nicht . « » Sie haben wenigstens in Preußen den Vorzug , daß zu Ihren Sicherheitsbeamten stets nur Personen von unbescholtenem Ruf und bewährter Treue , keine Vidocq ' s gewählt werden . « Der Preuße zeigte nach einem Herrn , der im seinen Reitfrack vorüberging , den weißen Bibi auf dem etwas kahlen Kopfe und einen großen Brillant im Chemisett . - » Wissen Sie , daß der Mann dort , der rechts und links grüßt , zehn Jahre in Spandan gesessen hat und einen der berüchtigsten Gaunernamen der Residenz trägt ? « » Und er kommt hierher ? « » Warum nicht ! Sie werden noch ganz andere Dinge auf unserer Runde erfahren . Der Mann ist reich und man antichambrirt bei ihm unter den Linden . - Sehen Sie den kleinen Herrn dort - er trägt einen vornehmen Namen , ist ein rastloser thätiger Geist und hat Vieles geleistet auf dem Felde der politischen Intrigue in den bösen Jahren . Er hat manchen künftigen General-Consul gemacht . Man hätte ihn zum Diplomaten creiren sollen , wenn er nur nicht eben so gut im Hause der Wucherer , als im Hotel der Minister bekannt wäre . « » Der Herr , um den er eben einen Umweg macht ? « » Ein ehemaliger Schulkamerad von mir ; vor ihm und seinem Bruder liegt viel Zukunft , obschon ihn die Gegenwart in eine schiefe Stellung gebracht hat . Die Majestät soll 1849 von ihm gesagt haben : Der ..... will wohl gar Minister werden ? - Und dennoch , Freund , wird er ' s einst sein und ich wünsche es ihm , denn er ist vielleicht am meisten von der conservativen Partei mit Undank behandelt worden . Ich weiß , welche zähe Thätigkeit er im Jahre 1848 entwickelt hat ! Es sind Viele in den Reihen unserer Kammeropposition , die damals Männer voll Treue und Aufopferung waren . « » Man sagt im Auslande , das Princip der preußischen Regierung nach dem Jahre 48 sei mehr darauf gerichtet gewesen , die Nichtbewährten an sich zu ziehen , als das Verdienst der Bewährten anzuerkennen ? « Das Gesicht des Andern wurde ernst . - » Das Gleichniß vom verloren gegangenen Lamm , « sagte er mit einem gewissen Hohn , » ist christlich , aber nicht politisch . Die Treue ist kein Verdienst , aber die Untreue ist eine Schmach ; das ist ein ewig geltender politischer Satz , und für das Rechtsgefühl treuer und ehrlicher Herzen ist es eine tiefe Verletzung , Leute sich jetzt brüsten und blähen und überall mit ihrem Patriotismus für König und Thron sich in die vordersten Reihen drängen zu sehen , die , als die Wogen hoch gingen , nicht blos feig den Posten verlassen , sondern die zu den offenen Gegnern und Schmähern des Thrones gehörten . « » Sie haben zwei Stände in Ihrem Lande , deren Gesinnung sich unverbrüchlich bewährt hat : den Adel und das Heer . « » Sie sprechen da eine schwere Beschuldigung aus , die ich auf meinem Vaterlande nicht haften lassen kann . Das ganze Land ist treu dem Throne und ehrlich conservativ - der Graf wie der Bauer , der Soldat wie der Bürger . Was schlecht und faul war und ist , das sind zwei Dinge : der Schachergeist des