, um die etwas rauhe und abstoßende Außenseite ihres Herrn Vaters zu mildern . Selma ! sprach Dankmar vor sich hin und verglich seine Erinnerungen an jene ihm so liebe Begegnung mit dem Eindrucke , den ihm jetzt diese Metamorphose machte . Hatte ihm schon der Knabe ein so großes Wohlgefallen , eine brüderliche Empfindung erregt , wie mußte sich seine Theilnahme für die nun verwandelte liebliche Erscheinung steigern , wenn er sich jener , ihm immer noch räthselhaften Mondnacht auf dem Heidekruge erinnerte , wo nicht etwa Ackermann als Traum , als ein Bild seiner erregten Phantasie vor ihm mit dem Portrait , das er küßte , erschien , sondern dieser wirklich das Portefeuille öffnete , wirklich eine Locke von seinem Haupte schnitt ... denn die Locke fehlte ihm ! Und wie er noch so saß , mit Theilnahme von Egon betrachtet , der an seinem Interesse selbst sich interessirte , fiel Dankmar ' s Blick jetzt eben auch auf das Pastellbild der Fürstin Amanda , das er , seitdem es ihm durch ein » Misverständniß « genommen war , nicht wiedergesehen hatte . Da stand das goldene Vließ seines abenteuerlichen Argonautenrückzuges ! Er gedachte der Medea-Melanie ! Da der Prinz ! Und Selmar Selma ! Der Erläuterungen des Justizdirektors über diese Metamorphose bedurfte es eigentlich nicht . Dieser erzählte etwas von der Nothwendigkeit , ein junges Mädchen auf einer so weiten Reise von Amerika über England nach Deutschland allein schützen zu sollen , von der raschen Gewöhnung an die neue Tracht , von den wunderbar schnell angenommenen Manieren des Knaben , von der Beruhigung , die der Vater gehabt hätte , mit seinem Kinde vor jeder Verlegenheit und Nachstellung in den Gasthäusern sicher zu sein , von seiner endlich aber doch nun eingesehenen Pflicht , daß das Kind seinem Geschlechte zurückgegeben werden müßte ... Für Dankmar waren alle diese Erläuterungen nicht nöthig . Er bedurfte keines Wortes , um zu fühlen , daß Ackermann sehr weise gehandelt hatte . Aber er bedurfte noch weniger einer Erläuterung , weil sein Gefühl ihm sagte : Selmar mußte sich dir so enthüllen ! Das war eine Aufklärung , die sich von selbst verstand ! Wie konnte Selmar etwas Anderes sein als Selma ! Als Egon des neuen Freundes innere Erregung bemerkte und den Blick beobachtete , den Dankmar voll getheilter Überraschung auf das plötzlich von ihm entdeckte Bild gerichtet hatte , ließ er es sich angelegen sein , durch irgend eine geschickte und nicht verletzende Wendung den Justizdirektor zu entfernen . Es gelang ihm mit aller Gewandtheit . Herr von Zeisel war glücklich , seinem jungen Patrone schon unter so abenteuerlichen Verhältnissen nützlich gewesen zu sein . Er bat , ob er denn diese merkwürdige Geschichte und die wahre Aufklärung der plötzlichen Erkrankung , Alles , Alles , was er in dieser gnädigen Audienz gehört hätte , der Welt erzählen dürfe .... Wenn Sie nicht fürchten , sagte Egon mit feiner Betonung , daß man Ihre Justizverwaltung ein wenig zu patriarchalisch nennen wird ! Durchlaucht , rief Herr von Zeisel und drückte Egon ' s Hand , die er lebhaft ergriff , mit komischem Enthusiasmus an die Brust , Durchlaucht , Sie mögen nun vom Justizrath Schlurck urtheilen was Sie wollen ! Dafür hab ' ich ihm gestern gedankt , daß er mich in die Komödie schickte , um mir seine Lieblingswahrheit von einem vortrefflichen Schauspieler sagen zu lassen : » Wenn man das Leben auch gar zu ernsthaft nimmt , was ist dann d ' ran ? « Amüsiren Sie sich noch ferner mit ihm ! sagte Egon übereinstimmend und begleitete den zutraulich sich Empfehlenden an die Thür ; ich denke , wir sprechen uns noch und Sie werden im besten Einverständniß mit meinen ferneren Verwaltungsmaximen nach Plessen zurückreisen ... Dies Wort war eigenthümlich , verfänglich fast ... Zeisel stockte ... Aber die Thür ging zu und er mußte diese Schlußworte unterwegs überlegen und so , wie sie gefallen waren , mit sich nehmen . Dankmar und Egon waren nun allein . Jener stand vor dem Bilde ... Ja , da ist es nun ! Und ich zittre vor seinem Inhalte , sagte Egon . Hat es auch nichts bis jetzt zu Tage gefördert als unsere Freundschaft , Wildungen , so wollen wir zufrieden sein . Noch einmal umarmte er den Freund . Dankmar drückte ihm die Hand und erzählte alle seine Bemühungen , des auffallend schweren Bildes habhaft zu werden , verschwieg aber Melanie und jeden Umstand , der in Egon Verdacht erwecken konnte . Rudhard , Siegbert , Louis und er hatten sich das Wort gegeben , um den Prinzen nicht wieder zu beunruhigen , von dem Schicksal dieses Gemäldes nichts zu erzählen , als daß es durch Dankmar auf dem Schlosse noch rechtzeitig gerettet worden wäre und daß Schlurck ohne alles Befremden die andern Familienbilder so freiwillig übergeben hätte . Er wußte auch , daß man auf den Fall einer Öffnung der Hinterwand einen Gegenstand dort finden konnte , der ihn vollkommen beruhigen durfte . Und das Geheimniß ? fragte er . Fand ich noch nicht ! Ich wagte nicht zu jäh mein Räthsel zu lösen . Ich gehöre zu den Menschen , die ihre empfangenen Briefe dreifach genießen , erst im Empfangen , zuletzt im Lesen , in der Mitte aber in einem längeren Liegenlassen und erst allmäligen Eröffnen . Dankmar nahm das Gemälde und wandte es von allen Seiten ohne auf das Glas zu drücken . Es enthält etwas , ich fühl ' es an der Schwere des Bildes ... sagte er . Er spielte die Rolle , die ihm die Sorgfalt der Freunde des Prinzen übertragen hatte . Er stellte sich neugierig , drückte , schüttelte , schob und klopfte an dem Bilde . Endlich - siehe da , es sprang auf ! Egon beklommen , mit der ganzen lastenden Schwere seiner Erinnerungen an die Mutter , an seine Erziehung , seine Jugend , griff erstaunt nach dem Inhalt . Hier am Glase lag