daß der erste Hohenzoller ernstlich Miene machte , eine eigene Macht zu etablieren und den Übermut seiner Widersacher zu demütigen , so sehen wir auch schon Kloster Lehnin unter den Hilfstruppen des neuen Landesherrn , der , anders eingreifend als wie all die Stadthalter und Hauptleute vor ihm , in acht Tagen die vier Quitzowburgen und mit ihren Burgen auch ihr Ansehen brach . Die Klosterleute von Lehnin lagen samt den Bürgern von Beelitz , Jüterbog und Treuenbrietzen , vor Schloß Beuthen und warteten , wie berichtet wird , die Ankunft » der großen Büchse « , der sogenannten faulen Grete , ab . Ihr kriegerisches Verdienst scheint also , dieser Andeutung nach zu schließen , kein besonders hervorragendes gewesen zu sein und lediglich in einem geduldigen und möglichst gesicherten Davorstehen bestanden zu haben . Schwerlich empfanden Abt und Konvent einen Gram darüber . Es lag ihnen nicht an Kriegsruhm , sondern , wie immer , lediglich an Mehrung und Förderung der Klosterinteressen , an wachsendem Besitz und – guter Nachbarschaft . Diese gute Nachbarschaft hatte Lehnin , das mit den Rochows grenzte , ein halbes Jahrhundert schmerzlich vermissen müssen . Jetzt traf es sich , daß der Ausgang des Quitzowstreits unserm Kloster erwünschte Gelegenheit bot , sich auch dieser » guten Nachbarschaft « auf lange Zeit hin zu versichern . In Burg Golzow ( dem alten Rochowsitz , in der Nähe Lehnins ) war Wichard von Rochow , der treue Anhänger der Quitzows , gefangengenommen worden . Durch Vermittlung des Abtes , der allen Groll zur rechten Zeit zu vergessen wußte , ward ihm jetzt , dem Wichard , allerdings erst nach Abtretung Potsdams an den Kurfürsten , die Freiheit und – Schloß Golzow zurückgegeben . Beide Teile , der Kurfürst und die Rochows , wußten es dem Vermittler Dank , und dem Kloster waren zwei Freunde gewonnen . – Abt Heinrich Stich starb wahrscheinlich um 1432 . Abt Arnold ( etwa von 1456 bis 1467 ) Die Amtsführung des Abtes Heinrich von 1399 bis etwa um 1432 war in eine unruhige Zeit gefallen , und wir sehen all die Zeit über das Kloster in seinen Verwickelungen nach außen ; die Regierung des Abtes Arnold fällt in friedlichere Tage , und die Urkunden , aus jener Zeit her , gönnen uns ausschließlich wieder einen Blick in innere Streitigkeiten . Sie berichten über Zerwürfnisse , die an die Zustände unter Abt Hermann erinnern , wie wir dieselben , in vorstehendem , nach den Aussagen » Dietrichs von Ruppin « geschildert haben . Hier wie dort begegnen wir Parteiungen und einem siegreichen Auftreten der Majorität , nur mit dem Unterschiede , daß sich Abt Hermann , in seinem Terrorismus , auf die Majorität des Konventes stützte , während Abt Arnold gegen diese Majorität ankämpfte und in diesem Kampfe unterlag . Die Urkunden aus der etwa zehnjährigen Zeit seiner Verwaltung sind ziemlich zahlreich und sprechen nicht gegen den Abt . Streitigkeiten werden geschlichtet , Vergleiche getroffen , Ländereien empfangen oder ausgegeben – nirgends erhellt aus ihnen ein Zerwürfnis zwischen Abt und Konvent . So verlaufen anscheinend die Dinge , bis wir , gleich aus den ersten Urkunden , die in die Regierungszeit seines Nachfolgers fallen , in Erfahrung bringen , daß Abt Arnold » wegen unstatthafter Veräußerung von Klostergütern « abgesetzt und Prior Gallus an seiner Statt ernannt worden sei . Wir erfahren ferner , daß inzwischen das Kloster Altenberg den Arnoldus zum Abte gewählt , und dieser letztere , von seinem jetzigen , dem Altenberger Kloster aus , eine heftige Schmähschrift ( libellum infamiae ) gegen den Prior und die Mönche von Kloster Lehnin gerichtet , diese Schmähschrift auch gleichzeitig als Anklageschrift beim Generalkapitel in Cîteaux eingereicht hatte . Diese Anklageschrift nun , von dem ehemaligen Abte des angeklagten Klosters ausgehend , scheint , wie begreiflich , ihre Wirkung auf das Generalkapitel nicht verfehlt zu haben , und so sehen wir denn im März 1469 die Äbte von Heilsbronn und Erbach als ernannte Untersuchungskommission in Lehnin eintreffen . Aber gleichzeitig mit ihnen treffen auch , als Zeugen in der Sache zur Begutachtung vorgeladen , die Äbte dreier märkischer Klöster , von Zinna , Chorin und Himmelpfort ein und bezeugen durch ihre Aussage , daß Abt Arnold in der Tat willkürlich das Klostergut veräußert und somit die Absetzung seitens des Klosterkonvents ( der sich dabei lediglich innerhalb seiner Befugnisse gehalten ) durchaus verdient habe . » Was seine Schmähungen aber gegen die sittliche Führung des Klosters angehe , dem er so lange vorgestanden , so treffe ihn – selbst wenn diese Schmähungen begründet sein sollten – die Hauptverantwortlichkeit , da es in zehnjähriger Führung seine Aufgabe gewesen sein würde , diesem Verfall der Sitte zu steuern . « Auch der Kurfürst Friedrich der Eiserne , in einem an die Kommissarien gerichteten Briefe , nimmt Partei für den Konvent gegen den abgesetzten Abt , und so sehen wir denn , ohne daß ein urkundliches Urteil der Kommissare in dieser Streitsache vorläge , den neuen Abt in seinem Amte verbleiben – eine Tatsache , die genugsam spricht . Über den Inhalt der Schmähschrift , des » libellum infamiae « , erfahren wir nichts ; es wird ein Verzeichnis der alten Klostersünden gewesen sein , wie sie entweder überall vorkamen oder doch überall berichtet wurden . Wenn nun einerseits diese Absetzung Abt Arnolds und seine darauf geschriebene Schmähschrift abermals dartun , daß die Tage Kloster Lehnins durchaus nicht so stillidyllisch verliefen , wie wohl je zuweilen berichtet worden ist , so gewähren uns andrerseits die betreffenden Urkunden noch ein besonderes Interesse dadurch , daß sie die Frage in uns anregen : wer war dieser Abt Arnold ? welchen Charakters ? war er im Recht oder im Unrecht ? Freilich nur wenige Anhaltepunkte sind uns gegeben , aber sie rechtfertigen die Vermutung , daß er ebensosehr ein Opfer seiner geistigen Überlegenheit wie seiner Übergriffe war . Wahrscheinlich gingen diese Übergriffe zum Teil erst aus dem Bewußtsein seiner Überlegenheit hervor . Er war , so schließen wir