ausbleiben werde , in welcher sich ihr urplötzlich die Erkenntniß und die Wahrheit der Lehren erschließen würden , die er vor ihr ausgesprochen hatte , daß die Stunde schlagen würde , in der sie sich mit ihm in denselben Ueberzeugungen zusammenfinden und vielleicht ohne sie äußerlich zu bekennen aus innerer Nothwendigkeit nach den Grundsätzen der Mutterkirche handeln werde . Nun war sie da , diese Stunde ! Und wie Eleonore in dem Königsschlosse , die im Glanze der Diamanten strahlende Grafenkrone in dem blonden Haare , an der Seite der Herzogin durch die Reihen der sie bewundernden Männer und Frauen hinschritt , erschien der Widerspruch zwischen ihrer Erscheinung und ihrem Empfinden ihr so groß , dünkte ihre Lage ihr so einzig , daß sie darin eine Auszeichnung des Himmels , daß sie eines jener besonderen Geschicke darin zu erblicken glaubte , wie Gott sie nur seinen Auserwählten , nur denjenigen großen Seelen sendet , die er durch besondere Prüfungen zu einer besonderen Gnade heranreifen zu lassen beschlossen hat . Der Stolz des Unglücks bemächtigte sich ihrer . Sie fand einen Genuß in dem Gedanken , um des Geliebten willen großes Leid zu tragen , so daß sie endlich mit einer Art von Wollust dem Augenblicke entgegenharrte , der ihr das Opfer für den Mann ihrer Liebe , die Entscheidung über ihre ganze Zukunft auferlegen sollte . - Und er ließ nicht auf sich warten ! Der König befand sich seit einigen Tagen ganz vortrefflich . Auf seinen Stock gestützt , ging er in der großen Pause des Balles langsam durch die Säle . Das schöne Wetter machte ihn heiter . Der Blick aus den hohen Bogenfenstern des Tanzsaales über den schönen Tuileriengarten weit hinaus bis in die elysäischen Felder that ihm wohl . Paris war doch unendlich schöner , als das enge , weitentlegene Mitau , als das melancholische Schloß von Edinburg . Und es umgaben ihn , wohin er heute blickte , so viel Liebe , so viel Verehrung und Bewunderung ! Das Schicksal war ihm eine Vergeltung schuldig gewesen , aber es gewährte sie ihm auch . Er war sehr zufrieden heute , sehr wohl aufgelegt . Alle Welt hatte sich heute des Besten von ihm zu rühmen , die Uniformenträger , wie die Männer in geistlicher Tracht , deren sich eine große Anzahl in den Reihen der Gäste vorfand . Alt und Jung ward freundlich von dem Könige beachtet , und mit huldvollster Miene trat er an die Herzogin heran , an deren Seite ihre Nichte stand . Wissen Sie , meine schöne Gräfin , sprach er , daß ich Ihnen zürne , ernstlich zürne ? Eleonore verneigte sich tief , und ahnend , was ihr jetzt bevorstand , nahm sie sich fest zusammen und sagte lächelnd , während alles Blut aus ihren Wangen schwand , daß sie sich nicht bewußt sei , durch irgend etwas den Zorn der Majestät verschuldet zu haben . Daß Sie es nicht wissen , ist ein Verbrechen mehr , scherzte der König , denn es leiht Ihrer Schönheit , die Ihr Verbrechen ist , nur einen höheren Reiz . Sie verderben uns den Charakter , Sie lehren uns den Neid , und es ist Zeit , daß man Sie aus unserer Nähe , daß man Sie für eine Weile von dem Hofe entfernt ! Die Umstehenden zeigten sich entzückt von so viel Gnade , von so viel anmuthvollem Scherze . Der König , für solche Anerkennung immer sehr empfänglich , wendete sich , so leicht als seine Schwerfälligkeit es ihm gestattete , zu seinem ersten Kammerherrn , dem Prinzen Polydor . Mein Prinz , sprach er , Sie wünschten ja schon lange , Sich für einige Wochen auf Ihre Güter zurückzuziehen . Der König ergriff Eleonorens Hand . Zur Rettung unserer armen Seele nehmen Sie die Gräfin Haughton mit Sich . Unsere besten Wünsche und der Segen der Frau Herzogin begleiten Sie . Im Frühjahre sprechen wir dann selber bei der schönen Fürstin vor ! Gnädiger , geistreicher hatte man Seine Majestät noch nie gefunden , besser hatte er sich nie gefallen . Aber in dem Momente , in welchem der König Eleonorens Hand ergriff , um sie in die des Prinzen zu legen , fiel ihr Auge auf die Herzogin , und der Ausdruck des Triumphes , den sie in ihren Mienen las , verwandelte das Herz der Gräfin . Sie konnte sich zum Opfer bringen - der Herzogin diesen Triumph zu bereiten , das vermochte sie nicht , das wollte sie nicht . Und von ihrem Hasse zu rascher Entschlossenheit getrieben , sprach sie , indem sie ihre Hand leise aus der des Königs zog : Ich vermag Eurer Majestät nicht zu gehorchen , denn ich bin nicht frei ! Des Königs Brauen zogen sich zusammen ; es entstand eine Art von Erstarrung in den Mienen Aller , die vernehmen und sehen könnten , was geschah . Die Herzogin mußte sich auf den Arm der Dame stützen , die ihr die nächste war . Sie sind nicht frei ? wiederholte der König , und sein strenger Blick traf wie die Gräfin , so die Herzogin . Sie sind nicht frei ? Ich habe mich gestern dem Freiherrn von Arten zugesagt ! erklärte Eleonore rasch entschlossen , wennschon mit bebender Stimme , während die Röthe der Scham ihr Antlitz übergoß , als sie diese Unwahrheit behauptete . So gehen Sie Ihr Glück in Stille und Einsamkeit genießen ; aber gehen Sie , und noch heute - die Frau Herzogin wird Sie begleiten ! herrschte der König . Und sich von ihr wendend , ging er nach einer anderen Seite des Kreises hinüber . Ein panischer Schrecken durchzuckte den Hof . Seit Könige in den Tuilerien wohnten , war ein solcher Vorgang nicht erhört worden . Nur eine Engländerin , nur ein Mädchen , das in so schrankenloser Freiheit auferzogen worden war , konnte eine solche Unwürdigkeit begehen , sich solchen Verkennens der Allerhöchsten Gnade , solcher wahrhaften Majestätsbeleidigung schuldig machen