... In den Schnee hineinblickend mußte die sich zerstreuende Gemeinde nur bunte Flecken sehen , wie wenn man in die Sonne geschaut , so prächtig war der Teppich gewesen , der vorm Hochaltar hoch an rothen Stangen mit Goldtroddeln geprangt hatte . Er leuchtete wie der Widerschein eines Fensters im Mailänder Dom . Violett und gelb und blau und rubinroth strahlten die bunten Gewebe und namentlich wurde der Pfau des heiligen Liborius von einem auch dazu gerade hervorblitzenden Sonnenlichtsschimmer prächtig erleuchtet . Norbert Müllenhoff predigte in seiner jungkatholischen Weise . Wieder knüpfte er an Caspar Melchior Balthasar an und sagte , die wilden Thiere des Teppichs da , die wären auch in dem Land heimisch , von wannen jene Morgenlandskönige gekommen . Dann schilderte er diese Morgenlandskönige gelegentlich im Gegensatz zu den Abendlandskönigen . Jene waren theilweise , sagte er , schwarz von außen , diese sind nicht selten schwarz von innen . Jene brachten dem Heiland köstliche Geschenke , diese beraubten nicht selten den Heiland noch und bestöhlen ihn und plünderten ihm das Stroh aus seiner dürftigen armen Krippe , der Kirche . Jene hätten sich auf einen einzigen Stern am Himmel verlassen , diese ertheilten Hunderte von Sternen auf die Brust ihrer Schmeichler und gingen dennoch in der Irre . Dann sagte der Redner : Auch der Pfau , der den heiligen Liborius geleitet hätte , wäre ein solcher himmlischer Stern gewesen ! Man sollte doch nur Hinblicken auf sein geschwungenes Rad ! Wie das in ihm von Licht und Farbe funkelte ! Zwölf Augen säßen in dem Rand des Rades und hätten gewacht über den Weg , den der Heilige damals durch die Heiden hindurch hätte nehmen müssen , um gerade hieher nach Westerhof zu kommen , wohin ihn seine ganze Sehnsucht zog ! Jetzt müßte freilich die Kirche , um wie dieser Heilige durch alles noch herrschende Heidenthum hindurchzukommen , viel kleinere und bescheidenere Vögel zu Führern wählen , leider - vor allem nur die schüchterne Taube . Glücklicherweise wäre diese aber denn auch nichts Kleineres , als eben der Heilige Geist selbst . Und so wollten auch sie , zaghaft und schüchtern , die gute Sache des ewigen Gottes und seiner Heiligen in dieser Welt der Gewalt vertreten , wollten flicken an den Schäden , so gut es ginge mit Menschenkraft , wollten die Kirche ausbauen , wo sie allzu schadhaft würde ; denn die Kirche Gottes , sagte er mit einem jetzt etwas sonderbar blinzelnden Blick auf den Dorste ' schen Kirchenstuhl auf dem Chore ihm gerade gegenüber , die ist nicht byzantinisch , nicht gothisch , nicht Renaissance , nicht Rococo gebaut , sondern einfach blos - felsenfest ! Das hat Sanct-Paulus bereits den Korinthern anzuhören gegeben , fuhr er fort , die sich auf ihre Säulenknaufe und Säulenordnungen bekanntlich so viel eingebildet ! Warum würde sonst Sanct-Paulus gerade in der zweiten Epistel an die Korinther Kapitel 5 über das wahre christliche Bauwesen seine Meinung abgegeben haben ? Aufrichtig gestanden , diese Bemerkungen des Pfarrers waren Anzüglichkeiten . Aber man war dergleichen an dem jungen , frischen , noch ganz studentisch aussehenden Mann von etwa dreißig Jahren in der Gegend schon gewohnt . In dem gräflichen Stuhl im Emporchor verstand man sehr wohl , was gemeint war mit dem Blick auf Terschka , auf Levinus von Hülleshoven , Armgart ' s Onkel , der die Dorste ' schen Güter verwaltete ... Und trotz des feierlichen Tages , war das erste Wort , das Norbert Müllenhoff nun in der Sakristei , mit beiden Armen sich zum Erwärmen auf die Schultern schlagend , sprach : Nein hier eine wahre Hundskälte das ! Zähneklappernd trat er an einen in der Sakristei stehenden eisernen Ofen , der auf drei Schritte allerdings eine Glühhitze verbreitete , aber nicht den übrigen Raum erwärmte . Das Rohr entließ den Dampf durch eines der großen Rundfenster ... Ich sagt ' es ja gleich , Herr Pfarrer ! Die neue Thür , die Sie durchaus durchgebrochen haben wollten - begann der alte Meßner Tübbicke , Vater des maître- ... Schweigen Sie ! sagte der Geistliche und entkleidete sich ... Der Meßner war ein alter hagerer Mann mit einer rothen Flachsperrüke . In seinem langen rothen Rock sah er selbst wie einer der auf den Dörfern wandelnden heiligen drei Könige aus , die mit ihrem : Wir sind die Könige aus Morgenland , ho , je ! an den Thüren bettelten . Auch eine Art Scepter hatte er in der Hand , die lange Lichtputze , mit der er in der sich nun entleerenden Kirche die Altarkerzen auslöschen wollte ... Wirklich , Herr Pfarrer , diese neue Thür , die sonst nicht da war - begann Tübbicke aufs neue ... Wollen Sie wol schweigen ! wiederholte Müllenhoff aufstampfend und zog sich seine Meßkleider aus . Ein für allemal , Tübbicke , rief er dem Alten nach , wenn ich vom Allerheiligsten komme oder von der Kanzel herab , so sollen Sie mich nicht eher anreden , bis ich Sie gefragt habe ! Gut , gut , gut ! antwortete der Alte brummend und kopfschüttelnd über seinen neuen Vorgesetzten ... der für sich weniger maliciös , als sozusagen eher burschikos fortbrummte : Diese Sucht von den Meßnern , überall mit uns umzugehen , als wenn der ganze Gottesdienst ein bloßer Spaß gewesen wäre ! Schon wie die Barbiere kommen sie des Morgens zu Gott und kramen in der Sakristei ihre Neuigkeiten aus ! Nun pfiff sich sogar Müllenhoff eine leichte Weise und genoß im Stillen seinen Triumph , in die Predigt hinein eine Rüge des gräflichen Bauwesens eingeflochten zu haben ... Tübbicke kam zurück ... Tübbicke ! sagte der Pfarrer , etwas versöhnlicher gestimmt . Daß wir uns so wenig verstehen ! Sechsundsiebzig ! war die Antwort ... Ja , Tübbicke , Sie sollten sich einen Beistand halten ! Wenn Ihr Sohn nicht in Witoborn maître-tailleur wäre - Schande , Schande auch über diese neubackene Aefferei ! Ei , mein Sohn war in Paris