die Zeit drängt - die Erzählung fliegt , und dennoch hätt ' ich Dir noch so gar Vieles zu sagen , so gar Vieles zu malen . Einen Stoß an das Glas - welches Bild wird seine Lichtmosaik zuerst Dir bringen ? - das Auge an die Loupe - hinein den Blick - was ist ' s , was Du siehst ? wohin hat der Zaubermantel der Phantasmagorie Dich geführt ? ! - - - Auf der Rennbahn . Der vierte Tag - Dienstag , der 20. Juni - der so rasch im Sporting berühmt gewordenen Berliner Rennen nahte sich bereits dem Ende . Obschon der Hof bald nach den Festlichkeiten zur Feier der silbernen Hochzeit des Prinzen und der Prinzessin von Preußen , an der das ganze Land so patriotischen Theil nahm , sich nach der Provinz Preußen begeben hatte , war doch noch immer viel hohe und vornehme Gesellschaft in der preußischen Königsstadt versammelt und namentlich das diplomatische Corps vollständig geblieben , da jeder Tag jetzt neue wichtige Botschaften und Verhandlungen brachte . Ein leichtes Gewitter war gegen Abend heraufgezogen , der kurze dünne Regenschauer hatte jedoch nur dazu gedient , den Staub des weiten Sandfeldes , auf dem die Bahn ausgesteckt ist , zu mildern , ohne die zahlreichen Sportsmans vom innern Turf zu vertreiben oder die farbenreichen Toiletten der Damen - denn die Berlinerinnen lieben das Bunte - zu verderben , welche in großer Zahl und etwas pikanter Mischung die Tribünen rechts und links von der erhöhten Hofloge füllten , während das Publikum zu Vier-Groschen , das man bereits zum Volke zählt , seine Stehplätze auf den Flanken behauptete , unterstützt von den nie fehlenden fliegenden Marketenderinnen in Kümmel und Schinkenstullen . Der Platz im Innern zeigte ein lebhaftes Treiben - sehr viele Offiziere , die mit großer Vorliebe an den Aufregungen der Bahn hängen , die Mitglieder des Rennvereins und des Jockey-Clubs , viele Aristokratie aus den Provinzen , die Wollmarkt und Rennen hierher geführt , hohe Beamte , Attaché ' s , pferdeverständige Banquiers , jene zahlreiche Sorte berliner Flaneurs , theils Juden , theils Christen , die überall sind , ohne daß man weiß , wer sie sind , überall unverschämt und absprechend - des Morgens in irgend einem vornehmern Weinlokal , zur Caffeezeit auf der Kranzler ' schen Rampe , Abends im Foyer des Opernhauses oder im Kroll ' schen Garten , aber niemals an einem Mittagstisch . Da waren die vornehmen Industriellen in Gold , Edelsteinen , Seide und Bronce , die , weil der Hof bei ihnen kauft , glauben , sie gehörten dazu , die im März 1848 auf ' s Schleunigste das Hoflieferanten-Wappen bei Seite brachten , in der Vossischen Zeitung mit einem anständigen Beitrag für die Hinterbliebenen der Märzhelden zeichneten und jetzt über den Undank die Nase rümpfen , daß sie noch nicht das Hohenzollern-Kreuz erhalten haben , einstweilen aber keine Galla-Vorstellung im Opernhause und keine Gelegenheit versäumen , wo das Entree ihnen erlaubt , sich unter Hof und Adel zu mischen . Da fehlten auch nicht die markirten Physiognomieen , die ein Conto gegen 150 Prozent offen halten für die Ehrenscheine junger Sprossen aus Preußens alten Familien , jene Blutegel am großen Grundbesitz der Aristokratie . Die berliner Börse endlich in ihren ältern und jüngern Prachtexemplaren , die junge Litteratur und die Hotelbesitzer , die ihre Fremden zum Rennen fahren , wenn die Frau Gemahlin nicht etwa die Equipage mit Groom und Bedienten für sich selbst gepreßt hat . Kurz Alles Bewegung , Alles Glanz , Alles Sehen und Gesehenwerden . Das Hürden-Rennen um den von des Königs Majestät gesetzten Preis war eben im Gange ; die vier Pferde , von den adligen Besitzern oder Offizieren geritten , hatten das letzte Hinderniß dicht zusammen genommen und es entwickelte sich nun ein interessanter Kampf . Selbst auf den Tribünen hatte sich Alles erhoben und war in Bewegung , die Linien im Innern des Platzes drängten möglichst weit vor zum Aerger des Flanken-Publikums , das seine Rechte mit lautem Rufen vertheidigte , und die Aufregung und Theilnahme hatte selbst Männer erfaßt , die sonst herzlich wenig um den Turf sich zu kümmern pflegen . » Caurire siegt - Breidbach ist eine Länge voraus ! Hundert Friedrichsd ' ors Paré ! Haben Sie Lust , Baron ? « » Angenommen , Hoheit - ich wette auf den Shakespeare . Lüttwitz weiß , wann es Zeit ist . « » Sie kommen - sie kommen ! - Trial und der Emperor bleiben zurück ! « - » Sie werden galant sein und mich zwei Louisd ' ors gewinnen lassen , « flüsterte es aus der ersten Reihe der Tribüne zu dem Herrn mit starker Nase und Backenbart , Frack von Heymann unter den Linden , der an der Linnenwand der Tribüne auf die Bank gestiegen , mit allerlei schwedisch-gymnastischen Körperverdrehungen dem Lauf der anstürmenden Pferde folgte , gleich wie die Kegelschieber die edle Gewohnheit haben ; - » ich wette auf die Blaukappe - die Equipage an den Renntagen ist so theuer ! « » Avec plaisir , reizende Amanda ! Was werd ' ich nicht thun ! - Wollen Sie zwei Friedrichsd ' ors auf den Shakespeare halten , Herr von Walther ? « - Der galante Verlust der Wette war so gesichert . » In des Teufels Namen , stehen Sie doch ruhig , Herr Wolf . Sie werfen noch die Bank um . Ich wette nie ! « Ein lauter Jubel begrüßte die jetzt am Pfosten vorüber stürmenden Pferde - » Shakespeare « voran , » Caurire « als Zweiter . » Das macht mit den gestrigen Wetten vierhundertundzwanzig Friedrichsd ' ors , Hoheit ! « » Ich weiß , ich weiß ! - wir haben morgen noch das Jagdrennen , - der Brin d ' Amour siegt gewiß ! « » Heute Abend , holder Engel , bringe ich ' s ! « flüstert Herr Wolf und springt von der Bank , sich unter das Gedränge