Sie fanden in dem Hause eine alte Frau , einen kleinen Knaben , einen jungen Mann - und eine Dame . « Bei jedem Worte , welches der Jäger aussprach , war der Andere sichtlich zusammengefahren , doch hatte er sich gewaltsam bezwungen , wobei er sich die Lippen fast blutig biß . Als aber Josef sagte : eine Dame , da behielt er seine mühsame Fassung nicht länger , er erbleichte auf eine furchtbare Art , seine Augen starrten weit aufgerissen , er faßte die Hand des Jägers mit zitternden Fingern und sprach fast lautlos : » Du hast gesagt : auch eine Dame - ? « » Eine Dame , Herr - die Frau Baronin von W. , Gemahlin des früheren General-Adjutanten . « Bei diesen Worten war es , als wollte der Andere in die Kniee sinken ; sein Körper schien sich unter dem Eindruck dieser Mittheilung förmlich zu beugen , er preßte die Hände vor das Gesicht und rief in herzzerreißendem Tone : » Meine Schwester ! - o meine arme Schwester ! « Dieses Wort hatte Josef doch nicht erwartet . Ihn faßte ein jäher Schreck bei dem Ausrufe des Andern , es war ihm , als hebten sich rings herum schwarze Schleier , als stiegen wilde unheimliche Geister aus den Ecken des Zimmers . Der Luftzug , der durch den Kamin herabdrang , machte ihn schaudern . Er fühlte sich wie von Furchtbarem umgeben ; es schien ihm , als bewegten sich die Fenstervorhänge und es dringe hie und da eine Faust durch die Scheiben und suchte tappend die schweren Riegel zu erfassen , um die Flügel zu öffnen , und einer unheilvollen Macht Eingang zu gestatten . Dann aber erfaßte ihn wieder eine tiefe Wehmuth , als er die kräftige Gestalt des jungen Mannes vor sich erblickte , die durch seine Mittheilungen vollständig gebrochen schien ; als er bedachte , welch ' gewaltiger Geist , welch ' edles Herz und tiefes Gefühl in diesem kräftigen Körper wohnte , welchen Weg dieser Mann hätte gehen können , und wie er nun vor ihm stand , vielleicht schon von allen Seiten umgarnt , im nächsten Augenblicke vor der unerbittlichen Gerechtigkeit - die leider , leider diesmal nur gerecht zu nennen war ! - Josef war kein gewöhnlicher Mensch , sein Eintritt in diese Welt hatte ihm Hoffnungen eröffnet , die leider nie in Erfüllung gingen . Und an alles dies denkend , hatte er seine Hände gefaltet und langsam tropfte eine Thräne um die andere aus seinen Augen und verlor sich in dem dichten , schwarzen Barte . Der Andere hatte sich unterdessen wieder gefaßt , doch als er die Hände langsam von seinem Gesicht entfernte , fielen seine Arme wie gelähmt herab . - Aber er lächelte . Doch dieses zuerst traurige und dann erschreckliche Lächeln schnitt dem Getreuen , der vor ihm stand , noch tiefer in die Seele , als vorhin der Ausbruch des wilden Schmerzes . » Laß es gut sein , Josef , « fuhr der junge Mann fort . » Jeder Mensch hat seine Schwächen , hat eine Stelle , an der er verwundbar ist . Du hast sie mit deinen Worten getroffen und tief verletzt . - Aber das ist jetzt vorüber , « setzte er schwer Athem holend hinzu . » Was hast du mir weiter zu sagen ? « » Herr Major von S. war bei meinem Herrn und Beide sprachen darüber , daß die Baronin von W. in dem erwähnten Hause festgehalten würde . Der Gemahl derselben , der sie lange beargwohnt , habe seine Zustimmung gegeben , und über alles dies drückten sich beide Herren ziemlich empört aus . « » Ah ! sie nahmen die Polizei nicht in Schutz ? « » Der Polizei-Präsident soll von Seiner Majestät eine Bemerkung haben hinnehmen müssen , die sehr einer Nase ähnlich gesehen habe ; er sei ziemlich zerknirscht in das Vorzimmer gekommen und habe über undankbaren Dienst und drückende Verhältnisse gesprochen . « » Das gibt mir einige Hoffnung , « sagte der Andere mit leiser Stimme . » Du kannst mir einen Dienst erweisen , Josef . Suche in das Haus in der Schilderstraße zu dringen , erkundige dich , was man dort macht , und bringe mir eine Antwort hieher . Willst du ? « » Mit tausend Freuden , « antwortete Josef . » Aber ich würde einen vergeblichen Gang thun , Herr . Ich war schon droben bei dem Hause ; ich versuchte es , hinein zu kommen , ich habe da einen Bekannten , aber man examinirte mich und schickte mich fort . Als ich eben weggegangen war , sah ich Sie , Herr . Sie stellten sich an den Brunnen und schauten an dem Hause hinauf . « » Das ist wahr . Aber ich habe dich nicht bemerkt . « » O Herr , verzeihen Sie mir , « sprach Josef kopfschüttelnd , » Sie sahen überhaupt nicht so um sich her , wie gewöhnlich auf der Straße . Sonst hätten Sie an den gegenüberliegenden Häusern einen Menschen bemerken müssen , der sie beobachtete . « » Der mich beobachtete ? « » Auf das Genauste . Er hinderte mich , Sie anzureden , und ich konnte Ihnen nur von weitem folgen , denn der Andere schlich vor mir ziemlich dicht hinter Ihnen . « Der junge Mann fuhr sich mit der Hand über die Stirn und entgegnete : » Ja , ich war in Gedanken . Aber was wollte Jener von mir ? Folgte er mir bis hieher an den Fuchsbau ? « » Bis an die Mauer , wo Sie verschwanden . Das schien ihn höchlich zu wundern , denn er betrachtete die Steine aufmerksam , suchte auch rechts und links nach einer Thür , und als er nichts fand , umschritt er das ganze Gebäude . Jetzt folgte ich ihm und hätte gern ein ernstes Wort mit ihm gesprochen , aber ich war ohne Waffen