Bruder Hubertus - werden Sie - sehen - auch Klingsohr - Nicht unmöglich ... Wenn ich einmal Paula im magnetischen Schlafe sähe , wollte ich sie etwas fragen - Aber es ist ja wahr - Immer , wenn ich an ihr Lager trat , wissen Sie wol noch , hörte - die Posse auf ... Bonaventura stand auf glühenden Kohlen ... Nur einmal glaubt ' ich selbst , daß sie im Traum wahr sprechen konnte ... Einmal ! ... Am Tage Ihrer Weihe ! Warum aber auch - thaten Sie ihr das ! Der bitterste , schrillste , ja ein frecher Hohn war es , mit dem Lucinde diese Worte sprach ... Und Bonaventura nahm die Kriegserklärung auf ... Er ergriff das Licht , ging an die Thür , die zum Corridor führte , und machte die Miene , als wollt ' er ihr ruhig hinausleuchten ... Jetzt blieb Lucinde stehen und verwüstete erst recht den Epheu ... Schonen Sie diese unschuldigen Blätter ! rief er ... Lucinde ließ alle Blätter , die sie gerade in der Hand hatte , zu Boden sinken und suchte Bonaventura ' s Auge ... Der Priester versuchte ihren Blick auszuhalten ... Sie starrte ihn an wie die Walkyre ... Er - stellte den Leuchter auf den Tisch zurück , um sich aus ihrer Nähe entfernen zu können und ins Nebenzimmer zu gehen . Die Augen niederschlagend und sich den letzten , entscheidenden Rest von Selbstbeherrschung gebend , den er solcher Herzenshärtigkeit gegenüber noch besaß , hauchte er an der Thür des andern Zimmers mit erstickter , aber deutlicher Stimme : Fräulein ! Da ich so wenig über Ihren unglückseligen Sinn vermag , so möcht ' ich ein für allemal gebeten haben - Sie suchen sich für jeden künftigen Fall Ihres - Beichtbedürfnisses einen - andern Freund Ihrer Seele - ! Eine kurze tödliche Pause folgte auf dies sich im Sprechen mildernde , aber doch mit dem entschlossensten Aufdrücken der Nebenthür endende kategorische Ersuchen , nie wiederzukommen und sich für immer einen andern Beichtvater zu wählen . Lucinde verstand das tödlich entscheidende Wort . Bald auch machte sich ihr Seelenzustand in einem furchtbaren Ausbruch Luft ... Kein Lachen stieß sie aus , auch kein Weinen ... Es war ein Ton , der sich ihr , wie sie an der Thür stand , vom Herzen losriß , ohrzerreißend , von Lachen und Weinen eine Mischung , unerhört für den Priester , der wie in Betäubung stand und sich bei alledem sagte : Jetzt oder nie ! Es muß ein Ende sein ! ... Nie von ihm gesehen war auch das , was er jetzt sehen mußte ... Lucinde lag plötzlich am Boden , hingestreckt wie eine Leiche ... dicht an der Thürschwelle lag sie wie leblos ... völlig starr ... beide Arme lagen zu ihren Häupten weit ausgestreckt , ihr ganzer Körper war wie gelähmt ... Erst wollte der zum Tod Erschrockene sich dennoch entfernen ... Dann mußte er bleiben ... Der Gedanke , daß Lucinde an einem plötzlichen Krampf erstickt wäre , erfüllte ihn mit Entsetzen ... Er beugte sich zu ihr nieder , rief sie an ... ergriff ihren rechten Arm , der wie gefühllos hing ... der Hut lag im Nacken , der Shawl war ihr von ihren Schultern geglitten ... kein Glied mehr bewegte sich ... Erst als Bonaventura sich erhob , an den Tisch eilte , auf dem das Wasser stand , sein ganzes Taschentuch eingetaucht hatte und zurückkehrte , um ihr die Stirn und Schläfe zu befeuchten , regte sie sich und suchte aufzustehen ... Sie lehnte dabei seine Hülfe ab , drückte ihren Hut fest und in die Worte der Bestürzung , die er sprach , hinein erhob sie ihre Stimme , faltete die Hände , blieb in ihrer knieenden Stellung und rief : Maria ! ... Ich wage es doch , dich anzublicken ! ... Gib mir Kraft , mein Loos zu tragen , wie du das deinige ertrugst ! ... Sieben Schwerter durchbohrten deine Mutterbrust und du sahst doch noch die Herrlichkeit deines Sohnes ! ... Dann sprang sie auf , riß ihren Hut herab , stand wie wahnsinnig , erhob den Arm und flüsterte fast heiser : Auch ich werde sie sehen ! Gott hat die Zukunft meiner Liebe , das Glück und die Lebensruhe des grausamsten aller Menschen in meine Hand gegeben ! ... Dabei bebten durch die blendenden Zähne hindurch die von ihr wiederholten Worte Bonaventura ' s : » Einen andern Freund Ihrer Seele ! « Vielleicht würde Bonaventura in einem Versuch der Aussöhnung von Lucinden geschieden sein , wenn ihn die räthselhaften Worte , die sie sprach , nicht aufs neue erschreckt , der furchtbar betonte Sinn der Drohung , der in ihnen lag , nicht befremdet hätte ... Ja , sagte sie wie geisterhaft zu dem sie Anstarrenden ; das hat Gott in meine Hand gegeben ! Wie Ihr Schatten werde ich Ihnen durch Ihr Leben folgen - Herr - von Asselyn ! Wahnsinnige ! rief Bonaventura aufs neue ermuthigt ... Ja , setzte sie fast lachend ihre Rede fort , ich bin die Ursache , daß das Grab erbrochen wurde , in dem der letzte Begleiter Ihres Vaters bestattet war ... Bonaventura horchte auf und starrte dieser neuen Gedankenreihe ... Ich , ich kenne den Verbrecher ! Ich , ich besitze , was er im Sarge gefunden hat ! Sie - Sie besitzen - was ich seit jeder Stunde - ? Keine Verletzung der Beichte ! unterbrach sie bitter höhnend ... Ich kenne den Verbrecher ohne Ihre Andeutung ! Mir gab er , Ihnen das Gefundene einzuhändigen . Der Muth des Mannes regt sich in Ihnen ? Sie glauben , mir das Geheimniß entreißen zu können ? Suchen Sie ! Mit allen Häschern der Erde ... Sie finden Ihr Lebensgeheimniß nicht ... das halte ich ! Bonaventura , in äußerster Verwirrung , sprach fast zitternd durcheinander : Ich kenne - den Haß - dessen Sie fähig sind ... aber Sie