, trat in eine der kleinen dunklen Straßen , von denen mehrere in der Nähe des Schlosses mündeten und ging auf dieser fort , der oberen Stadt zu . Bald erreichte er eine Straße , an deren Ende sich ein Springbrunnen befand , dorthin wandte er seine Schritte , und bei dem Brunnen angekommen , stellte er sich mit dem Rücken gegen denselben und blickte das gegenüber liegende Haus an ; entweder war in keinem der Zimmer ein Licht oder man hatte dichte Vorhänge herabgelassen . » Ich weiß nicht , wie mir ist , « sprach er zu sich selber und zog seine Uhr hervor , » jetzt treibt es mich diesen Abend schon zum dritten Male vor dies Haus - unerklärlich ! Gerne ginge ich einen Augenblick hinauf , doch ist mir mein Anzug hinderlich . Beil würde mich nicht geniren , aber die alte Frau und das Kind ; und dann könnte auch sie wohl da sein . « Er hielt das Zifferblatt der Uhr gegen die Gaslaterne . » Erst Sieben ; ich könnte mich rasch umkleiden und dann einen Augenblick hinaufgehen . - Ah bah ! Man muß sich von seinen Nerven nicht zwingen lassen . - Und doch war ich lange nicht so weich gestimmt , wie am heutigen Abend ; ich glaube fast , meine Hand zittert . Ja , ich fühle mich aufgeregt ; hätte das Mädchen im Schlosse mich mit Bitten bestürmt , ich hätte die Achselbänder des Herzogs zu allen Teufeln fahren lassen . « Der im Mantel hatte Recht , als er so vor sich sprach , denn wer ihn früher hätte nächtlich durch die Straßen dahin gehen oder beobachtend vor dem Hause stehen sehen , würde wohl heute einen großen Unterschied haben wahrnehmen können . Er spähte nicht eifrig umher , wie er sonst wohl zu thun pflegte , er hemmte nicht den Schritt und wandte den Kopf bei dem leisesten Geräusch , sondern er ging ganz gegen seine Gewohnheit wie träumend einher , den Blick auf den Boden gesenkt , unachtsam , stolpernd . Sein Geist war offenbar beschäftigt und zerstreut , woher es denn auch wohl kommen mochte , daß er nicht gewahr wurde , wie sich während der Zeit , die er am Brunnen zubrachte , die Gestalt eines Menschen , welche im tiefsten Schatten des gegenüberliegenden Hauses versteckt stand , zuweilen gegen ihn vorbog und ihn während der ganzen Zeit , die er dort zubrachte , unablässig und aufmerksam anschaute . Ja , als er sich hinweg begab , folgte ihm die Gestalt , wobei dieselbe immerfort die Schatten der Häuser benützte , um nicht von ihm gesehen zu werden . Doch , wie schon bemerkt , sie hätte sich diese Vorsicht sparen können , denn er ging die Straße hinab den Kopf gesenkt , nicht auf- noch rückwärts blickend . Er wandte seine Schritte dem Fuchsbau zu und die Gestalt hinter ihm ließ ihn nicht aus den Augen . Sie war ihm gefolgt , den Kopf vorgestreckt , die Augen weit geöffnet . Auf einmal aber stutzte sie und blieb stehen ; sie wandte den Kopf jetzt halb rechts , jetzt halb links und stürzte darauf mit ein paar raschen Schritten vorwärts , um hierauf abermals stehen zu bleiben . Als sie so zum zweiten Male stehen blieb , war das dicht vor der hohen Mauer eines Hauses , welches mit dem Fuchsbau zusammenhing . An dieser Mauer war der vor ihr Wandelnde verschwunden ; der Teufel mochte wissen , wo er hingekommen war . Da befand sich weder Thüre noch Fenster , ja nicht einmal eine Spalte , wo eine Maus hätte durchkriechen können , der Verfolgte aber war verschwunden und der Verfolger stand kopfschüttelnd vor der hohen Mauer , ging erst zwanzig Schritte rechts , dann ebensoviele links , um vielleicht hier einen Eingang zu erspähen , umkreiste nach dieser vergeblichen Bemühung den ganzen Häuserkomplex und eilte dann mit ziemlich raschen Schritten nach der obern Stadt zurück . Siebenundsiebenzigstes Kapitel . Im Fuchsbau . Der Andere war indessen durch den fast nur ihm allein bekannten sehr kunstreich versteckten Eingang in das Innere des Fuchsbaues gelangt , immer noch ohne Ahnung , daß ihn Jemand bis an die Mauern desselben verfolgt . Ein schmaler Gang nahm ihn auf , der spärlich erhellt war von einer einzigen Lampe , die in einer Nische brannte . Neben sie legte er seinen Mantel hin , stieg langsam eine Treppe hinauf , und trat wenige Augenblicke nachher in das uns bekannte Zimmer . Hier befand sich Niemand , überhaupt herrschte im ganzen Hause , wenigstens in diesem Theile desselben , die gewöhnliche tiefe Stille . Auf dem Tische brannten zwei Lichter , im Kamin loderte ein helles Feuer . Der Eingetretene legte seinen Hut auf den Tisch , fuhr sich mit der Hand über die Stirne , schränkte darauf die Arme über der Brust , und ging mit großen Schritten im Zimmer auf und ab . Ihn beschäftigte das Haus bei dem Brunnen in der oberen Stadt , er wußte selbst nicht warum . Er hätte so gerne Herrn Beil besucht und das Kind , und daß er es unterlassen , verursachte ihm jetzt ein unbehagliches Gefühl . Doch konnte er sich von diesem Gefühl keine Rechenschaft geben . Wie oft war er schon Nachts bei diesem Hause vorübergegangen , ohne es zu betreten ; er hatte die dunkeln Fenster gesehen wie heute , er hatte gedacht : sie schlafen schon oder befinden sich in den hinteren Zimmern ; er war beruhigt fortgegangen , ja oftmals vor sich hin lächelnd , wenn er sich den guten Beil vorgestellt , wie er jetzt mit der wichtigen Miene eines Hofmeisters die Kapitel aus Geographie und Geschichte seinem Zögling wiederholte , die er selbst am Morgen erst mühsam erlernt . Heute hatte er sich den Herrn Beil nicht in so behaglichem Zustande denken können . - » Bei Gott ! « sprach er zu sich selber , » ein