, das , an der Westfront der Kirche gelegen , bis diesen Augenblick steht , zeigt zwar keine großen Verhältnisse , aber dies darf uns nicht zu falschen Schlüssen verleiten . Es war überhaupt keine Zeit der großen Häuser . Außerdem hatten die Lehniner Äbte , ebenso wie die Bischöfe von Havelberg und Lebus , ihr » Stadthaus « in Berlin , und es scheint , daß dies letztere von größeren Verhältnissen war . Ursprünglich stand es an einer jetzt schwer zu bestimmenden Stelle der Schloßfreiheit , höchst wahrscheinlich da , wo sich jetzt das große Schlütersche Schloßportal erhebt ; der Schloßbau unter Kurfürst Friedrich dem Eisernen aber führte zu einer tauschweisen Ablösung dieses Besitzes , und das Stadthaus für die Lehniner Äbte ward in die Heiligegeiststraße verlegt ( jetzt 10 und 11 , wo die kleine Burgstraße torartig in die Heiligegeiststraße einmündet ) . Das Haus markiert sich noch jetzt als ein alter Bau . Länger als viertehalb hundert Jahre gab es Äbte von Lehnin , und wir können ihre Namen mit Hilfe zahlreicher Urkunden auf und ab verfolgen . Dennoch hält es schwer , die Zahl der Äbte , die Lehnin von 1180 bis 1542 hatte , mit voller Bestimmtheit festzustellen . Durch Jahrzehnte hin begegnen wir vielfach ein und demselben Namen , und die Frage entsteht , haben wir es hier mit ein und demselben Abt , der zufällig sehr alt wurde , oder mit einer ganzen Reihe von Äbten zu tun , die zufällig denselben Namen führten und durch I. , II. , III. füglich hätten unterschieden werden sollen . Das letztere ist zwar in den meisten Fällen nicht wahrscheinlich , aber doch immerhin möglich , und so bleiben Unsicherheiten . Nehmen wir indes das Wahrscheinliche als Norm , so ergeben sich für einen Zeitraum von dreihundertzweiundsechzig Jahren dreißig Äbte , wonach also jeder einzelne zwölf Jahre regiert haben würde , was eine sehr glaubliche Durchschnittszahl darstellt . Von allen dreißig hat es kein einziger zu einer in Staat oder Kirche glänzend hervorragenden Stellung gebracht ; nur Mönch Kagelwit , der aber nie Abt von Lehnin war , wurde später Erzbischof von Magdeburg . Einige indessen haben wenigstens an der Geschiche unseres Landes , oft freilich mehr passiv als aktiv , teilgenommen , und bei diesen , wie auch beim , Abte Arnold , dessen privates Schicksal uns ein gewisses Interesse einflößt , werden wir in nachstehendem länger oder kürzer zu verweilen haben . Wir beginnen mit Johann Sibold , dem ersten Abt , von etwa 1180 – 1190 . Abt Sibold von 1180 bis 1190 Abt Sibold oder Siboldus war der erste Abt von Lehnin , und in derselben Weise , wie der älteste Teil des Klosters am besten erhalten geblieben ist , so wird auch von dem ersten und ältesten Abt desselben am meisten und am eingehendsten erzählt . Die Erinnerung an ihn lebt noch im Volke fort . Freilich gehören alle diese Erinnerungen der Sage und Legende an . Historisch verbürgt ist wenig oder nichts . Aber ob Sage oder Geschichte darf gleichgültig für uns sein , die wir der einen so gerne nachforschen wie der andern . Abt Sibold , so erzählen sich die Lehniner bis diesen Tag , wurde von den umwohnenden Wenden erschlagen , und im Einklange damit lesen wir auf einem alten , halb verwitterten Bilde im Querschiff der Kirche : » Seboldus , primus abbas in Lenyn , a Slavica gente occisus . « Abt Sibold wurde also erschlagen . Gewiß eine sehr ernsthafte Sache . Die Geschichte seines Todes indessen wiederzugeben ist nicht ohne eigentümliche Schwierigkeiten , da sich , neben dem Ernsten und Tragischen , auch Tragikomisches und selbst Zweideutiges mit hineinmischt . Und doch ist über diese bedenklichen Partien nicht hinwegzukommen ; sie gehören mit dazu . Es sei also gewagt . Abt Sibold und seine Mönche gingen oft über Land , um in den umliegenden Dörfern zu predigen und die wendischen Fischerleute , die zäh und störrisch an ihren alten Götzen festhielten , zum Christentum zu bekehren . Einstmals , in Begleitung eines einzigen Klosterbruders , hatte Abt Sibold in dem Klosterdorfe Prützke gepredigt , und über Mittag , bei schwerer Hitze heimkehrend , beschlossen Abt und Mönch , in dem nahe beim Kloster gelegenen Dorfe Nahmitz zu rasten , das sie eben matt und müde passierten . Der Abt trat in eines der ärmlichen Häuser ein ; die Scheu aber , die hier sein Erscheinen einflößte , machte , daß alles auseinanderstob ; die Kinder versteckten sich in Küche und Kammer , während die Frau , die ihren Mann samt den andern Fischern am See beschäftigt wußte , ängstlich unter den Backtrog kroch , der nach damaliger Sitte nichts als ein ausgehöhlter Eichenstamm war . Abt Sibold , nichts Arges ahnend , setzte sich auf den umgestülpten Trog , die Kinder aber , nachdem sie aus ihren Schlupfwinkeln allmählich hervorgekommen waren , liefen jetzt an den See und riefen dem Vater und den übrigen Fischersleuten zu : » Der Abt ist da « , zugleich erzählend , in welch eigentümlicher Situation sie die Mutter und den Abt verlassen hatten . Die versammelten Fischersleute gaben dieser Erzählung die schlimmste Deutung , und der bittre Groll , den das Wendentum gegen die deutschen Eindringlinge unterhielt , brach jetzt in lichte Flammen aus . Mit wildem Geschrei stürzten alle ins Dorf , umstellten das Haus und drangen auf den Abt ein , der sich , als er wahrnahm , daß ihm dieser Angriff gelte , samt seinem Begleiter durch die Flucht zu retten suchte . Der nahe Wald bot vorläufig Schutz , aber die verfolgenden Dörfler waren ausdauernder als der ältliche und wohlbeleibte Abt , der es endlich vorzog , einen Baum zu erklettern , um , gedeckt durch das dichte Laubgebüsch desselben , seinen Verfolgern zu entgehen . Der Mönchsbruder eilte inzwischen vorauf , um Hilfe aus dem Kloster herbeizuholen . Abt Sibold schien gerettet , aber ein Schlüsselbund , das er beim Erklettern des