er die Saiten des Seelischen und des Gemüthes noch einmal wieder anzuschlagen . Er sprach beruhigend von der Lebhaftigkeit der Gegend draußen und stand , als wollte er eines der Lichter ergreifen und ihr auf den Corridor leuchten ... Sie reisen nach Witoborn ? begann Lucinde , schon über diese Andeutung , als fürchtete sie vielleicht nur die Dunkelheit draußen , gereizt ... Noch heute ! ... erwiderte Bonaventura , sichtlich befangen durch ein Wort weitern Gespräches , das nicht durch sein Amt veranlaßt wurde ... Lucinde sah diese Förmlichkeit , diese plötzliche Kälte und hauchte : Schon so bald ! Dabei blieb sie vor dem Epheu stehen und pflücke gedankenvoll ein einzelnes welkes Blatt ab ... Wer hätte an dieser Handlung erkennen mögen , daß sich die ganze seit Monaten angesammelte Fülle der Spannung wieder auf ihre Brust wie riesig anstemmte und in irgendeiner Weise helfen wollte ; sie hatte die Befriedigung des Gemüths nicht so gefunden , wie sie gehofft ... Sie wollte und hoffte nur - - ihre Liebe ... In einigen Stunden ... sagte Bonaventura , jetzt sogar drängend ... Dieser sein plötzlich immer kälterer Ton reizte sie mehr und mehr und schon war es nur ein Hauch , mit dem die erstickte Stimme sprach : Grüßen Sie - Gräfin Paula ! ... Bonaventura antwortete durch ein äußeres Zeichen ... Lucinde fuhr fort , wie bewußtlos in dem Epheu nach welken Blättern zu suchen ... Da sie deren nicht zu viele fand , brach sie auch schon die grünen ab ... In Bonaventura ' s Innerm drängte sich jetzt Unmuth , sogar eine Aufwallung des Zorns , doch suchte er nach Geduld und Selbstbeherrschung ... Paula ' s Sehergabe soll Wunder wirken ! fuhr Lucinde fort , zitternd und nicht von der Stelle könnend ... Ich wünschte wohl , Sie frügen sie , was für mich - noch alles in den Sternen steht ! Das würd ' ich die Sterne der eigenen Brust fragen ! sagte Bonaventura lächelnd und machte Miene , um Schonung seines Epheus zu bitten ... Schon das längere Verweilen Lucindens verdroß ihn ... Sie merkte nichts von dem , was sie that ... Sie brach Blatt um Blatt , zerknitterte das Gebrochene , warf es weg ... sie war im Geiste bald in der Ebene von Witoborn ... bald gedachte sie des Picard ' schen Auftrags , das Schreiben Leo Perl ' s abzugeben ... Grüßen Sie Herrn von Asselyn , Ihren Vetter Benno ! sagte sie - wie spottweise - und nur um zu sprechen und sich zu sammeln ... Bonaventura versprach die Ausrichtung dieses Grußes und ging von dem Tisch , wo er gestanden . Er machte in der That Miene , sich mit höflicher Neigung des Hauptes in sein Nebenzimmer zurückzuziehen ... Lucinde machte sich durch Scherze Muth zum Bleiben und gefiel sich darin , durch das Zerrupfen des Epheus auch die ihr wohlbekannte - Pedanterie der katholischen Geistlichen , die überhaupt mit den Jahren jede ehelose Lebensweise annimmt , schon an diesem jungen Mann zu reizen ... Schon in St.-Wolfgang hatte sie ihn ja im Geist früh vergrämeln und verzärteln gesehen ... Er soll sich hüten , sagte sie , Armgart nicht zu schwesterlich zu lieben ! Das kann dann im Ernst so kommen ! Auch Frau von Hülleshoven , ihre Mutter , könnte Armgart zuvorkommen , einen gewissen Herrn von Terschka zu wählen ... Bonaventura hörte schon nicht mehr . Seine Entrüstung nahm immermehr zu und auch sein Kampf ; denn jedes Wort , das Lucinde sprach , war ersichtlich nur eine Verschleierung der Rede : Du Thor , warum umschlingt mich nun nicht dein Arm ? Warum lässest du mich nun jetzt so hingehen , wie ich gekommen bin ? ! Voll Seligkeit läg ' ich - trotz Mariens - in deinen Armen ... Herr von Terschka , fuhr sie den Epheu zerzupfend fort , nimmt jede Religion an , die die schöne junge Frau mit ihren koketten Locken von ihm verlangt ! Aber sie hätte die Conversion gar nicht nöthig ! Wär ' ich in Rom und flüsterte - nur zwei Worte - mit den Cardinälen der Sacra Dotaria , sie sollte ohne weiteres geschieden werden ! ... Warum scherzen Sie über so ernste Dinge ! fragte Bonaventura verdrossen - doch staunend ... Kein Scherz ! ... Ich lernte neulich die Frau kennen ! Ihre Seele ist aus heißer Luft gewoben ! .. Wer möchte glauben , daß auf der Heide von Witoborn solche Blumen wachsen ! .. Sie kennen ja dies Geschlecht mit dem ewig gleichen Perpendikel des Herzens ! .. Ein Schlag wie der andere ! Bim - bam ! .. Es ist ja wahr - auch - Ihre Heimat ist ' s ! Bonaventura sah Lucinden ganz so wieder , wie sie sonst und noch zuletzt in seinem Pfarrhause gewesen war ... Das muß ich doch noch sagen , ich liebe nur den katholischen Glauben , wenn er die Seele zum Muthe entflammt ! fuhr sie in einer Aufregung , die sie nun nicht mehr bemeistern konnte , fort ... ich liebe ihn , wenn er die Menschen aus der Gewöhnlichkeit erhebt und ihnen Flügel gibt ! Dort ? ! Dort - ist wirklich alles nur Aberglaube und so vieles , so vieles - auch hier - Bonaventura , seine vorhergegangene tief vom Herzen gekommene Ansprache verhöhnt , kalt abgewiesen fühlend , athmete hörbar vor immermehr zunehmender Entrüstung ... Schon war Lucindens ganze Hand voll grüner abgerissener Epheublätter ... Sie werden auch Schloß Neuhof sehen ? sprach sie , noch wie harmlos , aber doch , da sie nun gehen mußte , aller Fassung beraubt ... Ohne Zweifel ! sagte Bonaventura kalt ... Auch den Kronsyndikus ? ... Man erwartet seine Auflösung ... Das bedaure ich ! ... Ich wünschte , Sie frügen ihn nach seiner zweiten Frau , die noch in Rom leben soll ... Und ob - die alten - Stammers - wol noch im Parke hausen ? - Und