eine Geschichte seiner Äbte . 2. Die Äbte von Lehnin 2. Die Äbte von Lehnin Heut sind es grade hundert Jahr , Seit er gelegen auf der Bahr Mit seinem Kreuz und Silberstabe . Die ewige Lamp ' an seinem Grabe Hat heute hundert Jahr gebrannt . * Hier war zu Hause kluger Rat , Hier hat der mächtige Prälat Des Hauses Chronik einst geschrieben . Annette Droste-Hülshoff Eh ' wir dazu übergehen , von den einzelnen leitenden Persönlichkeiten des Klosters , soweit dieselben überhaupt eine Geschichte haben , eingehender zu sprechen , mögen hier einige vorgängige Bemerkungen über die Lehniner Äbte überhaupt eine Stelle finden . Wenn dabei einzelne Dinge von mehr oder weniger allgemeinem Charakter mit aufgeführt werden sollten , Dinge , die nicht bloß in Lehnin , sondern überall innerhalb der klösterlichen Welt ihre Gültigkeit hatten , so wolle man dabei in Erwägung ziehen , daß wir eben noch , im Verlauf unserer » Wanderungen « , verschiedene andere Klöster zu besprechen haben werden , und daß das Allgemeingültige in betreff derselben doch an irgendeiner Stelle wenigstens andeutungsweise gesagt werden muß . Die Äbte von Lehnin standen an der Spitze ihres » Klosterkonvents « , d.h. ihrer Mönchsbrüderschaft , aus der sie , sobald die Vakanz eintrat , durch freie Wahl hervorgingen . Ihnen zur Seite oder unter ihnen standen der Prior , der Subprior , ein Präzeptor , ein Senior und ein Cellerarius ( Kellermeister ) , der , wie es scheint , im Lehniner Kloster die Stelle des bursarius ( Schatzmeister ) vertrat . Daran schlossen sich zwanzig bis dreißig fratres , teils Mönche , teils Novizen , teils Laienbrüder . Die Tracht der Mönche war die übliche der Zisterziensermönche : weißes Kleid und schwarzes Skapulier . Das Ansehen und die Gewalt des Abtes waren außerhalb und innerhalb des Klosters von großem Belang . 1450 wurde den Äbten zu Lehnin vom Papste der bischöfliche Ornat zugestanden . Seitdem trugen sie bei feierlichen Gelegenheiten die bischöfliche Mitra , das Pallium und den Krummstab . Auf den Landtagen saßen sie auf der ersten Bank , unmittelbar nach den Bischöfen von Brandenburg und Havelberg . Innerhalb des Klosters war der Abt selbstverständlich der oberste Leiter des Ganzen , kirchlich wie weltlich . Er sah auf strenge Ordnung in dem täglichen Leben und Wandel der Mönche , er beaufsichtigte den Gottesdienst , er kontrollierte die Verwaltung des Klosters , des Vermögens , der Einkünfte desselben , er vertrat das Kloster geistlichen und weltlichen Mächten gegenüber . Er regierte . Aber diese Regierung war weit ab davon , eine absolute , verantwortungslose Herrschaft zu sein . Wie er über dem Konvente stand , so stand doch auch der Konvent wieder über ihm , und Klagen über den Abt , wenn sie von Draußenstehenden erhoben wurden , kamen vor den Konvent und wurden von diesem entschieden . Waren die zu erhebenden Klagen jedoch Klagen des Konventes selbst , so konnte letzterer freilich in seiner eigenen Angelegenheit nicht Recht sprechen , und ein anderes Tribunal hatte zu entscheiden . Dies Tribunal , der Fälle zu geschweigen , wo es der Landesherr war , war entweder das Mutterkloster , oder das große Kapitel in Cîteaux , oder der Magdeburger Erzbischof oder endlich der Papst . Solche Auflehnungen und infolge derselben solche Appellationen an die obere Instanz zählten keineswegs zu den Seltenheiten , wiewohl die Lehniner Verhältnisse , in vielleicht etwas zu optimistischer Auffassung , im allgemeinen als mustergültige geschildert werden . Der Abt Arnold , von dem wir später ausführlicher hören werden , wurde infolge solcher Auflehnung abgesetzt . Dieser Abt-Arnold-Fall , der durch Beauftragte des Generalkapitels in Cîteaux untersucht und entschieden wurde , führt zu der nicht uninteressanten Frage : ob solche Beziehungen zu Cîteaux , zu dem eigentlichen , ersten und ältesten Ausgangspunkt aller Zisterzienserklöster , etwas Regelmäßiges , oder nur etwas Ausnahmsweises waren ? Die Ordensregel , die Charta caritatis , das Gesetzbuch der Zisterzienser schrieb allerdings vor , daß einmal im Jahre alle Zisterzienser Äbte in Cîteaux zusammenkommen und beraten sollten , aber diese Anordnung stammte noch aus einer Zeit , wo die räumliche Ausdehnung , die expansive Kraft des Ordens , die halb Europa umfaßte , ebensowenig mit Bestimmtheit vorauszusehen war , wie sein intensives Wachstum bis zur Höhe von zweitausend Klöstern . Zu welcher Versammlung , bei nur annähernd regelmäßiger und allgemeiner Beschickung , wäre ein solches Generalkapitel notwendig angewachsen ! Freilich die Hindernisse , die die bloß räumliche Entfernung schuf , müssen wir uns hüten zu überschätzen . Die Kaiserfahrten , die Kreuzzüge , die Pilgerreisen nach Rom und dem Heiligen Grabe zeigen uns genugsam , daß man damals , sobald nur ein rechter Wille da war , vor den Schrecken und Hindernissen , die der Raum als solcher schafft , nicht erschrak ; aber Cîteaux selbst , ganz abgesehen von allen andern leichter oder schwerer zu überwindenden Schwierigkeiten , hätte solche allgemeine Beschickung kaum bewältigen können , wie groß wir auch die bauliche Anlage einerseits , und wie klein und bescheiden die Ansprüche der eintreffenden Äbte andererseits annehmen mögen . Wir treffen wohl das Richtige , wenn wir die Ansicht aussprechen , daß regelmäßige Beschickungen des Generalkapitels nicht stattfanden , anderweitige Beziehungen aber , wenn auch nicht immer , so doch vielfach unterhalten wurden . Mehrere Urkunden tun solcher Beziehungen direkt Erwähnung , und auch anderes spricht dafür , daß unser märkisches Kloster in Cîteaux einen guten Klang hatte und mit Vorliebe am Bande auszeichnender Abhängigkeit geführt wurde . Schon die Lage Lehnins , an der Grenze aller Kultur , kam ihm zustatten . Die näher an Cîteaux gelegenen Klöster waren Klöster wie andere mehr ; während allen denjenigen eine gesteigerte Bedeutung beiwohnen mußte , die , als vorgeschobenste Posten , in die kaum bekehrte slawisch-heidnische Welt hineinragten . Ist doch der polnische Zweig immer ein Liebling der römischen Kirche geblieben . Die Analogien ergeben sich von selbst . Die Lehniner Äbte hatten Bischofsrang , und sie wohnten und lebten demgemäß . Das Lehniner Abthaus