Auch nicht , fiel der Abbé ihr leise in die Rede , daß sie gewagt hat , Ihnen , Ihnen , Eleonore , eine Leidenschaft anzudichten , deren Mitschuldiger ich sein sollte und die ein Verbrechen für mich wäre ? Er war selbst blaß geworden und die Stimme hatte ihm versagt , da er diese Worte aussprach . Sie trafen das Herz des unglücklichen Mädchens wie ein tödtender Blitz . Sie sah , sie entdeckte in sich , was sie sich bisher mit stolzer Scham verborgen hatte . Sie fühlte die Flamme einer verzehrenden Leidenschaft in sich auflodern , und der Mann , der sie in ihr angefacht und genährt hatte , stand ihr kalt gegenüber , sprach zu ihr in einer Weise , als wäre es undenkbar , daß er jemals etwas für sie empfunden habe , etwas für sie fühlen könne . Ihre Füße wankten , sie faßte krampfhaft die Lehne eines Sessels , der in ihrer Nähe stand , sie fürchtete , sich nicht aufrecht halten zu können ; aber mehr noch als Alles peinigte sie der Gedanke , dem ungerührten Manne zu verrathen , was in ihrer Seele vorging , ihn ahnen zu lassen , was sie in diesem Augenblicke um ihn litt . Und die bleichen Lippen zu einem Lächeln zwingend , das ihr das Herz zerriß , fragte sie ihn : Deßhalb also will man Sie entfernen ? Der Abbé bejahte es . Die Thränen traten der Gräfin vor diesem kalten , nackten Ja in ' s Auge . Freilich ! das Scheiden von einer Freundin - das Scheiden von Eleonore Haughton - was ist das für Sie ! sagte sie mit Bitterkeit . Der Abbé ließ den vollen Strahl seines Auges in die ihrigen fallen , aber er schwieg . So standen sie sich einige Sekunden gegenüber , und es dünkte Eleonore , als durchlebe sie eine lange Leidenszeit , denn großer Schmerz und große Freude rauben uns den wahren Maßstab für den Verlauf der Zeit . Es kam ihr vor , als sei der Augenblick lange her , in welchem sie das Wort , das niederschmetternde Wort von dem Munde des Geliebten vernommen hatte , als sei es lange her , daß sie sich allein gefunden , allein mit der verzehrenden Leidenschaft in ihrer Brust . Allein ! Nur das konnte sie nicht ertragen ! Allein , ohne ihn konnte sie nicht leben . Und wie ein Versinkender verzagend und hoffend zugleich nach Rettung ausschaut , fragte sie : Und gibt es kein Mittel , keines , das Sie - mir erhält ? Es war geschehen , sie hatte es ihm gesagt ; aber besorgt , daß eben dieses Wort ihn bestimmen könne , sich von ihr zu trennen , fügte sie hinzu , als wolle sie ihn vergessen machen , ihn über dasjenige täuschen , was sie ihm eben verrathen und gestanden hatte : Ich weiß es , Sie verlassen Paris , den Hof nicht gern , Sie haben Hoffnungen an Ihren hiesigen Aufenthalt geknüpft . Gibt es kein Mittel , Ihre beabsichtigte Entfernung zu vermeiden ? - Und wie von einer plötzlichen Eingebung ergriffen sprach sie : Ich will Paris verlassen , ich will in meine Heimath gehen ! Sie sollen bleiben . Ich will gehen ! Das jedoch war es nicht , was der Abbé begehrte . Er schüttelte verneinend das Haupt . Fassen Sie sich , Gräfin , man beobachtet Sie und mich ! sagte er leise . Ihre Entfernung von Paris würde nichts in meiner Lage ändern , nichts ! Aber einen Ausweg gibt es , Einen ! - Er zögerte , als falle es ihm schwer , ihr denselben zu nennen . Endlich , da sie auf seine Antwort bange harrte , sagte er : Nehmen Sie die Hand des Prinzen an , für den der König selber morgen um Sie werben wird ! Unmöglich , unmöglich ! rief die Gräfin so laut , daß die Anwesenden alle es vernahmen . Aber sie und der Abbé schlugen wie auf eine Verabredung ein Lachen auf , und mit lachender Miene fügte Eleonore leise hinzu : Soll ich der Herzogin den Triumph bereiten ? Soll ich mich der Herrschsucht wider mein Empfinden in die Arme werfen , vor der Sie selbst mich warnten ? So treffen Sie schnell eine andere Wahl , Sie sind Herr darüber ! warf der Abbé ihr ein . Aber wen - wen ? fragte die Gräfin , der in der Angst ihres Herzens und in der Verwirrung dieses Augenblickes jedes Mittel erwünscht kam , welches sie vor der Trennung von dem Abbé bewahren und ihm beweisen konnte , daß für ihn kein Opfer ihr zu schwer sei . Der Abbé wendete das Haupt in das Zimmer und zu der Gruppe zurück , welche die Gräfin vorhin verlassen hatte . Eine Frau wie Sie , sagte er , wird schwerlich einen Mann finden , der sie verdient ; aber es müßte mich Alles täuschen , oder der Freiherr von Arten weiß es , was Sie werth sind , und seine liebende Verehrung wird mir den Antheil an Ihrer Freundschaft nicht mißgönnen . Er ist ein Mann von Ehre und er liebt Sie , Gräfin , dessen bin ich sicher ! Sie konnte ihm nichts erwiedern . Der Ausdruck der Verzweiflung und der Liebe , mit dem sie zu ihm emporsah , drohte , ihn seiner Fassung zu berauben , und sich vor ihr verneigend , sagte er so laut , daß die Anderen ihn vernehmen konnten : Denken Sie daran , Gräfin , wir sprechen mehr davon ! Dann wendete er sich zu den Uebrigen , und auch Eleonore kehrte , wie hart ihr das auch ankam , zu ihrer früheren Unterhaltung zurück . Eilftes Capitel Man trennte sich an dem Abende zeitig , weil einige der Gäste noch anderweitige Einladungen hatten . Im Vorzimmer trafen der Abbé und Renatus zusammen . Der Abbé machte die Bemerkung , daß das Wetter köstlich und daß