, und das voll hereinbringende Tageslicht zeigte die gediegene Pracht der Einrichtung , in der gleichfalls das dunkle Grün vorherrschte . Augenblicklich befanden sich nur die Fürstin und Graf Morynski dort . Der Graf kam mit seiner Tochter sehr oft von Rakowicz herüber , um dann auf Tage und Wochen Gast der Schwester zu sein , auch heute war er zu einem längeren Besuch eingetroffen . Man sah es ihm an , daß er um mehrere Jahre älter geworden war ; das Haar zeigte sich stärker ergraut , und in die Stirn gruben sich noch einige Linien mehr , sonst hatte das ernste charakteristische Gesicht seinen früheren Ausdruck behalten . An der Fürstin dagegen war kaum eine Veränderung zu bemerken ; die Züge der immer noch schönen Frau waren genau so kalt und stolz , die Haltung ebenso unnahbar wie früher . Obgleich sie schon nach Jahresfrist die tiefe Trauer um den verstorbenen Gemahl abgelegt hatte , trug sie doch stets noch schwarze Kleidung , und der dunkle , aber äußerst reiche Anzug kleidete die hohe Gestalt sehr vorteilhaft . Sie war in lebhaftem Gespräch mit ihrem Bruder begriffen . » Ich begreife nicht , wie dich diese Nachricht so überraschen kann , « sagte sie . » Wir mußten längst darauf gefaßt sein . Mich wenigstens hat es stets befremdet , daß Waldemar seinen Gütern so lange und so konsequent fern blieb . « » Ebendeshalb ! « fiel der Graf ein . » Er hat Wilicza bisher in auffallender Weise gemieden ; weshalb kommt er jetzt auf einmal so plötzlich , ohne jede vorherige Andeutung ? Was kann er hier wollen ? « » Was sollte er anders wollen , als jagen ? Du weißt , die Jagdleidenschaft hat er von seinem Vater geerbt . Ich bin überzeugt , er wählte nur deshalb die Universität von J. , weil der Ort in waldiger Umgebung liegt , und ist , anstatt die Vorlesungen zu besuchen , den ganzen Tag lang mit Flinte und Jagdtasche umhergestreift . Auf seinen Reisen wird es wohl ähnlich gegangen sein . Er kennt und liebt ja nun einmal nichts andres als die Jagd . « » Er konnte aber zu keiner schlimmeren Zeit kommen , « rief Morynski . » Gerade jetzt hängt alles davon ab , daß du unumschränkte Herrin hier bleibst . Rakowicz liegt zu weit von der Grenze ; wir sind dort überall beobachtet , überall von Rücksichten eingeengt . Wir müssen die Verfügung über Wilicza behalten . « » Das weiß ich , « erklärte die Fürstin , » und ich werde dafür sorgen , daß sie uns bleibt . Du hast recht , der Besuch kommt äußerst ungelegen , aber ich kann es meinem Sohne doch nicht verwehren , seine eigenen Güter zu betreten , wenn es ihm beliebt . Wir müssen eben größere Vorsicht beobachten . « Der Graf machte eine Bewegung der Ungeduld . » Mit der Vorsicht allein ist es nicht gethan . Es handelt sich einfach darum , alles aufzugeben , solange Waldemar im Schlosse ist , und das können wir nicht . « » Es ist auch nicht nötig , denn er wird wenig genug im Schlosse sein , oder ich müßte den Reiz nicht kennen , den unsre Wälder auf solch eine Nimrodsnatur ausüben . Bei Nordeck wurde diese Jagdleidenschaft schließlich zur Manie , die ihn unempfänglich für alles andre machte , und sein Sohn gleicht ihm auch darin vollkommen . Wir werden ihn nur äußerst selten zu Gesicht bekommen ; er steckt den ganzen Tag im Wald und hat sicher nicht die mindeste Aufmerksamkeit für das , was in Wilicza vorgeht . Das einzige , was ihn hier möglicherweise interessiert , ist die große Waffensammlung seines Vaters , und die wollen wir ihm gern überlassen . « Es lag eine Art von mitleidigem Spott in diesen Worten , die Stimme des Grafen dagegen verriet einiges Bedenken , als er erwiderte : » Es sind vier Jahre her , daß du Waldemar nicht gesehen hast . Freilich , du wußtest ihn schon damals ganz nach deinem Willen zu leiten , woran ich zuerst entschieden zweifelte . Hoffentlich gelingt dir das auch jetzt . « » Ich denke , « versetzte die Fürstin mit ruhiger Zuversicht . » Übrigens ist er durchaus nicht so schwer zu leiten , wie du glaubst . Gerade sein störriger Eigenwille bildet die beste Handhabe dazu . Man muß seinem rohen Ungestüm für den Augenblick nur unbedingt nachgeben und ihn in dem Glauben erhalten , daß sein Wille unter allen Umständen respektiert wird , dann hat man ihn vollständig in der Hand . Wenn wir ihm täglich sagen , daß er unumschränkter Herr von Wilicza ist , so wird es ihm gar nicht einfallen , das auch sein zu wollen . Ich traue ihm überhaupt nicht so viel Intelligenz zu , sich um die Verhältnisse auf seinen Gütern eingehend zu kümmern . Wir können unbesorgt sein . « » Ich muß mich dann ganz auf dein Urteil verlassen , « sagte Morynski . » Ich selbst sah ihn ja nur zweimal – wann hast du den Brief erhalten ? « » Heute morgen , eine Stunde vor deiner Ankunft . Danach können wir Waldemar jeden Tag erwarten ; er war bereits auf der Reise hieher . Im übrigen schreibt er mit seiner gewöhnlichen lakonischen Kürze . Du weißt , unser Briefwechsel zeichnet sich nie durch Ausführlichkeit aus ; wir haben uns stets nur das Notwendige mitgeteilt . « Der Graf sah nachdenkend vor sich nieder . » Kommt er allein ? « » Mit seinem ehemaligen Erzieher , der sein steter Begleiter ist . Ich glaubte anfangs , der Mann werde sich benutzen lassen , um Näheres über Waldemars Thun und Treiben auf der Universität zu erfahren , täuschte mich aber darin . Ich mußte natürlich die Studien meines Sohnes zum Vorwand der Erkundigungen nehmen und erhielt nun nichts als gelehrte Abhandlungen über diese Studien selbst , nicht ein