aber da begegneten sich ihre Augen , und wie gebannt von diesem Blick blieb er stehen . Der eisige Ton war verschwunden aus seiner Stimme , sie hatte wieder den alten , verschleierten Klang , als er sagte : » Mein Fräulein – ein Wort noch ! « Mit einer abwehrenden Bewegung trat Edith zurück . » Ich glaube , Herr Raimar , wir haben uns nichts mehr zu sagen . « » Doch , eine Warnung habe ich Ihnen noch zu sagen ! Sie haben den Mann nicht gekannt , dem Sie sich verlobten . Er hat Sie geblendet mit seinen mächtigen Erfolgen , wie er Ihren Vater , wie er alle Welt blendete . Sehen Sie sich das Bild an , das ich von ihm gezeichnet habe , es ist das wahre . Wollen Sie wirklich diesem Manne Ihre Zukunft , Ihr Glück anvertrauen ? « » Sie sind sein Feind ! « erklärte Edith herb und bitter , » Sie haben alles in das Schlimmste gedeutet . Es mag sein , daß er über manches hinausgegangen , daß er sich über vieles hinweggesetzt hat – er ist eben Felix Ronald ! Den darf man nicht mit dem gewöhnlichen Maße messen , der kann es fordern , daß man ihm und seinen Schöpfungen andere Gesetze zugesteht . Sie sehen in ihm nur den Spekulanten – « » Das thue ich nicht ! « fiel Ernst mit vollem Nachdruck ein . » Ich habe es nicht versucht , meinen Gegner zu verkleinern , ich habe offen und rückhaltlos den großen , genialen Zug anerkannt , der in dem Manne wie in seinen Unternehmungen liegt ; aber es liegt auch ein Dämon in ihm , der anderen und vielleicht ihm selbst noch einmal zum Verderben wird . Hüten Sie sich davor ! « Ein leichtes Beben ging durch die Gestalt des Mädchens . Das waren ja fast Ronalds eigene Worte , er hatte ja selbst von dem Dämon gesprochen , der ihn emporgetragen und dem er folgen mußte . Edith dachte an seinen Ton und Blick , als er drohte , den Feind zu zertreten , wenn dieser seinen Weg kreuze . Da hatte sich jene dunkle Macht geregt , und es hatte ihr gegraut davor , aber gleichviel , jetzt war es zu spät zur Warnung und zur Reue . » Sie sprechen von meinem Verlobten , Herr Raimar ! Er hat mein Wort ! « » Und auch Ihr Herz ? « Edith schwieg , sie hatte ja sagen wollen , nur um diesem Gespräch ein Ende zu machen , um diesen Augen nicht länger Rede stehen zu müssen , aber die Lüge wollte nicht über ihre Lippen . Jetzt trat Ernst näher . » Edith ! – Nein , weichen Sie nicht so zurück vor mir ! Ich spreche ja nicht für mich . Ich habe abgeschlossen mit dem Hoffen , als ich jenen Schritt that , denn ich ahnte längst , wie es stand , und wußte , Sie würden mir das nie verzeihen . Vielleicht siegt Ronald in dem Kampfe , vielleicht bringt er meine Anklagen zum Schweigen . Er hat mächtige Bundesgenossen , ihm steht das Gold schrankenlos zu Gebote , und ich stehe allein . Aber wenn er auch droben bleibt , ich habe ihn der Welt gezeigt in seiner wahren Gestalt , und das löscht er nicht aus , auch bei Ihnen nicht , das tötet jedes Vertrauen . Edith , um Ihrer selbst willen , machen Sie sich los von dem unheilvollen Manne , fordern Sie Ihr Wort zurück ! Machen Sie sich frei , um jeden Preis ! « » Nein ! « sprach Edith , ohne ihn anzusehen , aber mit unbeugsamer Festigkeit . » Edith ! « » Nein ! « wiederholte sie . » Ich gab ihm mein Wort , die Zusage meiner Hand , als er noch sicher auf seiner Höhe stand . Er liebt mich , er legte mir alles zu Füßen , was er erreicht und errungen hatte , und ich habe das hingenommen als ein Recht , das mir gebührte . Und jetzt , wo ein Sturm heranzieht , der ihn bedroht , jetzt soll ich dies Wort brechen , soll die erste sein , die ihn in der Gefahr verläßt ? Muten Sie mir das im Ernste zu ? Sie wußten es ja doch im voraus , wie meine Antwort lauten würde . « » Ich habe es gefürchtet ! « sagte Raimar leise . » Und nun kein Wort weiter ! Wir dürfen uns nichts mehr sagen – gehen Sie ! « Ernst gehorchte , sein Blick streifte noch einmal düster das schöne Antlitz , dann ging er , ohne Lebewohl , ohne noch einen Blick zurückzuwerfen . Edith war allein , sie stand unbeweglich und blickte mit heißen , starren Augen auf die Thür , die sich geschlossen hatte hinter ihm – und ihrem Glücke . + + + Dort gingen zwei Menschen voneinander in derselben Stunde , wo sich zwei andere fanden . Am Ende des Parkes lag eine kleine Laube , halb versteckt im lauschigen Grün , ein Lieblingsplatz Wilmas , und dort saß Major Hartmut neben seiner Braut . Er hatte sich heute noch gar nicht erklären wollen , die kurze Bekanntschaft gab ihm ja eigentlich noch kein Recht dazu . Er wollte nur das Terrain sondieren , dann in hergebrachter Weise werben und , wenn er seiner Sache sicher war , mit dem Antrage herausrücken . Eigens zu diesem Zwecke hatte er ja die Uniform eingepackt , aber es war nichts mit dem Hergebrachten und dem ganzen weisen Plane . Als er da neben der jungen Frau saß und ihr in die Augen blickte , da war ihm das Herz mit dem Kopfe durchgegangen , und das Geständnis war urplötzlich über seine Lippen gekommen . Wilma hatte gar nichts gesagt , sondern ihm nur beide Hände hingestreckt , und da hatte er dann natürlich nicht die