in Ungnade gefallen zu sein , “ bemerkte er in scherzendem Tone . „ Er erzählte mir soeben ein Langes und Breites von Ihren staatsgefährlichen Verbindungen . Ich will doch nicht hoffen – ? “ „ Der Herr Hofrath irrt sich , “ versetzte Georg mit ruhiger Bestimmtheit . „ Es ist eine ganz harmlose Universitätsfreundschaft , die er mir zum Vorwurf macht , und die mit der Politik durchaus nichts zu thun hat . Ich kann Ihnen versichern , daß mein Freund , den eine einfache Erbschaftsangelegenheit herführt , und der durch ein sehr drolliges Mißverständniß in die Moser ’ sche Wohnung gerieth , weder dort noch anderswo demagogische Umtriebe im Sinne hat , und daß er Ihnen auch nicht den geringsten Anlaß geben wird , sich mit seiner Person zu beschäftigen . “ Der Polizeidirector lachte . „ Ich hoffe das gleichfalls . Hofrath Moser ist bisweilen geradezu beängstigend mit seiner Loyalität und sieht an allen Ecken und Enden Gespenster . Wenn er eine Ahnung davon hätte , daß sein eigener Chef einst der Jugend- und Universitätsfreund desselben Doctor Brunnow war , den er für so staatsgefährlich erklärt ! Sie wissen das vermuthlich ? “ „ Allerdings , “ sagte Georg überrascht . Diese genaue Kenntniß so weit zurückliegender Verhältnisse befremdete ihn doch . „ Wie seltsam und schroff sich doch bisweilen die Lebenswege solcher Jugendgefährten trennen ! “ warf der Andere hin . „ Der Gouveneur Arno von Raven und ein Flüchtling , der im Exil lebt – es giebt keine größeren Gegensätze . Man behauptet zwar , auch der Freiherr habe in seiner Jugend sehr extravaganten politischen Ansichten gehuldigt . “ Er hielt inne und schien eine Antwort zu erwarten , aber vergebens . Assessor Winterfeld hörte schweigend zu . „ Es heißt sogar , Herr von Raven sei auf irgend eine Weise in den Proceß verwickelt gewesen , der damals den Dovtor Brunnow und dessen Genossen auf die Festung brachte . Ich habe das freilich nur als unbestimmtes Gerücht gehört . Sie sind durch Ihren Freund und dessen Vater wohl genauer unterrichtet ? “ „ Keineswegs – wir haben nie eingehend davon gesprochen . Uebrigens würde eine etwaige Beziehung des Freiherrn zu jenem Proceß sich ja leicht aus den Acten ergeben . “ Der Polizeidirector warf dem jungen Manne einen Blick zu , der zu sagen schien : Wen das der Fall wäre , so würde ich meine Mühe nicht an einen solchen Starrkopf verschwenden ; laut aber erwiderte er : „ In den Proceßacten kommt der Name des Freiherrn überhaupt nicht vor . Wenn er wirklich zu der Sache in Beziehung stand , so ist sie zwischen ihm und seinen nachmaligen Schwiegervater , dem Minister , allein erledigt worden . Es muß ihm wohl gelungen sein , sich diesem gegenüber vollständig zu rechtfertigen , denn gerade von jenem Zeitpunkte an datirt seine so überaus glänzende Carriere . “ „ Das ist sehr wahrscheinlich , “ stimmte Georg mit kühler Zurückhaltung bei . „ Aber diese Ereignisse , die um mehr als zwanzig Jahre zurückliegen , sind Ihnen geläufiger als mir . Sie standen damals wohl schon im Beginn Ihrer amtlichen Thätigkeit , während ich noch ein Knabe war . “ Der Polizeidirector sah ein , wie wenig Geneigtheit hier vorhanden warn ihn über das aufzuklären , was er zu wissen wünschte . Er gab den Versuch auf , und nachdem sie noch einige gleichgültige Worte gewechselt hatten , trennten sich die beiden Herren . Nur ein einziges Mal während des Abends fand Georg noch Gelegenheit , sich Gabrielen zu nähern , oder vielmehr , sie selbst war es , die ihm diese Gelegenheit gab . Beim Cotillon , dem er zusah , ohne sich daran zu betheiligen , kam sie leicht und lustig wie eine Elfe herangeflattert , um ihn zum Tanz zu holen . Als er mit ihr den Saal umkreiste , begegneten sich die Augen Beider ; in den seinigen war die Düsterheit bereits geschmolzen , und um ihre Lippen spielte wieder das reizende Lächeln , das seine Worte vorhin verscheucht hatten . „ Bist Du noch eifersüchtig auf den Tanz ? “ flüsterte Gabriele , mit einem entzückenden Gemisch von Schelmerei und Abbitte . Georg hätte nicht jung sein und nicht lieben müssen , um diesen Worten und diesem Lächeln zu widerstehen . Er war bereits überzeugt , daß er Unrecht habe , der Geliebten ihre strahlende Heiterkeit zum Vorwurf zu machen ; sie war ja so harmlos glücklich darin , und er liebte ja gerade dieses heiter strahlende Kind mit all seinem Uebermuth und seinen Launen . „ Meine Gabriele ! “ sagte er leise , aber es lag eine grenzenlose Zärtlichkeit in dem einen Worte . Ein leiser Druck ihrer Hand antwortete dem seinigen – die Versöhnung war geschlossen . Das Fest nahm seinen Fortgang und verlief äußerlich in gewohnter glänzender Weise . Mitternacht war bereits vorüber , als die Gäste aufbrachen und die Säle sich leerten . Die Baronin Harder , sehr zufrieden mit der Rolle , die sie heute gespielt hatte , stand im Begriff , sich zurückzuziehen . Sie hatte sich bereits von ihrem Schwager verabschiedet , und gab nur noch den Dienern einige Anweisungen , während Gabriele sich dem Freiherrn näherte , um ihm gleichfalls gute Nacht zu wünschen . Raven sah , wie sie ihm die Hand reichen wollte , aber er stand mit fest verschränkten [ 258 ] Armen da und auf seinen Zügen lag der Ausdruck einer kalten Strenge , als er halblaut sagte : „ Ich habe im Laufe des Abends eine eigenthümliche Entdeckung gemacht , Gabriele . Zwischen Dir und dem Assessor Winterfeld scheint eine Vertraulichkeit zu herrschen , die sich weder mit seiner Stellung verträgt , noch mit der Deinigen in meinem Hause . Ich will hoffen , daß es nur Deine Unerfahrenheit ist , die ihm dergleichen Freiheiten gestattet , jedenfalls wirst Du mir Aufklärung darüber geben , wie weit Eure Bekanntschaft eigentlich geht . “ Das Antlitz