du gut gemacht , mein Junge ! Und nun komm – jetzt gehen wir nach Rom ! « Am andern Morgen , in aller Frühe , rollte ein offener Wagen , in dem sich Siegbert und der Professor befanden , nach der Bahnstation . Bei einer Biegung des Weges wurde das Hotel noch einmal sichtbar und vom Balkon des ersten Stockwerkes flatterte ein weißes Tuch den Scheidenden nach . Alexandrine , die dort an der Seite ihres Vaters stand , durfte ihrem Lehrer wohl eine Abschiesgruß nachwinken , und der Professor schwenkte auch eifrig seinen Hut als Gegengruß . Aber der junge Mann an seiner Seite , dessen Auge so unverwandt auf jenem wehenden Tuche haftete , wußte besser , wem das Lebewohl galt . Siegberts Antlitz war noch immer ernst und düster ; er gehörte nicht zu jenen Naturen , die sich leicht und schnell aus langgewohnten Banden lösen , die Art , wie sich die Trennung vollzogen hatte , lag noch immer schwer auf seiner Seele , aber tief im Auge schimmerte doch der Strahl des Glückes , dessen Verheißung er mit sich nahm in das neue Leben . Das Haus verschwand , und die Fahrt ging weiter durch das dampfende Tal . Die Morgennebel hielten noch alles dicht umzogen , die ganze Landschaft barg sich noch hinter ihren feuchten Schleiern , nur die mächtige Felsenkrone der Egidienwand tauchte schon daraus empor . Sie wurde mit jeder Minute klarer , und während ihre höchsten Spitzen rosig erglühten in der aufsteigenden Morgensonne , legten sich die Wolken tiefer und tiefer zu ihren Füßen . Und dort oben , über jener Felsenkrone , zog langsam und majestätisch der Adler seine Kreise . Er war emporgestiegen aus dem wogenden Nebelmeere und seine mächtigen Schwingen ausbreitend , nahm er den Flug empor , dem Lichte , der Sonne entgegen . Neunzehntes Kapitel . Es war an einem Herbstabende , etwa drei Jahre später , als der Kurierzug , der von Süden kam , in die Bahnhofshalle von L. einfuhr . Der Zug hatte hier einen längeren Aufenthalt , und die Passagiere benutzten ihn größtenteils , um auszusteigen . In dem Gewühl , das sich nun auf dem Perron entwickelte , sah man auch einen alten Herrn von hoher Gestalt , der trotz seiner weißen Haare noch eine beinahe jugendliche Rüstigkeit zeigte . Er stand an eine Säule gelehnt und blickte heiter auf das bewegte Treiben ringsum . Soeben fuhr ein zweiter Zug , der aus einer andern Richtung kam , in die Halle ein , die Türen wurden geöffnet , und der Strom der Reisenden ergoß sich gleichfalls auf den Perron . Unter den neuen Ankömmlingen befand sich auch ein kleiner , wohlbeleibter Herr , der eine große Reisetasche trug , und mit seiner Begleitung , die aus zwei Damen und einem Herrn bestand , dem Ausgange des Bahnhofes zuschritt . Plötzlich aber blieb er stehen , stieß einen Ausruf der Überraschung aus und arbeitete sich dann , seine Familie im Stiche lassend , aber die Reisetasche festhaltend , durch das Gedränge bis zu jener Säule . » Herr Professor Bertold ! Welch ein glücklicher Zufall führt uns hier zusammen ? Wie freue ich mich , Sie wieder zu sehen , und noch dazu in unverminderter Frische und Kraft ! « Der Professor war sonst nicht leicht aus der Fassung zu bringen , aber er blickte doch einige Sekunden lang ganz verdutzt auf den kleinen Mann , der ihn so freundschaftlich willkommen hieß , dann aber brach er in ein lautes Gelächter aus . » Herr Bürgermeister Eggert , sind Sie es wirklich ? Nun , wenn Sie sich freuen , mich zu sehen , – warum soll ich es nicht auch tun ? « » Unbeschreiblich ! « versicherte der Bürgermeister , indem er versuchte , die Hand des Künstlers zu ergreifen und zu drücken . » Ich bin soeben mit meiner Familie hier angelangt , wir beabsichtigen die Nacht in L. zu bleiben . Haben wir vielleicht das Vergnügen , Sie dort nochmals zu sehen ? « » Nein , ich fahre mit dem Kurierzuge weiter . Ich komme direkt aus Italien und will noch vor Mitternacht in der Residenz sein . » Das ist auch unser Reiseziel , aber wir werden erst morgen dorthin kommen . Wir wollen Siegbert in der Heimat begrüßen , unseren Siegbert , unseren teuren berühmten Sohn ! « » Ist er das wieder nach neuestem Datum ? « fragte Bertold trocken . » Vor drei Jahren haben Sie den » Undankbaren « ja feierlichst verflucht und von sich gestoßen . Sie wollten ihm auf ewig Ihr Haus und Herz verschließen , wenn er auch mit heißen Reuetränen – und so weiter ! « » Ein Mißverständnis , verehrter Herr Professor ! « rief Eggert , der jetzt doch einigermaßen in Verlegenheit geriet . » Siegbert hat meine damaligen Äußerungen ganz falsch aufgefaßt . Ich habe ihm nie , auch nur einen Augenblick lang , meine Liebe entzogen , ich versichere Ihnen – « » Versichern Sie mir gar nichts , « unterbrach ihn Bertold . » Ich stand damals auf der Galerie und habe die ganze Geschichte von Anfang bis zum Ende mit angehört . Ich habe sogar Bravo gerufen , als der Junge Ihnen den Gehorsam aufkündigte . Also Sie verzichten einstweilen auf seine Reuetränen und wollen ihn in aller Freundschaft besuchen ? Er wird allerdings etwas überrascht sein . « » Wir sind bereits angemeldet , « lächelte der Bürgermeister . » Als ich durch die Zeitungen erfuhr , daß Siegbert aus Italien zurückgekehrt sei und seinen Aufenthalt in der Residenz genommen habe , schrieb ich an ihn und erinnerte ihn an die Zeit , wo er noch ganz und voll uns angehörte . Vor wenigen Tagen erhielt ich seine Antwort , die seinem Herzen alle Ehre macht . » Oh , ich wußte ja , daß er uns nicht vergessen würde ! Ich komme übrigens auch als Vertreter seiner Vaterstadt ,