Dingen nicht zu verweilen . Hans , erzähle mir , ob ein Segen war bei der Fahrt des Herrn Richard . Er ist der einzige deiner Engelländer , an welchem meine Seele ein Gefallen finden kann . « » Es war mir kaum möglich , mein Roß neben dem flüchtigen Falben des Löwenherzens zu halten « , fuhr der Armbruster willig fort ; » denn seine Sehnsucht nach Herrn Thomas wuchs von Stunde zu Stunde und war kaum mehr zu zügeln , als die Türme des Klosters , wo dieser sich barg , auf dem klaren , blauen Herbsthimmel sich vergrößerten und die Mauern seiner Umfassung schimmerten wie die himmlische Stadt . Mein Löwenherz kennend und den Sturm seiner Gefühle , beschwor ich den Herrn , mich ihm vorausreiten und die Gelegenheit erkunden zu lassen , worein er , wenn auch ungern und scheltend , zuletzt willigte . Der Bruder Pförtner vernahm mein Gesuch ohne Argwohn , und als ich den Herrn Thomas nannte , machte er eine so ehrfürchtige Gebärde und zog ein so frommes Gesicht , daß ich wohl merken konnte , der Kanzler stehe hier in hohem Ansehen und im Geruche der Heiligkeit . Er sagte mir , der Primas befinde sich in der Kirche , und er wage es nicht , auch wäre es frevelhaft , ihn in seiner Andacht zu stören . Inzwischen zeigte mir der Mönch die nackte Zelle des aus dem bischöflichen Palaste von Canterbury Verstoßenen mit dem rauhen Feldsteine , worauf er schlummernd das Haupt zu stützen pflegte . Dies harte Kopfkissen verwunderte mich , denn ich wußte , von wie empfindlicher Natur und von wie feinen Gliedmaßen der Kanzler war . Endlich aber , als es nicht werden wollte und des heiligen Mannes Andacht zu keinem Ende kam , ließ mich der Pförtner in die Kirche treten gegen das Versprechen , mich still und eingekehrt zu verhalten , solange der Betende meiner nicht ansichtig würde . So trat ich denn achtsam zwischen den Säulen hervor und wurde alsbald Herrn Thomas gewahr , der in einem hochlehnigen Chorstuhle stand , eher sinnend als betend . Da ich den wundersamen Herrn seit manchen Jahres Frist nicht mehr gesehen hatte , so erschrak ich über die widernatürliche Schmalheit seines Antlitzes und seine tiefen schmerzlichen Augen , deren Blick mehr nach innen als nach außen gerichtet schien . Ich kniete im Schatten des Hochaltars auf die Stufen nieder und verehrte das Heiligste , ohne Herrn Thomas aus dem Auge zu lassen . Ob er meiner Gegenwart gewahr wurde oder nicht , blieb mir unbewußt , denn nichts an ihm geriet in Bewegung . Als ich aber nach einer guten Weile langsam mich von den Knieen erhob , richtete der Kanzler , ohne mich anzublicken , oder eine Miene zu verziehen , die Frage an mich : › Wie befindet sich mein Herr und König ? ‹ – Ganz in dem Tone , wie er vormals zu fragen pflegte , wann er mich in Windsor vor der Schwelle der königlichen Kammer traf . Da schossen mir die heißen Tränen in die Augen . Er aber bewegte sich leise die Stufen herunter , winkte mir mit der Hand ihm zu folgen und schwebte mir voraus in den Klostergarten , ein lustiges grünes Geviert mit blühenden Rosenbüschen in der Mitte eines kunstvollen Kreuzganges von neuester Bauart . Obwohl draußen schon die Blätter fielen , hatte das Welken und Sterben der Natur noch keinen Einlaß gefunden in diesen von den sorgfältigen Mönchen gepflegten grünen Raum . Der Primas ließ sich zwischen dem üppigen Gesträuch auf eine Steinbank nieder und wiederholte seine Frage : › Wie steht es um meinen Herrn und König ? ‹ › Herr Thomas ‹ , sagte ich , › es steht mit ihm nach gemeinem Menschenschicksal und erbärmlicher noch . Er ist nicht mehr zu kennen . Sähet Ihr ihn , es jammerte Euch seiner und Euer Eingeweide würde sich über ihn erbarmen ! ‹ Dann schilderte ich ihm mit beweglichen Worten den Verfall und die Verstörung des einst so majestätischen Fürsten . Er hätte mich lange reden lassen . Herr , er hörte mich an ohne Schadenlust , auch ohne sichtbares Mitleid , auch nicht fremd und gleichgültig , sondern wie man wohl vernimmt , daß ein Unheil eingebrochen ist , welches man lange vorhergesehen und worauf man sich im Geiste gefaßt hat . So schwieg er . Aber ich meinte zu fühlen , daß sein Herz sich erweichte , darum erkühnte ich mich und schrie : › Herr Thomas , Ihr seid ein heiliger Mann und kasteiter Christ ! Wenn Ihr vergeben könntet , was Herr Heinrich an Euch gefrevelt hat ... es nähme heute noch ein gutes Ende ! ‹ Er aber schwieg . › Verzeiht dem Könige ‹ , schrie ich wieder , › daß Gnade verlorenging ! ‹ Da senkte Herr Thomas das Haupt und antwortete rätselhaft : › Schlimm wenn süße Gnade verlorenging ... das sei ferne ! ‹ In diesem Augenblicke vernahmen wir das wehklagende Schelten der Mönche , welche einen jungen Reitersmann , der den Pförtner überrumpelt hatte und in den Kreuzgang einbrach , an den Armen zurückhielten . Es war Herr Richard . Das Harren und seine Verkleidung mochten das Löwenherz verdrossen haben . Die Mönche abschüttelnd , stürzte er zu den Füßen des Primas und rief : › Mein Vater , mein Vater ! Sie wollen mich nicht zu dir lassen . ‹ Dieser betrachtete ihn eine Weile schweigend . Dann strich er ihm mit sanfter Hand die schweißgenäßten , verworrenen Blondhaare aus der Stirn und schlichtete sie ihm mütterlich . Wie ich dies Zeichen seiner zärtlichen Liebe zum Löwenherzen sah , hielt ich unsern Handel für gewonnen und verzog mich bescheiden unter die Gewölbe des Kreuzganges , die beiden Herren ihren Engeln und Schutzheiligen überlassend . Ich setzte mich unter den Bogen einer durch ein Bündel feiner Marmorstäbe geteilten Fensteröffnung auf die breite Steinplatte und warf hie und da einen forschenden Blick ins Grüne