dann atmete sie erleichtert auf . » Und nun wird ja alles gut ! Die lieben , alten Leute sind wohl versorgt für ihren Lebensrest : nun kann sie getrost ihren Beruf wieder aufnehmen . Sie wird freilich so lange Ihre Gastfreundschaft annehmen müssen , als die Kranke ihre Pflege braucht – « » Mein Gott , was kümmert mich das ? Wir werden uns nicht in den Weg kommen . Ich reise in den nächsten Tagen ab . Mag sie doch so lange im Gutshaus bleiben , als sie Lust hat ! ... Aber Sie ? ! – « » Ich ? « Sie legte die Hände auf die Brust und sah vor sich nieder . Er war empört über den Anflug eines reizenden Lächelns , das ihr Antlitz unbeschreiblich verschönte – in diesem Augenblick zu lächeln ! Sie war doch genau so leichtfertig und weltverdorben wie ihre Dame ! – » Nun , ich werde auch bleiben , « sagte sie , ohne aufzublicken . » Wenn Sie das eine wollen , werden Sie das andere müssen . « » Ei , was Sie da sagen ! Darin irren Sie sich aber gründlich , denn ich werde nicht müssen , es sei denn « – er hielt inne und fixierte ihr Gesicht in atemloser Spannung – » es sei denn , daß Sie die Bedenken meiner braven Griebel beseitigen , indem Sie mir versprechen , das Haus dort von dieser Stunde an nicht mehr betreten zu wollen . « » Nein – das kann ich nicht ! « entgegnete sie ohne Zögern , ernst und bestimmt . Er trat von ihr weg , die Augen voll Haß und Grimm . » So gehen Sie Ihres Weges – ich verliere kein Wort mehr ! « rief er . » Nur eines sollen Sie noch wissen , « – er bog sich wieder hinüber und sagte verbissen : » Sie sollen erfahren , daß ich Sie vom Grund meines Herzens verachte . « Sie fuhr empört auf . Einen Augenblick maßen sich diese beiden Menschen mit Zornesblicken ; aber wenn er die Tränen , die ihr an den Wimpern zitterten , für Zeugen mädchenhafter Schwäche und Hilflosigkeit hielt , so irrte er sich . Sie wandte ihm plötzlich mit einer stolzen Wendung den Rücken und hob den Krug vom Brunnenbrett . » Wissen Sie darauf gar nichts zu sagen ? « rief er zürnend . » Nichts ! – Was liegt daran , ob Sie die arme Magd des Amtmanns verachten oder nicht ! Sie will nur für ein paar Menschen da sein – für sie ist die Beachtung von seiten anderer nur eine Pein . « Damit schritt sie vom Brunnen weg , direkt nach dem Forstwärterhaus . » Grüßen Sie mir Ihre lustigen Freunde da drüben ! « rief er ihr in beißendem Tone nach . Die weiche Luft schien die Laute zu verwehen , noch ehe sie das Ohr des Mädchens erreichten . Nicht die geringste Bewegung verriet , daß sie seinen boshaften Zuruf gehört habe . Sie ging festen Schrittes weiter und war im nächsten Augenblick hinter der Hausecke verschwunden . 12. Noch an demselben Abend machte sich Herr Markus reisefertig ... Das war ja nicht zu ertragen ! Was zwang ihn denn , sich selbst auf der Folterbank in diesem Thüringen festzuschmieden ? Die ganze , weite Welt stand ihm ja offen , und wenn er erst draußen war , und das frische , fröhliche Leben wehte ihn wieder an und zerblies die dumpfe , dicke Nebelkappe , die seinen sonst so klaren Kopf umhüllte und alle seine Gedanken gewaltsam auf den einen gehaßten , verwünschten Punkt hinzog , dann lachte er gewiß und schämte sich der Othellogefühle , die ihn immer wieder antrieben , nein , hetzten , dieses Waldhüternest zu umschleichen , wie der Marder das Taubenhaus – ein schönes Taubenhaus ! Eine Waldschenke war ' s , voll zechender , johlender Gäste ! ... Ja , eine Taube flog wohl aus und ein – eine schöne , weiße , mit täuschend unschuldsvollen Augen – aber sie fragte viel danach , ob ihr helles Gefieder in dieser schwülen , wüsten Umgebung befleckt wurde , wenn nur ihr Kommen und Gehen wohlbehütet unter dem Schleier des Geheimnisses blieb ! ... Lug und Trug gaukelten auch durch diesen abgeschiedenen stillen Weltwinkel – und warum nicht ? Belladonna und der verderbliche , schönglockige Fingerhut mischten sich ja auch unter Kraut und Strauch , unter die erquickenden Frucht- und Blumenspenden des edlen Waldes , und die Kreuzotter zischte aus dem Wurzelgeflecht der majestätischen Baumsäulen ... Er ordnete die Papiere für seinen Buchhalter und schickte sie heim , und dabei schrieb er , daß es mit seiner Vergnügungsreise nicht allein bei Nürnberg und München bleibe , er wolle viel , viel weiter – wieder einmal nach Rom und Neapel – und käme deshalb nicht so bald in seine vier Pfähle zurück ... Und dabei meinte er , grimmig vor sich hinlachend , daß er gegenüber der erhabenen Marmorschönheit in den Sälen und Museen Roms , unter den Pinien am Golf von Neapel kaum noch verächtlich des Mädchens im Arbeitskittel und der herben Luft , der engen , grünen , einsamen Täler des Thüringer Waldes gedenken , ja , daß er seinen jetzigen Wahnwitz dann nicht einmal mehr begreifen werde ... Aber als er am anderen Morgen die Vorhänge auseinanderschlug und das Fenster öffnete , und ihm die geschmähte , herbe Luft als würziger , erdbeerdurchdufteter Kraftodem entgegenschlug , die wogenden Kornbreiten des Talgeländes morgensonnentrunken zu ihm aufleuchteten , und hart daneben der Buchenschatten dämmerte , wohlige Nachtkühle über die tief in sein Herz hineinlaufenden Waldwege breitend , da überkam ein unerklärliches Trennungsweh den tieferbitterten , zornigen Mann , und heiße Sehnsucht , die mit den toten Augen der Marmorbilder und dem weichen Wehen südlicher Lüfte nichts zu schaffen hatte , wallte übermächtig in ihm auf . Er räumte Mantel und Reisetasche schleunigst beiseite und quartierte sich wie fast