lauter Licht ! “ „ Hast Du denn auch den Mann im Monde gesehen ? “ „ Nein , den sah , ich nicht — Onkel Leuthold sagte , es gäbe keine Menschen im Mond — aber ich glaub ’ s nicht , — es ist nur so weit weg , daß man sie nicht sieht . Und die Leute , die dort leben , sind gewiß viel glücklicher und besser als hier , die schlagen sicher kein Kind , und wer weiß , ob nicht am Ende gar der liebe Gott dort wohnt ! Ach wenn ich fliegen könnte — dahin flög ich ! “ sie blickte mit feuchtschimmernden Augen zur Decke empor , während ihre schmale Brust tief Atem holte . „ Nein , liebe Ernestine , Du mußt nicht fortfliegen , wer weiß , ob der Mond in der Nähe so hübsch ist wie von weitem . Und hier auf der Welt ist ’ s auch schön , und wenn Du groß bist , wirst Du eine Tante oder Mama , dann darf Dir Niemand was tun . Meine Tanten und Mama bekommen auch keine Schläge mehr , — von Niemandem ! “ Ernestine hörte das Geplauder der Kleinen nicht , ihre Augen schlossen sich , ihr geliebtes Buch entsank ihren Händen , Ole Luköje , der milde , nordische Schlummergott war daraus auferstanden . Er hatte Balsam in ihre schmerzende Wunde gegossen und seinen Schirm mit den tausend schönen , bunten Malereien über ihre ruhende Seele ausgespannt . — Angelika betrachtete sie ein Weilchen , dann fragte sie : „ Bist Du wieder eingeschlafen ? “ Und als sie keine Antwort bekam , dachte sie , daß es wohl so sei und schob sich leise , leise auf ihren hohen Stuhl hinauf , wo sie mit dem Ernst und der Steifheit eines Wachtpostens sitzen blieb . Endlich kam Heim mit Herrn Neuenstein vom Begräbnis zurück und trat mit diesem vorsichtig ins Zimmer . „ Sie hat mit mir geredet , “ berichtete Angelika . „ Was — war sie bei sich ? “ fragte der Geheimerat mit freudiger Überraschung . „ Ja , ja — wir haben uns eine Menge erzählt und dann schlief sie wieder ein . “ Der Geheimerat rieb sich die Hände : „ Das ist ja herrlich ! Schien sie Dir denn völlig bei Vernunft zu sein ? “ „ Ja , ja — sie war ganz vernünftig ! “ bestätigte Angelika . „ Schade , daß ich nicht da war ! Jetzt hoffe ich , sie durchzubringen , “ sagte der Geheimerat zu Herrn Neuenstein ; dieser aber betrachtete mit ungläubigem Kopfschütteln das leichenähnlich schlummernde Kind . „ Nicht wahr , “ fuhr der Arzt fort , „ das scheint Ihnen unwahrscheinlich ? Und dennoch glaube ich es mit Bestimmteit . Wer solch eine welke verkümmerte Knospe daliegen sieht , der hat wohl kaum eine Ahnung von den wunderbaren Hülfsquellen in ihrem Innern . Und ich sage Ihnen , in diesem Kinde wohnen solche geheime Lebenskräfte , sonst wäre es dieser tierquälerischen Erziehung längst erlegen . Das wird noch was — glauben Sie mir , das wird was ! “ „ Nun es soll mich von Herzen freuen , wenn Ihre Bemühungen nicht vergebens sind . Also wollen Sie das Mädchen wirklich mit sich nehmen ? “ „ Ja , wenn der heuchlerische Oheim sie mir über ­ läßt , will ich sie aus seinen Klauen befreien und sie so erziehen lassen , wie es ihrer Gesundheit zuträglich und ihrem großen Vermögen entsprechend ist ! “ „ Sie sind ein wahrer Menschenfreund , Geheimerat . “ „ Ein Menschenfreund bin ich — aber dabei ist ja gar kein Verdienst . Viele lieben es , junge Hunde und Katzen aufzuziehen , Viele schwärmen für Blumen ­ pflege — ich ziehe und pflege gern junge Menschen . Wo mich ein paar bedeutsame Kinderaugen aus einem verkümmerten Gesicht anschauen , da möchte ich sie wie eine seltene Blume in mein Herbarium stecken und mitnehmen . Ja , wenn die Pflege eines Kindes so wenig kostete wie die einer Pflanze — ich hätte schon längst ein ganzes Menschen-Treibhaus angelegt . Die Geschichte ist nur so verwünscht teuer ! “ „ Und man weiß , daß Sie fast Ihre sämtlichen Einkünfte zu solchen Zwecken verwenden . Sie könnten längst ein Millionär sein , wenn Sie nicht so fürstlich freigebig wären . “ „ Ach was — der Eine wirft sein Geld für die Passion hinaus — der Andere für jene . Das ist nun einmal meine Passion und die lasse ich mich so viel kosten , als ich nach Pflicht und Gewissen meinem Adoptivsohn , der meinem Herzen am nächsten steht , entziehen darf . Tun Sie mir aber den Gefallen und gehen Sie jetzt ; das unnütze Geschwätz stört den Schlaf des Kindes . Ich will noch ein Stündchen hier bleiben und beobachten . “ „ Komm , Angelika , “ sagte Neuenstein , „ Onkel Heim beißt heute . Wir wollen nach Hause . “ Er nahm das Kind bei der Hand und nickte Heim freund ­ lich zu : „ Soll ich Ihnen den Wagen schicken ? “ „ Nein , danke . Ich nehme mir ein Gefährt nach der Residenz , der König hat mich auf heute Nachmittag befohlen . Morgen komme ich aber wieder . “ „ Adieu — lieber Onkel , “ sagte die kleine Angelika , sich auf die Zehen stellend und ihm das rote Mäulchen zum Kuß hinhaltend . „ Nicht wahr , Du beißest mich nicht ? “ fragte sie , ihr blondes Lockenköpfchen an den struppigen herabgebogenen Graukopf schmiegend , „ ich bin ja so artig ! “ — Dann hüpfte sie auf den Zehen mit Herrn Neuenstein hinaus . — Als Heim allein war , setzte er sich neben das Bett und betrachtete schweigend das schlummernde Kind . „ Ich will wetten , daß die einmal bildschön wird , “ dachte er . „ Ihr