durchgebrannt und jahrelang verschollen gewesen . Also der ! Natürlich wurde umso eifriger auf ihn gefahndet , denn einen so schlimmen Gesellen , dem es auf ein Menschenleben nicht ankam , wollte man möglichst bald hinter Schloß und Riegel wissen . Wenn damals ein paar Frauen auf der Straße zusammenstanden , so redeten sie gewiß von Breidling ; an den Stammtischen unterhielten sich die Männer von dem kecken Räuber , in den Kaffeegesellschaften machten sich die Damen grauen , und daß damals kein Kind der Stadt allein in ein dunkles Zimmer ging , das war so gewiß wie das Amen in der Kirche . Eines schönen Tages verbreitete sich die Kunde , daß auf der Münckenburg , einem einsam gelegenen Rittergut , abermals ein Einbruch ausgeführt sei , der alles Dagewesene an Frechheit übertreffe . Unter anderem waren außer Wertsachen und barem Gelde auch die Brillanten der Frau Gräfin Müncken gestohlen , alter kostbarer Familienschmuck . Der Graf setzte eine Belohnung auf auf die Wiedererlangung des Geschmeides – bare fünfhundert Taler . Nach etwa drei Wochen vergeblicher Bemühungen erschien eines Morgens sehr früh eine Frauensperson in der Privatwohnung des Polizeikommissars und verlangte den Herrn allein zu sprechen , um ihm eine wichtige Mitteilung im Vertrauen zu machen . Der Beamte , der in seinem Morgenschlaf gestört war , betrachtete verwundert das sonderbare Wesen , das ihn mit funkelnden schwarzen Augen ansah , indem ihm zugleich ein breiter blutiger Striemen auffiel , der sich vom linken Ohre bis zur Unterlippe herabzog . Die üppigen roten Haare bauschten sich um ein Gesicht , in dem alles bebte und zuckte , die Wangen , die roten , schön geschweiften Lippen . Der Anzug war sonderbar , halb Dame , halb Bauerndirne – ein blaues Samtkleid , und 145 darüber der Kattunmantel , den die Frauen des Volkes tragen , beides naß , mit Kot bespritzt , als ob die Trägerin die Nacht im Freien , im Regen verbracht habe . » Ich weiß , wo Breidling sticht , Herr Polizeikommissar . « » Wer sind Sie ? « fragte der Beamte , der erst vor einiger Zeit aus Magdeburg herversetzt war und noch nicht Gelegenheit gehabt hatte , diese populäre Persönlichkeit kennen zu lernen . » Das kann Sie ja gleich sein , Herr Kommissar – ich weiß , wo er die nächste Nacht zu fangen ist . Ich komme übrigens nicht wegen die Belohnung , auf die pfeife ich – ich will den Kerl nur hereinlegen , weil er mich gestern abend beinah totgeschlagen hat . « Sie deutete auf ihr Gesicht . » Wollen Sie nu wissen , wo er sticht ? « » Allerdings möchte ich es wissen . « » Da schreiben Sie ' s uff , aber rasch . Ich muß heut abend noch ins Braunschweigische ' nüber , denn wenn Sie Malhör haben und ihn nicht fangen , schlägt mir der Kerl tot – wenn er mir erwischt . Also , weit zu gehen haben Sie nich , er will heut nacht die Lippertsche Tuchfabrik einen Besuch machen , so um Zwei ' rum . – Adje , Herr Kommissar – ich – « 146 » Nee ! Nee , Karlinchen , « erscholl da hinter ihr eine wohlbekannte fette Stimme , und der dicke Polizeiwachtmeister legte ihr die Hand zärtlich auf die Schulter . » Nee , Karlinchen , so ' ner einsamen Reise ins Braunschweigische setzen wir dein kostbares Leben nicht aus ; komm man mit ins Kittchen , da bist du sicher vor all und jedes . « Sofort änderte Schinders Karline ihre Taktik , sagte , sie hätte sich man einen Spaß erlauben wollen , und wo Breidling sei , wisse sie gar nicht , hätte auch ihr Leben lang mit ihm nie nichts zu schaffen gehabt . Da diese Angaben aber keinen Glauben fanden , so schritt sie bald darauf mit höhnischem Gesichtsausdruck zwischen zwei Beamten der Numero Sicher entgegen durch die von Weibern und Kindern wimmelnden Straßen , und ihre Kopfhaltung war stolzer denn je , als der Titel » Räuberbraut « und der Name Rosa , womit auf Rinaldos Geliebte , die dem Liede nach Rosa hieß , angespielt wurde , an ihr Ohr schlug und die Kecksten das Lied anstimmten : » In des Waldes tiefsten Gründen « . – Wer natürlich an diesem Abend in der Lippertschen Tuchfabrik nicht gefangen wurde , das war Breidling . Am anderen Morgen erhielt der verehrliche Polizeikommissar ein Schreiben , und zwar durch die Post , in dem der achtungsvoll Unterzeichnete die Genialität der Detektivbeamten in höhnischer Weise pries . » Mit größter Hochachtung verbleibe einstweilen noch als Freiherr Karl Breidling , « war der Brief unterzeichnet . 147 Der freche Gesell hat sich nämlich , wie man später erfuhr , bereits seit dem Morgengrauen in der Stadt aufgehalten , in der Kleidung eines Försters , hatte , mitten unter dem Volke stehend , sein Karlinchen abführen gesehen , hatte die Prügel , die er ihr verabfolgt , mit ihrem Temperament verrechnet und war sich sofort klar , daß sie geputscht hatte . Er blieb also lieber seinem Vorhaben diesmal fern . In einem Postskriptum war dem Schreiben noch hinzugefügt , man möge die Kanaille ja fest verwahren , denn sobald sie frei käme , drehe er ihr das Genick um . Eines Tages aber hatte auch die verhängnisvolle Stunde für diesen Rinaldo geschlagen : man erwischte ihn im Kontor einer Mühle , als er im Begriff war , den Kassenschrank zu öffnen . Diesem Arnheim neuester Konstruktion war er aber nicht gewachsen und die Hilfe seiner Karline fehlte ihm obenein , kurz , man überraschte ihn . Leider erschoß er bei dieser Gelegenheit den jungen Mühlenknappen . Durch endlose Zeugenverhandlungen schleppte sich der Prozeß monatelang hin . Karline , die mit ihm konfrontiert wurde , leugnete jede Beziehung zu ihm und blieb dabei , sie habe damals nur die Polizei necken wollen . Man konnte ihr nichts beweisen , sie wurde