, “ flüsterte sie kindlich in sein Ohr . „ Sieh , ich war trotzig , war krank im Herzen – ich hatte ihn so lieb , und wie er die andere nahm , da wollt ’ ich ihm zeigen , daß “ – sie stockte , sie fühlte sich plötzlich auf den Füßen stehen , an den Schultern gepackt und geschüttelt von der Hand eines Rasenden . „ Gespielt mit mir – mit mir ? – du ! du ! “ stieß er hervor . Dann ließ er sie jählings los , daß sie taumelnd zu Boden sank , und dort blieb sie auf den Knien liegen und starrte von Entsetzen gelähmt zu dem Manne hinüber . Er war auf die Bank zurückgesunken . Die Hände ineinander verschlungen , in vorgebeugter Haltung saß er da und sah zu Boden . Aenne wußte nicht , wie viele Minuten . Endlich stand er auf , nahm den Hut aus dem Schnee . „ Komm ! “ sagte er mühsam , „ hier kannst du nicht bleiben . “ „ Hermann ! “ schrie sie und rutschte auf den Knien zu ihm hinüber . „ So hatte ich es ja nicht gemeint ! Daran hatte ich nicht gedacht ! “ „ Steh auf , “ unterbrach er sie , „ ich bin dir ja dank schuldig , daß du den Mut noch gefunden hast mich aufzuklären , den Mut der Verzweiflung in der letzten Stunde ! “ Er half ihr , sich emporzurichten . „ Du machst ’ s mir leicht , das Scheiden ! Komm , die Eltern werden dich vermissen . “ „ Die Eltern ! “ stammelte sie . „ Die Mutter ! “ „ Hast Angst , vor sie zu treten mit deinem Geständnis ? “ fragte er bitter , ohne sie anzusehen . „ Nun – – dann werde ich dir das abnehmen . Fürchte nichts , ich verrate nichts von dem – dem andern , werde ihnen nur sagen , daß es uns beiden nach reiflicher Ueberlegung ratsam scheine , zu scheiden – daran müssen sie sich genügen lassen ! “ Sie waren nach raschem Wandern jetzt auf den Schloßplatz getreten und angesichts der erleuchteten Fenster ihres Elternhauses überkam es Aenne wie ein Fieberschauer , da ihr das Unerhörte ihres Benehmens diesem Manne gegenüber klar wurde . Sie blieb vor ihm stehen und hob die gefalteten Hände empor – er ging vorüber , als sähe er ihr Gebaren nicht . „ Willst du mir nie verzeihen ? “ rief sie und erfaßte den Aermel seines Jagdrockes mit zitternden , krampfhaften Fingern , „ du weißt ja nicht , was ich gelitten ! “ Sein Fuß stockte noch einen Augenblick , der Aermel entglitt ihrer Hand . Er schritt die Stufen hinauf , öffnete die Hausthür und trat zur Seite , um sie einzulassen „ Leb ’ wohl , Aenne , “ sagte er ernst , indes sie an ihm vorübereilte in stürmischer Hast , kaum wissend , wie sie durch den Flur kam und die Treppe empor . Als die Rätin aus der Stube ihres Mannes schaute , um zu sehen , wer eingetreten sei , erblickte sie im schwachen Schein des Flurlämpchens nur den Oberförster , der regungslos dastand , den Hut auf dem Kopfe , die Hände im Jagdmuff , und zu der Treppe hinüber starrte . „ Herrgott – du bist es , Günther ? Hast du Aenne nicht gesehen ? “ rief sie . „ Ums Himmels willen , es ist ihr doch kein Unglück geschehen ? “ Da wandte er sich schwerfällig um , nahm den Hut vom Kopfe mit einer müden Bewegung und sagte : „ Ich habe sie gesehen und gesprochen , sie ist eben nach oben gegangen . – Und jetzt möchte ich mit Ihnen reden , Frau Rat , und mit Ihrem Manne . “ Sie schwieg betroffen von seinem Aussehen , seiner Stimme , und bedeutete ihn durch eine Handbewegung , einzutreten . „ May “ , sagte sie gepreßt ins Zimmer hinein , „ Günther hat uns etwas mitzuteilen . “ [ 117 ] [ 118 ] Verzeihung – schriftlich ! Das wäre noch schöner , drei Wochen vor der Hochzeit jemand den Stuhl vor die Thür zu setzen ! Das kann sich kein Dienstmädchen erlauben – du – meine Tochter erst recht nicht ! In fünf Minuten bist du unten , liebes Kind , und schreibst – verstanden ? Aber ihr Einschüchterungsversuch mißlang kläglich , denn Aennes ganzer verzweifelter Trotz stemmte sich gegen diese Vergewaltigung . „ Nein “ , sagte sie kurz , „ du hast kein Recht , mich zu zwingen . “ „ Kein Recht ? “ stammelte die Mutter atemlos . „ Ich will dir etwas sagen , du liebloses , unkindliches Geschöpf , du : Wenn ich keine Rechte habe , habe ich auch keine Pflichten mehr gegen dich – verstanden ? “ Die Hand der maßlos erbitterten Frau hatte sich auf die Schulter ihres Kindes gelegt und krampfte sich fest wie Eisen . „ Ich sage dir , wenn du darauf bestehst , den Mann vor den Kopf zu stoßen , dich um diese anständige Versorgung zu bringen , so sieh auch zu , wie du ohne deine Mutter fertig wirst ! Zwischen uns beiden ist ’ s aus . Das merke dir ! “ „ Ja , ich verstehe – ich werde gehen . “ „ Zu Günther ? “ „ Niemals ! Das kann ich nicht “ . Aenne war aufgestanden , hatte ein Tuch vom nächsten Stuhl gerafft und sich der Thür genähert . „ Wohin ? “ „ Das ist ja gleichgültig – nur fort ! “ stieß das Mädchen hervor . Die Rätin stellte sich mit ausgebreiteten Armen vor die Thür , ihr ward angst vor dem entschlossenen Aussehen der Tochter . Aus ihren Drohungen verfiel sie in weinerliche Anklagen . „ Also das ist der Dank für alle meine Treue und Liebe