wieder Arbeit , aber doch nebenher eine Erfrischung , wie nichts anderes sie gewährte . 1820 war er in Jena und Weimar , um Goethe zu besuchen » an dessen persönlichem Umgang er sich erquickte « ; 1824 riß er sich abermals auf fünf Monate los , um in Gesellschaft des Professors Waagen Italien zum zweiten Male zu besuchen . Wir verweilen aber lieber bei einem in Begleitung seines Freundes Beuth im Frühjahr und Sommer 1826 nach Paris , England und Schottland hin unternommenen Ausfluge , weil wir in den speziell diese Reise schildernden , ziemlich reichhaltigen Briefen und Blättern am meisten Frische , Behagen und gute Laune und das reifste und zutreffendste Urteil über Dinge und Zustände zu finden glauben . Die Schilderungen sind von einer merkwürdigen Präzision . So schreibt er aus dem » Ossian-Lande « , von Staffa und Jona zurückkehrend , an seine Frau : » Die Fahrt ging durch den Sound of Mull zwischen der Insel Mull und der Halbinsel Morven hindurch , die mit hohen Küsten ihre Gipfel fast in ewigem Nebel verstecken . Doch gab es hier und da herrliche Sonnenblicke , wo dann die Gebirge , die aus Fels und Sumpf bestehen , in ihrer ganzen Nacktheit bis zur Spitze gespensterhaft hervortreten . Viele einzelne Felseninseln und Vorgebirge erstrecken sich ins Meer und tragen hier und da einmal einen alten Turm oder ein Kastell ; sonst gewahrt man an den schroffen und wilden Küsten entlang nur Hütten aus schwarzem Stein , schlecht zusammengepackt und mit Stroh gedeckt , über welches ein mit Steinen beschwertes Netz von Stricken aus Heidekraut gelegt ist , um gegen Sturm zu schützen . Auffallend dabei ist es , wie modisch die armen Einwohner dieser Hütten in mancher Beziehung sich kleiden . Namentlich der Kopfputz . In Lumpen gehüllt und barfuß , stülpen die Weiber dennoch ein feines Häubchen oder einen Hut mit Krausen und Band über das ungekämmte Haar . « Dann die Beschreibung Staffas . » Um zwölf Uhr etwa hatten wir Staffa erreicht . Man sieht beim Anfahren die ganze Architektur des Basalts und landet bei der Fingalshöhle . Nur die eine der beiden hübschen Töchter ( auch Schinkel findet die Töchter Englands und Schottlands immer hübsch , und mit Recht ) war mitgegangen , während die Mutter und Schwester wegen Seekrankheit in Tobermory hatten zurückbleiben müssen . Das Meer ist in der Höhle , die wie eine Kirche erscheint , sehr tief und hebt sich im Hintergrunde mit jeder einströmenden großen Welle über zwölf bis fünfzehn Fuß in die Höhe , wobei dann das donnernde Brausen nicht aufhört . Unsere deutschen Reisegenossen sangen im Hintergrunde eine Harmonie , die im Wogengeräusch wie Orgeltöne klang , zumal die ganze Höhle selbst einer großen Orgel gleicht und die fünfzig Fuß hohen Basaltsäulen ganz regelmäßig , wie Pfeifen nebeneinander stehen . Die Decke wölbt sich spitzig aus nicht ganz formierten wilden Massen zusammen . Das Meer erscheint hinten in der Höhle sehr grün , und dadurch entsteht in dem ganzen schwarzen Basaltgestein für das Auge die Empfindung vom schönsten Purpur . Nachdem wir uns an diesem großartigen Naturspiele hinreichend ergötzt hatten , gingen wir die gefahrvollen Wege auf den abgebrochenen Säulen zurück ; dann erstiegen wir , den Felsen hinauf , die mit dünner Erdschicht überdeckte , obere Fläche der Insel . Einige wilde Pferde und ein paar Kühe , die einzigen Bewohner des Eilands , rissen beim Anblick der aus der Tiefe heraufkletternden Gesellschaft mit wütender Schnelligkeit nach der entgegengesetzten Seite aus , wobei mir Walter Scotts Schilderungen im Piraten einfielen . Man hat angefangen , ein kleines steinernes Hüttchen als eine Art von Wirtshaus oben zu bauen . « ( Existiert nicht mehr . ) Solchen Schilderungen pflegte Schinkel , mitten in die flüchtige Schreiberei des Briefes hinein , eine ebenso flüchtig entworfene Skizze des Gesehenen beizufügen , und es ist ein großes Verdienst Alfreds von Wolzogen , bei Herausgabe der Schinkelschen Briefe dem Text diese Zeichnungen mit beigegeben zu haben . Wer das Glück hat , diese wilden , hochpoetischen Gegenden der schottischen Westküste zu kennen , wird frappiert sein , in diesen wenigen , rasch mit Tinte hingekritzelten Skizzen das alte Ossian-Land wieder vor sich aufsteigen zu sehen . Auch den Briefen aus England , wie gleich hier bemerkt werden mag , sind solche Federzeichnungen beigegeben , flüchtige Skizzen , die durch die überaus geniale Art der Behandlung an ähnliche Arbeiten des schon einmal zitierten William Turner erinnern , der , wie Schinkel , es verstand , mit zwölf Strichen und ebenso vielen Punkten ein ganzes Landschaftsbild zu geben . Die Schinkelsche Skizze von Manchester ( S. Aus Schinkels Nachlaß . Band II , S. 144 ) ist mir nach dieser Seite hin immer wie ein kleines Wunderding erschienen . Ebenso scharf aber wie er zu sehen verstand , so scharf und zutreffend wußte er auch zu urteilen , und die kurzen kritischen Bemerkungen , die sich durch diese England-Briefe hindurchziehen , sind von höchstem Interesse . » Mr. Connel , Mr. Kennedy und Mr. Morris « , so schreibt er , » haben Gebäude sieben bis acht Etagen hoch , und so lang und tief wie das Berliner Schloß . Man sieht Gebäude stehen , wo vor drei Jahren noch Wiesen waren , aber diese Gebäude sehen so schwarz aus , als wären sie hundert Jahre im Gebrauch . Die ungeheuren Baumassen , bloß von einem Werkmeister , ohne alle Architektur und nur für das nackteste Bedürfnis allein aus rotem Backstein aufgeführt , machen einen höchst unheimlichen Eindruck . « In Liverpool ißt er vortrefflich zu Mittag und schläft gut , kehrt indessen doch mit dem Eindruck heim , » daß Liverpool zwar eine ernorme , aber im ganzen doch eine unansehnliche Stadt sei . « Diese Ruhe und Sicherheit in der Betrachtung der Dinge ist es , was diesen Briefen einen solchen Reiz verleiht . Alles Große , Reiche , Schöne findet eine willige , nirgends mäkelnde Anerkennung , zugleich aber