die sich in ihrer beider Mienen malte , wuchs und sie sprachlos offenbar den Wagen , der meinen Blicken entzogen war , anstarrten . Angelinas Gatte ist es , fuhr es mir durch den Kopf . - Sie selbst konnte es nicht sein ! Mit ihrer Equipage hier bei mir vorzufahren - in der Hahnpaßgasse ! - vor aller Leute Augen ! Es wäre hellichter Wahnsinn gewesen . - Aber was sollte ich zu ihrem Gatten sagen , wenn er ' s wäre und mich auf den Kopf zu fragte ? Leugnen , natürlich leugnen . Hastig legte ich mir die Möglichkeiten zurecht : es kann nur ihr Gatte sein . Er hat einen anonymen Brief bekommen , - von Wassertrum - daß sie hier gewesen sei zu einem Rendezvous , und sie hat eine Ausrede gebraucht : wahrscheinlich , daß sie eine Gemme oder sonst etwas bei mir bestellt habe . - - - Da ! wütendes Klopfen an meiner Tür und - Angelina stand vor mir . Sie konnte kein Wort hervorbringen , aber der Ausdruck ihres Gesichtes verriet mir alles : sie brauchte sich nicht mehr zu verstecken . Das Lied war aus . Dennoch lehnte sich irgendetwas in mir auf gegen diese Annahme . Ich brachte es nicht fertig , zu glauben , daß das Gefühl , ihr helfen zu können , mich belogen haben sollte . Ich führte sie in meinen Lehnstuhl . Streichelte ihr stumm das Haar ; und sie verbarg , todmüde wie ein Kind , ihren Kopf an meiner Brust . Wir hörten das Knistern der brennenden Scheite im Ofen und sahen , wie der rote Schein über die Dielen huschte , aufflammte und erlosch - aufflammte und erlosch - aufflammte und erlosch - - - » Wo ist das Herz aus rotem Stein - - - « klang es in meinem Innern . Ich fuhr auf : Wo bin ich ! Wie lang sitzt sie schon hier ? Und ich forschte sie aus , - vorsichtig , leise , ganz leise , daß sie nicht aufwache und ich mit der Sonde die schmerzende Wunde nicht berühre . Bruchstückweise erfuhr ich , was ich zu wissen brauchte , und setzte es mir zusammen wie ein Mosaik : » Ihr Gatte weiß - - ? « » Nein , noch nicht ; er ist verreist . « Also um Dr. Saviolis Leben drehte sich ' s ; - Charousek hatte es richtig erraten . Und weil ' s um Saviolis Leben ging , und nicht mehr um ihres , war sie hier . Sie denkt nicht mehr daran , irgend etwas zu verbergen , begriff ich . Wassertrum war abermals bei Dr. Savioli gewesen . Hatte sich mit Drohungen und Gewalt den Weg erzwungen bis zu seinem Krankenlager . Und weiter ! Weiter ! Was wollte er von ihm ? Was er wollte ? Sie hatte es halb erraten , halb erfahren : er wollte , daß - - daß - er wollte , daß sich Dr. Savioli - - ein Leid antue . Sie kenne jetzt auch die Gründe von Wassertrums wildem besinnungslosem Haß : » Dr. Savioli habe einst seinen Sohn , den Augenarzt Wassory , in den Tod getrieben . « Sofort schlug ein Gedanke in mich ein wie der Blitz : hinunterlaufen , dem Trödler alles verraten : daß Charousek den Schlag geführt hatte - aus dem Hinterhalt - und nicht Savioli , der nur das Werkzeug war - - - . » Verrat ! Verrat ! « heulte es mir ins Hirn , » du willst also den armen schwindsüchtigen Charousek , der dir helfen wollte und ihr , der Rachsucht dieses Halunken preisgeben ? « - Und es zerriß mich in blutende Hälften . - Dann sprach ein Gedanke eiskalt und gelassen die Losung aus : » Narr ! Du hast es doch in der Hand ! Brauchst ja nur die Feile dort auf dem Tisch zu nehmen , hinunter zu laufen und sie dem Trödler durch die Gurgel zu jagen , daß die Spitze hinten zum Genick herausschaut . « Mein Herz jauchzte einen Dankesschrei zu Gott . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Ich forschte weiter : » Und Dr. Savioli ? « Kein Zweifel , daß er Hand an sich legen wird , wenn sie ihn nicht rettete . Die Krankenschwestern ließen ihn nicht aus den Augen , hatten ihn mit Morphium betäubt , aber vielleicht erwacht er plötzlich - vielleicht gerade jetzt - und - und - nein , nein , sie müsse fort , dürfe keine Sekunde Zeit mehr versäumen , - sie wolle ihrem Gatten schreiben , ihm alles eingestehen , - solle er ihr das Kind nehmen , aber Savioli sei gerettet , denn sie hätte Wassertrum damit die einzige Waffe aus der Hand geschlagen , die er besäße und mit der er drohe . Sie wolle das Geheimnis selbst enthüllen , ehe er es verraten könne . » Das werden Sie nicht tun , Angelina ! « schrie ich und dachte an die Feile und die Stimme versagte mir in jubelnder Freude über meine Macht . Angelina wolte sich losreißen : ich hielt sie fest . » Nur noch eins : überlegen Sie , wird Ihr Gatte denn dem Trödler so ohne weiteres glauben ? « » Aber Wassertrum hat doch Beweise , offenbar meine Briefe , vielleicht auch ein Bild von mir , - alles , was im Schreibtisch nebenan im Atelier versteckt war . « Briefe ? Bild ? Schreibtisch ? - ich wußte nicht mehr , was ich tat : ich riß Angelina an meine Brust und küßte sie . Auf den Mund , auf die Stirn , auf die Augen . Ihr blondes Haar lag wie ein goldner Schleier vor meinem Gesicht . Dann hielt ich sie an ihren schmalen Händen und erzählte