Woll ' n wir zu Berge steigen , Dort schwingt sich am Walpurgistag Der Franken Mainachtsreigen - « Indessen brachten die Mägde Körbe mit Erdbeeren und Schüsseln voll süßer Sahne . Jubelgeschrei empfing sie . » Fahrende Sänger zu bewirten , ist alter Brauch auf Hochseß , « damit wehrte die Gräfin allzu stürmischem Dank , » und gerade für euch , scheint mir , ließ die Sonne so rasch unsere ersten Früchte reifen . « » Noch heut bis nach Kirchehrenbach ? « staunte Konrad , während die ganze Schar , behaglich gelagert , schmauste . » Wenn ' s sein muß , bis Nürnberg auch ! « rief keck ein Bürschlein mit vollem Mund , und eine schwarzhaarige Kleine fiel ihm ins Wort : » Geleit uns ! « » Wenn ' s erlaubt ist ! « entgegnete Konrad . » Fahr ' die Mädchen hinüber , « wandte sich die Gräfin an ihn . Doch die Rote erhob sich rasch : » Schönen Dank , gnäd ' ge Frau , doch wir wandern ! « Und mit einem lachenden Blick auf Konrad : » Wer mit uns tanzen will , der wandert mit ! « Sie streckte ihm die Hand entgegen , er schlug ein ; der feste Druck eines Kameraden war ' s , den er spürte . Durchs Tor hinaus , mit Sang und Klang , zog die Schar ; die roten Locken , das blaue Kleid flatterten wieder voran . » Wohlauf , die Luft geht frisch und rein , Wer lange sitzt , muß rosten ; Den allersonnigsten Sonnenschein Läßt uns der Himmel kosten « - - - « Giovanni lehnte an der grauen Mauer ; bis weithin erkannte er noch an der hohen Gestalt und dem federnden Gang den Konrad . » Jugend ! « flüsterte er müde und schlich zum Turm zurück , zu den Eidechsen und der Schildkröte . » Drum reicht mir Stab und Ordenskleid Der fahrenden Scholaren , Ich will zur guten Sommerzeit Ins Land der Franken fahren ... « Droben am Fenster stand die Gräfin Savelli . Sie lauschte . Am vollen Ton erkannte sie unter allen Stimmen die ihres Enkels . » Jugend ! « lächelte sie , und traumverloren glänzten die dunklen Augen . Mit einem letzten aufleuchtenden Blick , der des Tages Glanz in eine Glut zusammenfaßte - so wie Liebende sich trennen , deren Abschied die ganze Wonne des Erinnerns , die ganze Vorfreude des Wiedersehens spiegelt , - war die Sonne untergegangen , als auf dem sagenumwobenen Walberla , der einsam und steil aus dem Tal emporstieg , das Leben erwachte . Allerlei Landvolk nahte sich der kleinen Kapelle der heiligen Walpurgis , mit deren Gründung die ersten Verkünder des Gekreuzigten den Kult des Sonnengottes an dieser uralten Weihestätte zu vernichten glaubten . Und von der anderen Seite , das Graubachtal bergauf , kamen die Hochsesser Gäste . Immer lauter mischte sich ihr Lied in das Gebetemurmeln der Frommen , bis sie es zuletzt jubelnd übertönten . Konrad war der erste , der auf der kahlen Kuppe erschien und sich aufatmend ins Gras warf . Nicht aus Müdigkeit , denn drunten an der kleinen Mühle , deren Räder die silbernen Wellchen der Wiesent wie lustig spielende Kinder bewegten , hatten sie lange gerastet . Aber da waren die Stimmen , die im Gesang harmonisch zusammenklangen , im Gespräch schrill genug aneinander geraten . Und nun verfiel Konrad in mißmutiges Grübeln über all das Bunte , Widersprechende , das er gehört und durch das die Feierstimmung jäh unterbrochen worden war . Einer hatte das Signal zum ersten Geplänkel gegeben : » So laßt doch endlich das Gegröl und Gezupfe , « hatte er übellaunig gerufen , » gerade , als ob wir nichts anderes könnten . « Danach war der Streit über Ziel und Inhalt der Jugendbewegung , als deren Glied sie sich betrachteten , losgebrochen . Für die Freiheit der Persönlichkeit , für gemeinsame Erziehung der Geschlechter , für freie Schule , für Bodenreform und Abstinenz waren die Fünfzehn- und Sechzehnjährigen gegeneinander eifernd eingetreten , und das Erstaunen über ihr Wissen und Nachdenken hatte Konrad zunächst den Vorgängen nur wie ein Zusehender folgen lassen . Dann aber wurde der Sturm zum Orkan : gegen die Lehrer , gegen die Eltern , gegen Juden und Sozialdemokraten , gegen Schule und Religion tobten sie und überschrien einander , jeder , das rote Tuch , gegen das er wütete , für den Feind an sich erklärend , gegen den alle sich verbinden sollten . » Jetzt lachen und singen sie wieder , « dachte Konrad , verstimmt über sich selbst , » nur mein Lebensgefühl wirft jeder verquere Wind aus dem Sattel . « » Hallo , Sie Faulpelz ! « rief eine lustige Stimme neben ihm , » wer nicht Holz zum Scheiterhaufen trägt , muß zusehen , wenn wir tanzen ! « Er sprang auf die Füße und schichtete den Reisig um die Wette mit den anderen . Das lief und hüpfte im Dunkel herum , das verkroch sich im Buschwerk und tauchte daraus hervor , das kletterte auf die Bäume und flog hinunter , wie ein Völkchen aufgescheuchter Nachtalben . Stumm sah das Landvolk , das von der Kapelle aus neugierig zusammenlief , dem Treiben zu , bis es sich , angesteckt vom Eifer der anderen , munter hineinmischte . Hoch ragte bald der schwarze Holzstoß ; dann ein Schwelen , ein Knistern ; kleine Flammenzungen leckten gierig empor , als wollten sie erst die Speise versuchen , die ihnen winkte . Und plötzlich , entfesselt , stieg aus der Mitte , siegreich lodernd , die Flamme . Mit roter Glut malte sie die jungen Gesichter , in aller Augen spiegelte sie sich . Und jetzt schleppte ein jeder noch die letzten schwarzen Scheite heran . » Die Schulmeister ! « - » Die Philister ! « - » Die Protzen ! « - » Die Vaterlandslosen ! « - » Die