und stark , das Gesicht mußte früher fein und hübsch gewesen sein , jetzt war es in die Breite gegangen und die Züge verloren sich in ihm , aber die blauen Dachhausenschen Augen belebten es freundlich . Adine verbreitete um sich eine wohltuende Atmosphäre von Behäbigkeit und Herzlichkeit . In der Sofaecke saß Frau von Dachhausen , klein und gebrechlich wie eine Motte , das Gesicht unter den weißen Spitzen der Haube , noch immer weiß und rosa , war ganz zusammengeschrumpft , aber die Falten standen ihm gut , es waren lauter horizontale Falten der Freundlichkeit . » Ach Fritzchen , setz ' dich her « , sagte sie und die Augen wurden ihr feucht ; jedesmal , wenn sie ihren Sohn wiedersah , wurden ihr die Augen feucht , und Fritzchen saß nun da in dem altbekannten Lehnsessel , die Sonne schien durch die Goldlackbüsche im Fenster auf das blanke Parkett mit dem roten Läufer . Adine ging ab und zu und richtete den Kaffeetisch her , brachte die großen weichen Bretzeln , die auch von Barnewitz hier in die Stadt übergesiedelt waren . Dachhausen begann es schon wohler zu werden , er fing an sich anzuklagen , sprach von Liddys Krankheit , von seiner Einsamkeit , und die aufmerksame Teilnahme , mit der seine Mutter und seine Schwester ihm zuhörten , machte ihn ganz weich . Hier waren zwei , die unbedingt für ihn Partei nahmen , die von jeher jedes Mißgeschick , das ihn traf , als eine Ungerechtigkeit des Schicksals betrachteten , hier brauchte er nicht männlich zu sein , hier konnte er sich nach Herzenslust bedauern lassen . Der Kaffee kam , Adine und Frau von Dachhausen fingen nun an , die kleinen Stadtgeschichten zu erzählen , fingen an in ihrer milden und gemütlichen Art zu klatschen , der Abendsonnenschein lag schon ganz rot auf den Wänden , als Dachhausen noch immer dort saß , er wußte , es war Zeit heimzukehren , aber er konnte sich nicht dazu entschließen , zu Hause erwartete ihn die Einsamkeit und all das Feindliche , von dem er sich jetzt umstellt fühlte . Zwölftes Kapitel Der Mond stand schon hoch am Himmel , als Egloff und Fastrade noch zusammen die Waldwege entlang gingen . Der Wind trieb kleine Wolken am Monde vorüber und über den Mond hin , auch dem Walde ließ der Wind keine Ruhe , er fuhr in die Bäume , bog sie hin und her , und die Krähen , die in den Wipfeln schlafen wollten , schlugen immer wieder laut mit den Flügeln . Dazu waren die Windstöße ganz voll von betäubendem Duft der jungen Birkenblätter . » Der Wald ist heute betrunken « , sagte Egloff . - » Ach ja , « meinte Fastrade , » alles schwankt , als ob wir auf einem Schiffe spazieren gehen und denken , daß das Padurensche Fräulein mit dem wilden Egloff noch um diese Zeit in einem betrunkenen Walde spazieren geht , was werden die Schlösser sagen ! « » Was die Schlösser sagen , ist unwichtig , « erwiderte Egloff , » das einzig Wichtige bist du . « » Warum bin ich so wichtig ? « fragte Fastrade . Egloff schwieg einen Augenblick , um einen lauten Windstoß ausreden zu lassen , dann begann er sinnend : » Ich ging einmal um die Mittagszeit in Venedig durch die kleinen Straßen ; du weißt , gerade um diese Zeit gleichen diese Straßen mehr denn je Korridoren eines Armeleutehauses ; die Leute sitzen da herum und essen ; es riecht nach Zwiebeln und Fischen , Wirte stehen in den Haustüren und rufen : La minestra è pronta ! Kleine Jungen hocken in dämmerigen Torwegen und halten goldgelbe Polentaschnitte - nun ja , und da kam ich an einen Platz , ich weiß nicht , wie er heißt , von der einen Seite steht ein einzelner gotischer Turm , ganz mit Schnörkelwerk bedeckt , als hätte er Großmutters Spitzenmantille umgenommen . Ein kleines Wirtshaus ist dort auch , vor das ich mich hinsetzte . Über den ganzen Platz aber waren Leinen gezogen , auf denen Wäsche hing , Bettücher und Hemden , grell weiß in der Mittagssonne , und im Winde flatternd . Venezianische Mädchen kamen ganz schlank in ihren schwarzen Tüchern , schöne , bleiche , verhungerte Gesichter mit großen Augen , und sie hoben die Arme auf und bogen die Köpfe mit dem schweren , dunklen Haar zurück , standen da in all dem Weiß und hingen noch mehr Wäsche auf die Leine . Das gefiel mir . An meinem Tisch saß ein kleiner , alter Mann mit einem spitzen , grauen Bart , offenbar ein Deutscher , vielleicht ein Professor , denn er hatte langes , graues Haar , das haben die Germanisten auch oft . Er sah mich böse an und sagte in einem gereizten Tone , als hätten wir uns die ganze Zeit gestritten : Da laufen sie in Venedig herum und gaffen und bewundern lauter Kitsch . Ich komme hierher , denn dieses hier ist wichtig . In dem Augenblicke leuchtete mir das ein . « » Warum war das so wichtig ? « fragte Fastrade . Egloff lachte : » Ja , das weiß ich nicht , ebenso wenig wie ich es weiß , warum du mir so wichtig bist . Aber sieh , eigentlich ist das ein Zeichen von der Unberührtheit meiner Seele . Dir war schon mit vierzehn Jahren jeder Held eines englischen Romans wichtig , ihr alle zehrt ja von Jugend auf von eurer Seele , ich habe meine Seele gar nicht in Gebrauch genommen , ich habe bisher ohne Seele gelebt und für dich ziehe ich nun diese ungebrauchte , funkelnagelneue Seele heraus , ich schneide sozusagen für dich erst meine Seele an . Das will doch etwas heißen , wenn es auch nicht bequem ist . « » Ach ja , Lieber , tue das « , sagte Fastrade . Jetzt gingen sie