Jungherr hat do an guatn Blick ! A Nagl hat aus ' n Schuach außagschaut , Den hat halt der Schuasterlenz net grecht einighaut ! « Nach diesem faßte er die beiden Hochzeiterinnen wieder und wollte mit ihnen weitertanzen . Doch in diesem Augenblick hörte man von der Gassen herauf einen wüsten Lärm , und der Wirt lief , weiß wie die Wand , herein und schrie : » Manna ! Leut ! Brenna tuats ! « Ein wildes Schreien der Weiber , dumpfes Murmeln der Männer - , die Lust hatte ein End , und alles rannte hinab und dahin , um zu schauen , wo es sei . Blutrot war der Himmel ; - einer schrie : » Die Kirch ! « - da erscholl es ringsum : » Die Kirch brennt , - die Kirch ! « In diesem Augenblick stürmte meine Ziehmutter , die Meßmerin , hinter uns drein , rannte gegen die Feuerstatt zu und - o mein Gott - und reckt plötzlich beide Arm gen Himmel und schreit gellend auf : » Jesus ! Der Weidhof ! « - Und fällt wie ein Baum zur Erden . Und da wir sie aufheben wollen , sehen wir , daß es zu End ist : Sie ist tot . Etliche Frauen nehmen sie auf und tragen sie vom Wege ab , die andern stürmen dahin , den Schrei : Der Weidhof ! weitergebend und den Mannen zur Brandstatt folgend . Mir aber liegts wie Blei auf der Brust ; denn ich wußte es : Das war kein anderer denn der Ambros . Mein Ziehvater und der Lackenschuster waren die vordersten , die in den brennenden Hof eindrangen . Der Pauli und etliche andere folgten ; doch mußt ein jeder eilends wieder umkehren - es brannte überall : unten , oben , im Stall und in der Scheune , in der Stube und in den Kammern . Da schlug der Meßmer mit furchtbarer Kraft die Stalltür ein , das Vieh zu retten . Drei - vier - sechs - zehn Kühe sprangen geängstigt ins Freie ; - Rösser folgten - Hühner flogen schreiend heraus - etliche Ochsen schoben sich brüllend durch den Qualm und Rauch - wie gelähmt standen die Menschen dabei , ohne einen Finger zu rühren . Endlich faßte einer oder der andere ein Tier bei der Kette und zog es weg vom Feuer ; - ein Kommando erscholl , und man besann sich , daß man ja löschen sollt . Aber da tat es einen entsetzlichen Krach , die Feuergarben lohten wild gen Himmel , und ein einziger Schrei ging durch die Menge : » Der Meßmer ! « Das Dach überm Heuboden war eingestürzt und mit ihm die Stalldecke . » Hilf Himmel ! « schrie ich ; » er kann ja nimmer heraus ! « Bebend sprang ich hinzu , der Hausl folgte mir ; - wir drangen in den rauchenden , prasselnden Trümmerhaufen und suchten und schrien nach dem Meßmer . Ach Gott ! Es war leider ein nutzloses Hin und Her , ein vergeblichs Rufen und Schreien ! Nichts mehr zu sehen als Feuer , nichts mehr zu greifen als Glut und Trümmer ! Hätt uns bald auch noch verderbt ; denn da wir weiter eindringen wollten , stürzte abermalen ein Flez Weißdecke herab , brennendes Heu und Stroh kam fuderweis nach - und wir mußten in großem Schreck zurückweichen . Wohl begannen nun die Manner den Eimer zu schwingen , die Weiber geweihte Teller und Kräuterbuschen in die Flammen zu werfen und die Brunst im Namen des dreieinigen Gottes zu beschwören - doch wilder und höher schlug die Lohe , bis endlich der stolze Weidhof in ein kleins Häuflein Schutt und Glut , Asche und Kohle zusammenfiel und meinen herzguten Ziehvater in sich begrub . Alle Herrlichkeit des Menschen ist wie Staub In einem Augenblick Kommt gählings aus ein Schrick , Der eim die Seel gar tief durchdringet . Die Zächer übers Gsicht abgehn , Das Herz wöllt eim schier stille stehn , Kein Glächter eim nit mehr gelinget . Wann ich schon auch daheimt Das Elend hab beweint , Muß annoch in meim Leid verbleiben . Wer wollt doch alls genugsam sagen ! Die Not kunnt zur Genüg mit Klagen Mein Feder nit beschreiben ! Ach , wohl dem Mann , der ein harts Herz hat , daß ihn nicht betrübt ein solches Leid und Unglück ! Denn da der frühe Tag mit grauem Nebel anbrach , hatt ich nicht Vater noch Mutter mehr , nicht Heimat noch Liegerstatt . Saß stumpfsinnig und frierend mit meinem Ziehbruder , dem Fritz , auf den Stufen vor der Gottsackertür , und wir hielten uns bei den Händen und hatten kein Wort mehr und keine Zähre . Drüben stieg ein feiner , bläulicher Rauch aus den Trümmern auf ; drei rußige , geborstene Mauern ragten aus dem Schutthaufen , und daneben standen die verkohlten Stümpf der beiden mächtigen Birnbäume , die der alte Bichlervater , Gott hab ihn selig , bei seiner Hochzeit gepflanzt hatte . Leut kamen und gingen , beschauten und bejammerten das Unglück ; und die Knecht und Mägd , die Kostbuben und Freund des Weidhofs standen herum und stierten trübselig ins Leere . Der Pfarrer war schon in der Nacht zum Brandplatz gekommen , hatte mit lauter Stimme allen die Generalabsolution erteilt und für meine lieben toten Zieheltern auf den Knien das De profundis gebetet . Hatte auch Befehl gegeben , daß man die Kirch gut in Acht nahm und die Funken , so auf ihr Dach flogen , sogleich verlöschte , und , nachdem die Brunst vorüber , meine Kostmutter in den Pfarrhof tragen und dorten aufbahren lassen . Nun es ganz hell wurd , kamen auch die jungen Ehleut wieder auf den Platz . Waren halt doch heimgegangen in der Nacht , da sie sahen , daß nichts mehr zu retten war . Hatten ja ohnedies keine glückhafte Brautnacht mehr gehabt und gewißlich auch keine