das kleine Schifferpatent in der Tasche , und gucken die Jungen gar nicht mehr an , bekümmern sich auch nicht mehr um die Osterfeuer , sondern sprechen von Schiffen und Mädchen . Der breitrandige , schwarze Hut , der Huler , sitzt verwegen auf dem Kopfe , etwas mit Backbordschlagseite , wie der Fischerknecht ihn gern aufsetzt . Jeder schmökt seine Zigarre ( un noher fangt se doch all an to prüntjern ) . Nach ihnen aber kommen die Seefischer , zu zweien oder dreien , in Gruppen zu fünfen oder sieben , in Schöwen zu zehn und zwanzig : die brauchen den ganzen Deich und gehen geruhig und langsam , bleiben stehen , kehren ein , sprechen mit andern , die ihnen entgegenkommen , und betrachten den Deich , die Häuser und die Schiffe , wie ein Bauer sein Vieh . Namentlich die Alten nehmen sie vor , die vor den Türen stehen oder aus den Fenster schauen , Hein-Bruer und Jan-Ohm , Thees-Unkel und Vadder Warnk , und fragen sie nach ihrer Gesundheit und ob das Essen noch schmecken wolle . Sie sehen nach , was auf den Werften gebaut wird , und wieviel neue Häuser das Jahr hinzugekommen sind . Dazwischen gilt das Gespräch der Fahrt und der Fischerei und dem Wetter . Neem hei fischt , und wat hei fungen : so geht es immerzu . Klaus Mewes und sein Junge müßten keine rechten Finkenwärder sein , wenn sie nicht auch unterwegs wären ! Auch sie machten die Runde um das Eiland , wobei sie sich ordentlich Zeit lassen mußten , denn weil das Mewesgeschlecht das größte auf Finkenwärder war , hatten sie an allen Huken Verwandte wohnen , denen sie Guten Tag sagen mußten , und wurden alle Augenblicke zu einer Tasse Kaffee hineingenötigt . Auch mit den Fischern , die er überholte , oder denen er begegnete , hatte Klaus Mewes manches zu beklönen . Störtebeker zog ihn schon ab und zu an der Jacke , damit sie nur weiterkamen , denn er wollte gern ganz um Finkenwärder herum . Beim Segelmacher wurde ein neues Großsegel bestellt , das bis Karkmeß geliefert werden sollte . Und als Klaus den Zimmerbaas auf der Helling stehen sah , bog er mit seinem Jungen vom Deich ab und betrat die Plaats . Zunächst bezahlte er die beiden Kurrbäume , die er noch an der Rechnung stehen hatte , dann besah er den neuen Kutter , den Simon Wriede bauen ließ . Ein hohes , stolzes Fahrzeug war es , das wie ein Königsschiff in den Heben ragte . » Wat köst de nu , Jochen ? « fragte er , als er alles befühlt und besehen hatte . » He löppt sowat up twölfdusend , Klaus « , erwiderte der Baas . » Dat Schipp is god « , lobte der Seefischer und erfreute sich wieder an dem scharfen Steven und dem schlanken Rumpf , » de schall woll seilen , Gotts den Dünner ! Dor mol mit no buten to flimsen ! Jochen , noch een poor Johr , denn sett ik mien Eber af , un denn schallst du mi een neen Kutter bon , noch greuter un noch scheuner as düsse hier ! Un denn will ik jo mol wiesen , wat Seilen un Fischen to bedüden hett , so gewiß as ik Klaus Mees heet ! « » Denn gifst du mi den Ewer , ne , Vadder ? « rief Störtebeker eifrig , der Baas aber strich den grauen Bart und sagte bedächtig : » Dor snackt wi noch mol ober , Klaus , wenn wi denn noch leewt un noch gesund sünd ! « » Hest upstünds noch mihr to bon , Jochen ? « » Noch een Kutter , Klaus . För Jan Harm . « » Geiht vörwarts mit de Fischeree , Jochen ! Wo lang schallt duern un wi hebbt H.F. 500 up See ! « Der Baas aber sagte nur : » Wi wöt dat best höpen « , denn er glaubte nicht daran . Vater und Sohn verließen die Werft und gingen weiter . * * * Abends saßen sie alle in der Dönß und warteten auf die Ostereier . Hein Mück sagte , er wolle ganz gewiß zehn essen , und Kap Horn erzählte , er habe schon den ganzen Tag nichts mehr gegessen und rechne auf drei-oder vierundzwanzig , so hungrig sei er . Da trat Gesa mit der großen Schüssel an , die gehäuft voll von den schönen , weißen Eiern war , und das Ostereieressen begann , das lustige Wettessen , bei dem der gewonnen hatte , der die meisten Eier aß . Mit glänzenden Augen löffelte Störtebeker ein Ei nach dem andern aus . » Wedder een , Vadder ! De smeckt as Sucker ! « » Söben « , rief sein Vater . » Kann ne angohn « , sagte Störtebeker aufgebracht , » du kannst heuchstens dree Eier up hebben . « Er zählte die Schalen : » Een , twee , dree , Vadder ! « Kap Horn beschäftigte von da an die Augen des Jungen bald auf dem Deich und bald bei den Bildern an der Wand und schob ihm , ohne daß er ' s merkte , die leeren Schalen hin , wie der brütenden Henne Enteneier untergeschmuggelt werden . Die drei Fahrensleute rissen ein ordentliches Loch in den Eierhügel , aber schließlich mußten sie doch back brassen und sich für beet erklären . Da bekleidete Störtebeker sich mit der Würde eines Preisrichters und zählte die Eierschalen , die jeder vor sich liegen hatte . Bei seinem Vater waren es fünf . » U , wat wenig , Vadder ! Du säst söben ! Dat harr ik ne van di dacht ! « » Ik much ne tolangen , Störtebeker « , entschuldigte sein Vater sich , » ik dach , anners wörds du ne satt ! « Bei der Mutter kam Störtebeker zu dem niederschmetternden