richtiger wäre es , wenn Sie weiter gingen und sagen würden : ich - oder die Gattung . « » Oho ! « » Jawohl , ich schmälere mich durch jede Abgabe an sie , - habe nichts zu geben , « - seine Stimme sank herab , - » bin ein armer Teufel . « » Solch armer Teufel gibt es freilich genug , « erwiderte Hoffmann , - » und doch ist Ihr Axiom falsch ; paßt nur für das dürftig Geborene ... « » Das ist durchaus nicht so sicher « , wandte Stanislaus ein und blickte bedächtig über den schwarzumränderten Zwicker hinüber ; » Hirn und Keimplasma bauen sich bekanntlich aus denselben Stoffen auf . Ein Mehr auf der einen Seite bedingt darum nicht selten ein Manko auf der andern ; und so wären es nicht nur die Dürftigsten , die in diesem Sinn wenig Tribut zu zollen haben . « Olga glaubte etwas Entscheidendes sagen zu müssen ; aber kaum wollte sie es aussprechen , so verschloß ihr ein scheues Zögern den Mund ; und so sagte sie nur : » Zumindest für die Frau liegt die Frage so , - daß auch die , die nicht überreichlich - Tribut zollen will , - doch zur Erfüllung ihres weiblichen Dienstes gelangen muß ; denn dieser Dienst ist Notwendigkeit , - und nicht nur für die Gattung , - auch für sie selbst . « Hoffmann hob seinen Blick zu Olga und ließ ihn ohne Scheu auf ihr ruhen . Seine anfängliche Beengtheit schien verschwunden . - Statt einer Antwort sagte er : » Wie alt sind Sie , Fräulein Diamant ? « So unvermittelt kam die Frage , daß sie in ihr Blut stürzte , es aufjagte und es hoch in ihr Antlitz trieb . » Sechsundzwanzig « ; der Ton wurde , ohne daß sie es wollte und wußte , - bang . Hoffmann sagte , wie zu sich selbst : » So , so ; ein Mädchen von Sechsundzwanzig ; ich dachte mir solch ein Mädchen anders . « Olga raffte sich zusammen . Trotzig fragte sie : » Und wie dachten Sie sich solch ein altes Mädchen ? « Ernsthaft schüttelte Hoffmann den Kopf . » Nicht alt , o nein , das ist eine falsche Überlieferung ; aber fertig , - im guten oder im schlimmen Sinn . Aber Sie - Sie wollen ja erst beginnen ? « Sie warf den Kopf , mit den schweren , roten Haarmassen , tief atmend zurück und fühlte plötzlich eine Welle über sich hinfluten , die einen Augenblick alles Schwere von ihrer Seele nahm . » So ist es , « flüsterte sie , » beginnen . « Stanislaus kam von zuhause . Es war gegen Abend , und die Gaslaternen wurden eben angezündet . Langsam ging er , im abendlichen Zwielicht , die Kantstraße hinauf , diese breite und lange Zeile , die geradewegs aus dem menschendichten , wegeverknüpfenden Berlin hinauszurennen schien , in die weite Mark . Er ging etwas vornüber gebeugt , in schlechter Haltung - und mit schlecher , sorgenvoller Miene . Er hatte noch keine neue Arbeit begonnen und ging viel spazieren . Und seit einer Reihe von Abenden immer nach demselben Ziel . - Vor einer eleganten Papierhandlung , - nicht mehr weit von der Einmündung der Straße an jenem Punkt des Westens , der » Am Zoo « heißt , - stand er still . Jeden Abend stand er lange vor diesem von gelbem Bremerlicht grell beleuchteten Schaufenster , in dem alle Utensilien seines Handwerks zwischen Luxusdingen , in prunkvoller Anordnung , ausgestellt waren ; hier waren hochaufgeschichtete Briefkartons , glänzende , kristallene Tintenfässer , lederne Schreibmappen mit blanken oder matten Metallbeschlägen , kunstvoll arrangiert . Auch heute stand er vor diesem Schaufenster , warf aber , so oft er konnte , einen Blick durch die hohe Spiegelscheibe der Ladentür , ins Innere des Geschäftes . Er sah die große , überschlanke , blonde Verkäuferin , im schwarzen , knappen Kleid , mit weißen Manschetten an den Händen , hinter dem Ladentisch stehen , sah , wie sie lächelnd einem Herrn ein Päckchen reichte , das Geld entgegennahm , auf die Taste der automatischen Kontrollkasse drückte , und dem Käufer den kleinen Karton der Quittung übergab . - Mit Augen , die ihm brannten , sah er , über den Kneifer hinweg , auf dieses Ladenfräulein , mit den flüchtigen Zügen in dem zu kleinen Gesicht , dem nur die weit gebauschte Haarfrisur normalen Umfang gab . Der Käufer trat aus der Tür , der Laden war von Kunden leer . Stanislaus trat ein . Fräulein Miezes Gesicht verzog sich , und sie erwiderte unfreundlich seinen ergebenen Gruß . Stanislaus lehnte ihr gegenüber am Ladentisch . » Darf ich Sie heute abend erwarten ? « » Mutter hat jesacht , das Spazierenjehn auf der Döberitzer Heerstraße muß ' n Ende haben . « » Ich habe Sie ja oft gebeten , mir die Ehre zu schenken und mit mir in ein Restaurant zu kommen . « Fräulein Mieze lachte höhnisch . » Das wäre noch schöner . Ein armes Mädel hat nischt wie sein ' Ruf , - und der wird nich besser vons Restaurangjehn . « Er blickte sie wehmütig an . » Warum sind Sie so scharf , Fräulein Mieze ? Sie wissen doch , daß ich nichts will , was Ihnen schaden könnte , ... wir wollten uns doch ein wenig kennen lernen , - nicht ? « » Ich will Ihnen mal was sajen , Herr Doktoor . « » Nur Diamant « , warf er ein . » Wie Sie mir damals die scheenen Rosen schickten und dann selber ankamen und mich dann abends zum Spazierenjehn holten , - da dacht ich mir auch nischt Böses . Ich dachte mir , - der Mann hat ernste Absichten . « - - - - - - Sie sah ihn herausfordernd an , und