oder Leid bringt ; dies Weib such ' ich zu gewinnen , sobald sie mein Interesse für sich erregt . Aber den Galeerensklaven von Freiheit und Genuß zu reden , ist grausam ; ein Weib , das in den gewöhnlichen Banden der Gesellschaft Notwendigkeit sieht , Befriedigung , Genüge findet , in Opposition gegen sie also zugrunde gehen müßte , ein solches Weib an sich reißen und doch ihre Ansichten vom bürgerlichen Leben nicht annehmen wollen - das ist Laster . Und in solchem Falle ist Hippolyt . Die Welt um ihn lebt im rechtlichen Friedenszustande , er aber zieht umher wie ein außerrechtlich erobernder Krieger , das ist eine unverschämte Bevorzugung des Individuums gleich dem Absolutismus , die ich verabscheue , und doch kann ich mich nicht zu dem philisterhaften Handwerk entschließen , Alberta , seine sichere Beute , vor dem Unglück , das ihrer harrt , zu warnen . Weiß ich denn auch , ob das Mädchen nicht glücklich ist , wenn sie nur eine heiße Stunde unter den Strahlen ihrer Liebessonne ruht ? Wie ist sie glücklich , wenn sie ihn nur sieht , träumerisch geht sie mit uns umher , lächelt schmerzlich , spricht wenig und ist innig , weich wie ein Blumenblatt . Mit allen Waffengattungen ist die Liebe in ihr sanftes Herz gezogen und hat alles zum Kriegsstande ausgerüstet ; wenn der Feind der Liebeshindernisse in unseren Gesprächen zum Vorschein kommt , da hebt sie das schöne Köpfchen plötzlich mutig , und ihr Türkenbund , den sie um den Kopf trägt , wirft sich in den Nacken , und sie fordert kühn alle Welt heraus . Alle Scheu ist von ihr gewichen in solchen Momenten . In einem ähnlichen Gespräche redete ich ihr in diesen Tagen - wir promenierten in einem entfernten Teile des Gartens - aus vollem Herzen und mit inniger Überzeugung von der Freiheit jeder Art. Sie horchte mir mit gesenktem Haupte zu , plötzlich blieb sie stehen , sah mich mit den rührenden Blicken eines Engels , dem das Gefühl die Brust sprengen will , lange und innig an , faßte auf einmal mein Gesicht in ihre beiden Hände , legte das Köpfchen auf meine Brust und sprach : » Sie sind ein guter Mann « - dann flog sie schüchtern wie ein Reh von dannen . Wenn Hippolyt mit ihr sprach , so schauerte sie in Liebeslust ; ich hab ' immer gefürchtet , sie werde ihm einmal öffentlich um den Hals fallen . Graf Fips läßt immer neue Krawatten und Fracks aus der Stadt kommen , ich glaube aber , er fängt allmählich an zu verzweifeln , wenigstens spricht er schon sehr lange von der Abreise . Er ist in einer sehr üblen Stellung , und ich bewundere aufrichtig die Schafsgeduld dieses Menschen , dies Treiben mehrere Wochen mit anzusehen . Uns bürgerliches Pack verachtet er natürlich im Grunde seines Herzens , und in Verzweiflung richtet er hie und da das Gespräch an den legitimen William , das ist der einzige Knopf seines Rocks , auf den er sich verlassen kann . Der Graf sucht das Gespräch immer allgemein zu machen , und das liebt Graf Fips nicht ; die Unterhaltungen , welche er mit den Damen anknüpft , schnappen auch stets in großer Geschwindigkeit ab ; bei Hippolyt muß er befürchten , gar keine Antwort zu bekommen . Leopold , den er manchmal gern zum besten haben möchte , verwickelt ihn in poetische Gespräche , aus denen er keinen Ausweg findet ; mich hat er nie recht leiden mögen , nach einem neulichen Gespräch über Adel , seine Manieren usw. , was ich Dir später mitteilen werde , hat er über mich unzweifelhaft entschieden ; er läuft wie ein verlorener Gedanke aus vergangener Zeit unter lauter fremden Büchern herum , rückt seine Brille , zupft den braunen Frack in die Taille , ist ein Lasse - das sind seine Vergnügen . Seit wir ein demokratisches Treiben bei Tisch vorgeschlagen haben , ist er ganz sprachlos . Man aß früher an langer Tafel , und in den Sitzen herrschte eine Art Rangordnung . Wir stellten dem Grafen vor , daß alles Schöne und Große rund sei , alle Ecken würden heutigentages abgeschliffen - den Tag darauf speisten wir an einem runden Tische und setzten uns , wie ' s eben kommt . Der Graf hat sich nur ausbedungen , daß ich immer neben ihm sitze , und da wir immer zusammen schwatzen , so sitzt Kamilla fast immer zu meiner andern Seite , sie müßte denn böse auf mich sein . Sie ist ein sehr liebenswürdiges Wesen , hat viel Verstand , faßt sehr schnell und ist munter über und über . Du weißt , wie ich das liebe . Sie stellt sich zwar , als schnelle sie die Gefühle mit dem Finger fort , ich glaube aber aus einzelnen Gewitterschlägen ihres Wesens schließen zu können , daß sie der tiefsten Leidenschaft fähig ist , da sie zu den verschlossenen Gemütern gehört - verstehe mich recht : zu denen , welche alle Türen des Wesens offen halten , die innerste Herzenstür aber nur allein unter Tränen der schönsten Freude oder des tiefsten Leides öffnen , sonst aber so verstellen , daß man gar keine Tür ahnen , und alles an ihnen zu wissen glauben möchte . Da sie ein solch verstocktes Gemüt ist , so wird sie einst unendlich reicher als tausend andere beglücken können , aber auch unendlich glücklicher oder unglücklicher sein . Alle innersten Herzenskräfte harren nämlich noch ungeschwächt ihrer Befreiung . Sie ist hoch und sehr schön gewachsen und hat ein äußerst liebreiches Gesicht , lächelnde schalkhafte Augen , eine zierliche Stumpfnase , einen kleinen üppigen Mund , der viel schwatzt und lacht und blendend weiße Zähne zeigt . Ihr volles lichtbraunes Haar flattert in zurückgestrichenen Locken in einen vollen , feisten , schneeweißen Nacken , der wie zum Köpfen gemacht ist . Ich nenne sie darum oft Ludwigs Frau , und erkläre ihren öfteren Eigensinn