, und dann trugen sie ihn selbdritt hinauf . » Zum Arzt , zum Arzt ! « kreischte Frau Daumer der entgegenrennenden Anna zu , die das Licht ausblies , zu Boden warf und davonsprang . Als Caspar endlich oben auf dem Bett lag , wuschen sie das gestockte Blut von seinem Gesicht , und es kam eine nicht unbedeutende Wunde inmitten der Stirn zum Vorschein . Daumer lief mit gerungenen Händen im Zimmer auf und ab und stöhnte fortwährend : » Das muß mir passieren ! Das muß in meinem Haus passieren ! Ich habs ja gleich gesagt , ich habs immer gewußt ! « Der Platz vor dem Haus war schon voller Menschen , als Anna mit dem Arzt zurückkam . Im Flur standen einige Magistrats- und Polizeileute . Ein wenig später erschien auch der Gerichtsarzt ; beide Doktoren versicherten , daß die Wunde ungefährlich sei , ob aber das Gemüt des Jünglings nicht eine bedenkliche Erschütterung erlitten habe , ließen sie dahingestellt . Ein amtliches Protokoll konnte nicht aufgenommen werden , Caspar war immer nur kurze Zeit bei Besinnung ; er stammelte dann ein paar Worte , die allerdings das , was mit ihm geschehen war , wie unter Blitzesleuchten erkennbar machten , sprach von dem Vermummten , von seinen glänzenden Stiefeln und gelben Handschuhen , fiel aber danach in heftige Wahn- und Fieberdelirien . Bei der Besichtigung der Lokalität wurde der Weg entdeckt , auf dem der Unbekannte ins Haus gedrungen war : unter der Stiege befand sich nämlich gegen den Baumannschen Garten ein kleines Türchen , dessen Vorlegeschloß zersprengt war . Die Vernehmung Daumers war fruchtlos , er stand kaum Rede . Gegen Abend kam Herr von Tucher und teilte mit , daß man einen Eilboten an den Präsidenten Feuerbach abgefertigt habe . Das Bürgermeisteramt hatte sogleich umfassende Nachforschungen veranstaltet . An allen Haupt- und Nebentoren der Stadt wurde die Wache zu erhöhter Aufmerksamkeit verpflichtet ; die Wirtshäuser und Herbergen , wo Leute gemeinen Schlags sich aufzuhalten pflegten , wurden sorgfältig durchsucht , auch wurden die Gendarmerie und die benachbarten Landgemeinden zu tätiger Vigilanz aufgefordert . An die Amtstafel des Rathauses wurde eine öffentliche Bekanntmachung angeschlagen , und zwei Aktuare und die halbe Polizeimannschaft wurden mit der Verfolgung des Frevlers betraut . Die Untat geschah an einem Montag ; eine zu leitende Gerichtsverhandlung hinderte unglücklicherweise den Präsidenten , sofort nach Nürnberg zu kommen , erst am Donnerstag traf er mit Extrapost in der Stadt ein und begab sich unverzüglich aufs Rathaus . Er ließ sich vom Magistratsvorstand über die polizeilichen Maßregeln und deren Ergebnisse Bericht erstatten , zeigte sich aber mit allem so unzufrieden und geriet über eine Reihe von Mißgriffen in solchen Zorn , daß die ganze Beamtenschaft den Kopf verlor . Über die vom Aktuar ihm vorgelegten Protokolle und Zeugenaussagen machte er sarkastische Bemerkungen ; da war eine Hallwächtersfrau , welche am Schießgraben beim Hauptspital einen wohlgekleideten Herrn gesehen hatte , der sich in einer Feuerkufe die Hände wusch ; da war ein Öbstnerweib , die in Sankt Johannis einem Fremden begegnet war , welcher sich bei ihr erkundigt hatte , wer am Tiergärtner-Tor Examinator sei und ob man , ohne angehalten zu werden , in die Stadt gelangen könne ; da waren verdächtige Handwerksburschen und unterstandslose Strolche verhaftet worden ; da hatte man zwei Kerle beobachtet , den einen im hellen Schalk , den andern im dunkeln Frack , die auf der Fleischbrücke zusammengekommen waren und einander Zeichen gegeben hatten . » Zu spät , zu spät « , knirschte der Präsident . » Warum hat man nicht die Namensliste der zu- und abgereisten Fremden in den Gasthöfen kontrolliert ? « fuhr er den zitternden Aktuar an . » Die Spuren laufen nach vielen Richtungen « , bemerkte schüchtern der Unglückliche . » Gewiß , die Unfähigkeit hat viele Wege « , antwortete der Präsident beißend , und mit Bedeutung fügte er hinzu : » Hören Sie , Mann Gottes ! Der Übeltäter , auf den wir da fahnden , wäscht seine Hände nicht auf offener Straße , er läßt sich mit keinem Öbstnerweib in Gespräche ein und braucht keinen Examinator zu fürchten . Zu niedrig habt ihr gegriffen , viel zu niedrig . « Er nahm einen Schreiber mit , um den Lokalaugenschein im Daumerschen Haus nochmals selbst vorzunehmen . Der Magistratsrat Behold begleitete ihn und ward ihm durch mannigfaches Reden lästig ; unter anderm äußerte Behold , er habe gehört , Professor Daumer wolle Caspar nicht länger behalten , und machte sich erbötig , dem Jüngling in seinem Haus Obdach zu gewähren . Feuerbach hielt dies für leeres Geschwätz und entledigte sich des Mannes , indem er ihn mit einem Auftrag zu Herrn von Tucher schickte . Aber als er dann mit Daumer sprach , erregte dessen Zerfahrenheit sein Befremden . Um ihn nicht noch mehr zu verwirren , legte Feuerbach das Verhör mit ihm so an , daß es mehr einer freundschaftlichen Unterhaltung glich . Daumer erinnerte sich der geheimnisvollen Begegnung , die Caspar vor der Egydienkirche gehabt hatte , und rückte damit heraus . » Und davon erfährt man jetzt erst ? « brauste der Präsident auf . » Und hatte die Sache keine unmittelbaren Folgen ? Haben Sie nachher nichts Verdächtiges beobachtet ? « » Nein « , stotterte Daumer , in Furcht gesetzt durch den stählern durchdringenden Blick des Präsidenten . » Das heißt , eines fällt mir noch ein . ich traf am selben Abend bei Frau Behold einen Herrn , der sich mir gegenüber in ganz seltsamen Andeutungen oder Warnungen gefiel , wie man es auffassen soll , weiß ich nicht . « » Was war der Mann ? Wie hieß er ? « » Man sagte , es sei ein zugereister Diplomat , des Namens entsinne ich mich nicht . Oder doch , jawohl : Herr von Schlotheim-Lavancourt ; er soll sich aber unter falschem Namen hier aufgehalten haben . « » Wie sah er aus ? « » Dick , groß ,