stützte sie mit Relativsätzen , wenn sie umsinken wollte , und flößte der Ermatteten durch Bindewörter neuen Mut ein . Jakobos Prantl bemächtigte sich dieser Form . Sie entsprach seiner Gewohnheit , tiefen Sinn zu verstecken und wiederum mit leichten Andeutungen zu entblößen . Und sie entsprach auch der Fülle seines Wissens , die sich in der geraden Linie nicht entwickeln konnte , sondern ihre Äste nach allen Seiten hin ausbreitete . Und so entstanden also jene merkwürdigen Aufsätze über das verderbliche Zusammenwirken von Staat und Kirche , welche dem Stadtprediger Alban Roth schlaflose Nächte bereiteten . Er fand hier in krausem Durcheinander alle Behauptungen , welche von katholischen Schriftstellern in bändereichen Werken widerlegt worden waren . Sie tauchten im Nußbacher Wochenblatte so frisch und munter auf , als hätten sie eben das Licht der Welt erblickt und wären nicht schon vor Jahrzehnten begraben worden . Eine qualvolle Arbeit begann für Herrn Roth ; auf die ersten Irrtümer wies er mit spöttischem Mitleide hin , die nächsten übergoß er mit der Lauge des Hohnes , aber bald wuchs ihm die Aufgabe über den Kopf . Wie Pilze schossen die Lügen , Verdrehungen , Entstellungen und Irrlehren aus dem Boden . Er wußte nicht mehr , wo anfangen und wo enden . Links , rechts , vor ihm , hinter ihm erhoben sich die unverwüstlichen Giftschwämme . Sein Kampf war machtlos gegen einen Feind , der die erschlagenen Truppen hinter der Front wieder aufstellte und sie lächelnd von neuem ins Treffen führte . Und diese unerschütterliche Ruhe ! Diese Unempfindlichkeit des geheimnisvollen Artikelschreibers , welcher in der neuen Nummer immer da anhob , wo er in der letzten geendet hatte . Was hätte Alban Roth darum gegeben , wenn er nie jene Aufsätze beantwortet hätte , in welche ohne Zusammenhang und Sinn seltsame griechische Worte eingestreut waren , und die stets mit dem Satze begannen : » Wie schon der große Römer sagt . « Das » Wochenblatt « zog Vorteil aus diesem Kampfe der Geister . Es zählte jetzt mehr Abnehmer als in seiner ersten Glanzzeit . Auch draußen in den Gemeinden fanden sich Anhänger und Mitarbeiter . Der Lehrer von Hilgertshofen brachte Stimmungsbilder aus dem Glonntale ; er unterschrieb sich als » ein stiller und kühler Beobachter « ; der » alte Bajuvare « , welcher mit Hilfe der historischen Wissenschaft den unseligen Anschluß an Norddeutschland für alle Schäden verantwortlich machte , war der Gutspächter Wanninger von Arnbach . Und in seiner Nähe führte der Posthalter und Landrat Scheiblhuber in Grubhof eine scharfe Feder gegen die Volksverräter des Zentrums . Andere folgten . Was sie schrieben , zeugte nicht immer von großer Einsicht . Es waren unbeholfene Anfänge , die öffentliche Meinung gegen die eingesessenen Machthaber zu erregen . Aber es waren doch Anfänge , die man schon deshalb nicht unterschätzen durfte , weil sie die Bauern zum Lesen brachten . Das war vordem eine Seltenheit . Mit Lesen und Schreiben gaben sich die meisten nach der Feiertagsschule nicht mehr ab ; sie hatten keine Zeit dafür . Und wer ein übriges tun wollte , nahm den Monika-oder Regensburger Marienkalender vom Nagel herunter , wenn es im Winter einen langen Feiertag gab . Hier und dort war wohl ein angesehener Mann im Dorfe , dem der Postbote eine Zeitung ins Haus brachte . Das wußten dann alle in der Gegend und sahen es für ein Besonderes an . Jetzt aber kümmerten sich viele um die Geschehnisse in der Welt , und wer das Geld sparen mußte , setzte sich im Wirtshaus näher an das Licht und las dreimal die Woche , wie Jakobos Prantl unsäuberlich mit der Kirche fuhr und der alte » Bajuvare « dem preußischen Fuchs in den Pelz griff . Der erste Vorteil , den eine Partei durch die Presse erlangen kann , war gegeben . Die Gleichgesinnten konnten sich verständigen und zusammenschließen . Der Kreis erweiterte sich . Wenn die Giebinger lasen , daß sie in Hilgertshofen die nämliche Meinung hatten über die Verderbnis im Bauernstand , dann faßten sie Vertrauen zueinander . Und in allen rührte sich die Hoffnung , es müsse wohl besser werden , wenn sie zusammenstünden . Dazu erfuhr man genau , wie im Niederbayerischen und im Oberland die Bauernsache vorwärts ging . Einer sagte es dem anderen nach , daß es an der Zeit sei , auch in Nußbach eine Versammlung abzuhalten und dem Bunde beizutreten . In Schachach gingen sie mit gutem Beispiel voran und gründeten eine Markgenossenschaft . In Zillhofen machten sie es nach , aber was halfen die einzelnen Versuche ? Es mußte sich aufweisen , ob der Boden überall umgeackert war , daß eine richtige Saat aufgehen konnte . Und da stand es im Wochenblatt : » Aufruf ! Liebe Standesgenossen , Bauern und Bürger ! Der Tag ist gekommen , daß sich die Mitglieder des Nährstandes um eine gemeinsame Fahne scharen müssen und nicht länger zusehen , wie gewisse Elemente das Volk unterdrücken , welche von der Arbeit Erträgnis des Land- und Gewerbsmannes indirekt mitleben . Daß Bauern und Gewerbe auf das regste zusammengehören , wird gewiß einer mit Menschenverstand nicht leugnen wollen , da doch die Bauern in Nußbachs Umgebung die Haupteinnahmequelle der Geschäftsleute bilden und durch die Verbesserung der landwirtschaftlichen Verhältnise auch ihren Anteil haben . Darum , liebe Standesgenossen , stellen wir uns zusammen und forschen nach des Übels Quelle ! Aber wie ist dies anders möglich , als durch die Abhaltung einer Versammlung , welche jedem Gelegenheit gibt , seine Gesinnung zu erproben , und durch zahlreichen Besuch dem Gegner Achtung einflößt ? Kommt alle zur Vorbesprechung , welche im Saale des Sternbräu stattfinden soll , am Sonntag , den 16. Dezember , Nachmittag zwei Uhr , und woselbst das Notwendige verabredet wird . Kommet alle , die ihr Zeit habt und ein Herz für unsern Stand und unser Bayerland ! Einigkeit macht stark , wie schon der große Römer sagt ! « Der Aufruf fand Beifall an vielen Orten ;