langsam , hierauf sprungweise und hernach schneller und immer schneller über den Hals und den Rücken herab , bis es unter dem oberen Rande der Hose verschwindet . Ein zweiter Tropfen kommt . Dieselbe anfängliche Verschämtheit , dasselbe Zögern , dann dieselben Sprünge und dasselbe vorläufige Ziel . Ein dritter , fünfter , zehnter , zwanzigster , hundertster Tropfen erscheint . Sie folgen sich schneller und schneller , bis sie ein Bächlein bilden , welches von dem Zopfe nach der Hose strebt . Das Bächlein läuft ununterbrochen , aber - - der Mann läuft auch ! Der Passagier sitzt hinter ihm , sieht beide laufen und weiß nicht , worüber er sich mehr wundern soll , ob über die Ausdauer seines unermüdlichen Zweibeiners oder darüber , daß aus einem Zopfe eine so unerhörte Menge von Wasser laufen kann . Aber auf der rechten Schulter bildet sich auch ein Tropfen , auf der linken ebenso , beide rinnen herab , dem Rückgrate zu , um sich dort mit dem Bache zu vereinigen . Sie bekommen Nachfolger . Es entsteht hüben und drüben ein zweiter und dritter Bach , nach deren Einmündung der mittlere zu einem Flüßchen wird . Bald treten auch an anderen Stellen Wasserperlen hervor , aus denen Bäche werden , an den Oberarmen , der Brust , den Seiten , und alle eilen der Hose zu , welche naß und immer nässer wird , bis sie die allgemeine Ueberschwemmung nicht mehr fassen kann und in Gestalt von zwei Missisippis an den beiden Beinen niederlaufen läßt . So läuft das Wasser endlich am ganzen Körper , und - - der Mann läuft auch ! Der Fahrgast sieht das mit Staunen und wundert sich schließlich darüber , daß er so ruhig sitzen bleibt und nicht von der Rickschah herunterspringt , um - - - auch zu laufen ! Es ist ein wahres Glück , daß man dem Kuli gesagt hat , wohin man fahren will , denn wenn man das vergessen hätte , so würde er laufen , laufen und immer weiter laufen und gewiß nicht eher aufhören , als bis er sich ganz in Wasser aufgelöst hätte und zwischen den Deichselarmen der nun stehen gebliebenen Rickschah nur noch die Hose und der Kamm zu sehen wären . Und wenn das Ziel erreicht ist und er sich mit der freigewordenen Hand über das badende Gesicht streicht , so geht sein Atem so ruhig wie im Augenblicke des Einsteigens ; sein Auge blickt so sanft wie eine dunkelsammetne Pensee ; er fordert nach deutschem Gelde nur eine Mark für die Stunde , und wenn man ihm noch einige Pfennige zu dem geliebten Siribissen extra gibt , so möchte er nun vor lauter Dankbarkeit so , wie vorher vor lauter Wasser , auseinanderfließen . Das ist die Rickschah und das ist der Rickschahmann ! Mein Sejjid Omar konnte es nicht gut verwinden , daß ich gegen seinen Vorschlag im Grand Oriental-Hotel blieb . Er kämpfte mit sich , ob er schmollen solle oder nicht ; ich ließ das unbeachtet . Er mußte meine Effekten nach dem Zimmer bringen und ihnen dort die mir gewohnte Ordnung geben . In Indien spart man nicht mit der Dienerschaft . So standen auch an meiner geöffneten Tür zwei Singhalesen , welche mich eigentlich zu bedienen hatten und dem Sejjid helfen wollten . Das paßte ihm aber , zumal in seiner jetzigen Stimmung , nicht . Er faßte sie Beide , den Einen mit der rechten , den Anderen mit der linken Hand , schob sie , ohne ein Wort zu sagen , weit auf den Korridor hinaus und zog dann die Tür hinter sich zu . Hierauf hielt er mir seine Hände hin , sah mich lächelnd an und fragte : » Sihdi , das waren Götzendiener ? Nicht ? « » Du nennst sie so , « antwortete ich . » Und ich habe sie angegriffen ? « » Allerdings . « » Nun sieh , was ich tue ! « Er küßte seine beiden Handflächen und fuhr dann fort : » Das ist ganz dasselbe , als ob ich diese Singhalesen geküßt hätte , so wie du den Knaben küßtest . Ich werde mir weder die Hände noch den Mund waschen , weil ich mich nicht verunreinigt habe , denn alle Menschen sind ja Brüder ! Bist du nun mit mir zufrieden ? Hat die Güte meines Islam jetzt nicht ebenso gesiegt , wie sie siegte , als ich den Amerikaner , welcher mich beleidigt hatte , nach dem Menahouse führte ? « » Nein ! « » Warum ? « fragte er erstaunt . » Weil beide Male etwas Anderes gesiegt hat . « » Was ? « » Das darf ich dir nicht sagen , weil du es mir verboten hast . « » Maschallah ! Ich dir Etwas verboten ? Dir ? Das ist doch mehr , als zehn Unmöglichkeiten sind ! « » Du hast mir die Bedingung gestellt , nie von meinem Christentum zu sprechen . « » Was hat das mit meinem Sieg zu tun ? « » Nicht dein Islam hat gesiegt , sondern mein Christentum . « Er sah mich so verwundert an , daß ich erklärend fortfuhr : » Wer hat damals und auch heute zu dir gesagt , daß du zwar Sejjid Omar seist , aber kein guter Mensch ? Wer hat dich im Menahouse aufgefordert , den Amerikaner zu holen ? Und wer hat dir heute durch einen Kindeskuß gezeigt , wie die Güte zu handeln hat , von welcher du soeben sprachst ? « Er senkte die Augen und ließ auch die Arme sinken , bei ihm das sichere Zeichen , daß er sich in Verlegenheit befand . Aber er wurde für diesen Augenblick der Antwort enthoben . Man brachte mir das Fremdenbuch , in welches ich mich einzuschreiben hatte . Ich überflog die Namen der vor mir gekommenen und noch nicht ausgestrichenen Fremden . Es waren mehrere Deutsche und Oesterreicher dabei .