des Bergquelles , der moosbewachsene Felsblock und das spritzende Wässerlein und das heimliche Wesen der Wälder mit seiner starken , gesunden Luft . Eine Minute nur währt solche Verzückung ; aber für den inneren Menschen bedeutet die Zeit ja nichts , denn Jahre können träge vorübergehen , ohne daß sie uns einen Eindruck machen , aber der Eindruck jener Minute ist immer noch in unsrer Seele . Die Straße ging in Windungen bergab bis zum Städtchen , wo die Bahnstation war ; da wartete der Zug , der bestand aus zwei Personenwagen und vielen Wagen mit Brettern , Wellen , Stempeln und Balken , denn Holz war die Hauptware , die von hier verschickt wurde . Ein häßlicher Kohlengeruch lag über dem Bahnhofe und stumpfe und schmutzige Farbe , aber für einen Augenblick drang der Duft des frischgeschnittenen Holzes durch , daß Hansen ein heftiges Heimweh ergriff . Da fuhr der Zug ; und er fuhr erst durch Täler , auf deren Grund Wiesen waren , die in der Mitte , wo Wasser floß , noch Grün zeigten , sonst aber schon grau und braun schienen , und auf den Höhen standen Wälder , aber nur noch vereinzelte Tannen , denn nun begann der Buchenbestand ; und schon waren die Blätter farbig , und eine vereinzelte Eiche leuchtete rot aus dem stumpferen Braun . Bald aber wurde das Tal breiter und die Hügel flacher , die Wälder verschwanden , und es zogen sich Stoppelfelder in die Höhe , und ab und zu winkte ein Dörfchen mit einem Kirchturm . Dann tat sich die Ebene auf , die ganz weit war und durch die Trübe des Himmels begrenzt wurde . Hier war die Station , wo Hans den Zug verlassen mußte ; die Wagen mit den Brettern und Stämmen blieben zurück , das letzte von der Heimat ; und nun wurde alles anders und wurde fremd , denn selbst die Wagenabteile waren größer wie die früheren , und es schien , als wenn in den andern noch etwas heimische Luft und Helligkeit gewesen sei ; dazu sprachen die Leute eine andere Sprache , redeten über andere Dinge , und ihre Gesichter waren Hansen nicht mehr vertrauter Art. Dahin raste der Zug . Die Telegraphendrähte an der Seite flogen auf und ab , die Stangen blitzten vorüber , und lange , schmale Felder tanzten , wie wenn sie sich im Kreise um einen Mittelpunkt bewegten , der in Hansens Wagen lag . An großen Rübenbreiten kamen sie vorbei , wo eine Herde Polenmädchen mit nackten roten Beinen mitten in der Nässe stand und Rüben herausholte , und Wagen mit breiten Rädern wurden beladen , schwere Pferde zogen mit Anstrengung durch den nassen Acker , und der Wagen hinterließ eine tiefe Spur . Nun kamen wieder ganz andere Menschen in den Wagen , Leute , die sich breit machten und über Hansen wegsprachen und unhöflich drängten . Sehnsüchtig blickte er zum Fenster hinaus , dachte bei sich , er hätte doch lieber mögen zu Hause bleiben , im Wald , und mit der Flinte auf dem Rücken gehen , und alle Manschen kannte er da und alle Wege , und in der Fremde war ihm das Herz schwer und wußte auch nicht , was eigentlich die Universität war , und was er tun sollte , wenn er nun auf dem Bahnhof stand in Berlin . Immer weiter eilte der Zug und fuhr über Sandboden , wo häufige Kiefernwälder kamen , die schienen Hans natürlich zu sein ; dann kamen wieder Äcker und große flache Seen , daß es war wie eine Überschwemmung ; solche Art von Wasser kannte er nicht , das war so glatt und flach . Bald senkte sich auch die Dunkelheit ; ein Reisender zeigte ihm in der Ferne eine schwere Dunstwolke in der Luft , das war Berlin . Das war Berlin , was unter dieser Dunstwolke lag . Wie er das sah , war ihm das Heimweh plötzlich vergangen . Nun hielt der Zug , die Türen der Abteile wurden hastig geöffnet , und alle Manschen liefen schnell und hastig , eilten , drängten und stießen sich , und Hansen überholten sie alle , daß er als letzter eine ungeheuer breite Treppe hinunterschritt , die von einem Stein war , der Hansen Granit schien , und waren die sehr breiten Stufen immer aus einem Stück geschlagen , was sehr teuer gewesen sein mußte . An Hans vorbei eilten andre in die Höhe , hinter ihm kam ein neuer Menschenstrom herab , und unten in der Vorhalle wimmelte und kribbelte es von eilfertigen Menschen . Diese Vorhalle war außerordentlich hoch , aber eine häßliche Luft war da , und schien alles schmutzig , so daß Hansen ein plötzlicher Ekel ankam , denn ihm war , als sei auch er mit einem Male ganz schmutzig . So stand er am Ende draußen auf dem Platz , und vor ihm war Berliner Leben . Einen Rock trug er , den der Schneider in der kleinen Stadt verschnitten hatte , denn er war ihm vorn zu eng ; auch sahen seine langen und knochigen Hände weit aus den Ärmeln , und sein Hut war von ganz alter Mode , denn er hatte ihn sich bei einem kleinen Hutmacher zu Hause gekauft , und Kragen und Schlips paßten nicht zueinander und verschoben sich beständig , und seine Füße waren in großen , plumpen Stiefeln , und die Hose hatte ausgeweitete Knie . In der einen Hand trug er einen baumwollenen Regenschirm , in der andern eine gestickte Tasche , auf der stand : » Glückliche Reise « ; sein Großvater hatte sie gekauft , wie er als junger Mensch zum ersten Male von zu Hause weg mußte . So beschaffen waren Hans Werthers Kleider , wie er zum ersten Male auf dem Berliner Pflaster stand . Dazu war seine Gestalt unglaublich mager , lang und knochig , und aus seinem hageren Gesicht , das mit langen , blonden Stoppeln dicht besetzt war ,