ihren Eltern geraubt . Doch da die Geraubte ihrem Peiniger mit größtem Trotz auseinandergesetzt hatte , daß sie niemals sein Weib werden könne , weil sie frei bleiben wolle zeit ihres Lebens , so hatte der böse Gouverneur das Mädchen eingesperrt in seinem hohen Turm , den er nur zum Zwecke der Mädchenzähmung auf dem höchsten Berge der Nordprovinz vor vielen Jahren erbauen ließ . Mu-Schika saß und weinte ; ihre Tränen flossen wie Gebirgsbäche zur Frühlingszeit . Und der herrlichen Aussicht , die sich ihr vom Fenster aus darbot , warf sie nicht einen einzigen Blick zu ; ihre Augen waren auch zu verweint . In jeder Stunde stampfte sie mehrmals mit ihren kleinen Füßen auf den Steinboden und rief voll stürmischer Leidenschaft : » Frei will ich sein ! Frei will ich sein ! Frei ! Frei ! « Diesen stürmischen Redestrom hörte der Sturmgott Lobu , der gerade die Nordprovinz einer eingehenden Untersuchung unterzog . Und der Sturmgott Lobu freute sich über die stürmische Art der Mu-Schika . Und er beschloß , das arme Mädchen zu befreien . Während er sich nun unten vor der eisernen Pforte an die Arbeit machte , trat ihm der junge Maler Tai-Tai , der die Gefangene gleichfalls liebte , mit bleichem Antlitz entgegen und rief : » Willst Du die Mu-Schika befreien ? Das laß nur bleiben . Ich befreie sie . Ich bin Tai-Tai ! « Der Sturmgott gab ihm eine Ohrfeige und rief : » Ich bin Lobu ! « Und nun fingen sie an , sich mächtig zu zanken . Jeder wollte vor lauter Eifersucht die Mu-Schika ganz allein befreien . Und während des Zankes prügelten sie sich öfters , wie das Rivalen zu tun pflegen . Dem Tai-Tai fehlten bald zwei Backenzähne , und dem Lobu blutete die Nase . Und dazu schien der Vollmond durch die ganze Nacht . Und durch die ganze Nacht zankten sich und prügelten sich die Rivalen , so daß es zur Befreiung gar nicht kam . Während oben Mu-Schikas Tränen in Strömen flossen , floß unten das Blut ihrer Befreier in Strömen . Und so dämmerte denn allmählich der Morgen , und vor dem Turmfenster erschien die Göttin der Morgenröte , die herrliche Ballikâra . In einer goldenen Barke saß die Göttin , und kleine Zwerge bekränzten die Barke mit dunkelroten Rosenketten . Der Himmel war oben tiefblau wie ein Meer . Und auch die Ballikâra hörte die wilden Freiheitsreden der Mu-Schika . Schnell riß sich die Göttin ein paar Rosen aus dem schwarzen Haar und warf sie durch das Turmfenster der Gefangenen in den Schoß . Da sprang das Mädchen erschrocken empor , starrte die herrliche Ballikâra wie ein Wunder an , fiel auf ein Knie und flehte weinend : » O Ballikâra , nimm mich mit und führe mich zu meinen Eltern zurück , denn ich will frei sein - frei - frei - frei ! « Da nahm die Göttin die Mu-Schika in ihre goldene Barke und fuhr mit dem verweinten Kinde durch die weißen Morgenwolken zu dem Hause des großen Topffabrikanten . An der eisernen Pforte des Turmes wischen sich unterdessen die Rivalen die Blutstropfen aus dem Gesicht und verbinden sich die Handgelenke . Und ihrem Treiben sieht oben aus dem Turmfenster mit glühenden Wutaugen der böse Gouverneur zu . Der Gouverneur hat sich durch eine Hintertür in den Turm geschlichen und hat sehen wollen , ob seine Mu-Schika noch nicht kirre wurde . » Und nun ist sie fort ! « schreit er voll Entsetzen in die Morgenluft hinein . Er glaubt , die beiden Kerls da unten an der Pforte hätten seine Mu-Schika befreit . Er geht hinunter und stellt die Leute zur Rede , wird aber gleich ganz eklig angelackt . Die beiden Rivalen gehen sofort mit vereinten Kräften auf den Gouverneur los ; der starke Tai-Tai zerbricht ihm die Kinnlade , und Lobu stößt ihm sein Schwert durch den Bauch , daß der Bösewicht gleich aufbrüllend den Geist aufgibt . Hierauf reicht der Sturmgott dem Maler die Hand und sagt bitter : » Junger Mann ! Während wir hier um Mu-Schika kämpften , ist das lockere Mädchen mit einem Andern durchgegangen . Wir wollen dieses Weib vergessen . « » Das wollen wir ! « ruft Tai-Tai , hackt dem toten Gouverneur den Kopf ab und erklärt den Sturmgott für seinen besten Freund . Sie schütteln sich lange die Hände , und bald gehen die ehemaligen Rivalen Arm in Arm dem nächsten Wirtshause zu . Doch die befreite Mu-Schika erzählt ihrem Vater , dem großen Topffabrikanten , wie sie von der herrlichen Ballikâra befreit wurde , zeigt jubelnd die dunkelroten Rosen der Göttin und küßt alle ihre Schwestern und auch ihre Mutter mit leidenschaftlicher Inbrunst . Der alte Vater lacht und erklärt seiner Tochter mit Feiertagsmiene : » Meine liebe Mu-Schika ! Da Du so mutig gewesen bist , sollst Du auch frei blieben - zeit Deines Lebens . Und kein Freier soll Dir nahen . Auch den Tai-Tai werfe ich die Treppe runter , wenn er kommt . « Aber Tai-Tai kam nicht , und andre Liebhaber kamen ebenfalls nicht . Mu-Schika blieb frei bis ans Ende ihrer Tage und ward gefeiert von allen Frauen der Nordprovinz und lebte glücklich ohne Mann - frei - frei ! Wir befanden uns jetzt in großen Kellergewölben , die recht dunkel und geheimnisvoll waren . Ich saß auf einer Tonne - aber die Tonne schwamm in einem dunkelgrünen Wasser , das den ganzen Boden bedeckte und recht tief zu sein schien ; ich nahm einen schweren Stein , der auf meiner Tonne neben mir lag , und warf ihn in das Wasser und horchte - und erst nach langer Zeit hörte ich den Stein unten dumpf aufschlagen . Der König Necho hatte währenddem meine Befreiung zu Ende gelesen ; er saß auch auf einer Tonne wie ich und leuchte mir nun mit seiner Laterne ins Angesicht . Da kamen auch die anderen Nilpferde auf Tonnen