. Jeder einzelne wollte uns erzählen , durch welche großen Heldenthaten speziell auch er zum Siege beigetragen habe , und so dauerte es ziemlich lange , bis wir erfuhren , wie höchst einfach sich die Sache zugetragen habe . Der Bote , welcher von dem Scheik in das Lager gesandt worden war , hatte den Anführer gemacht . Es war für ihn selbstverständlich gewesen , daß die Diebe am Wasser des Dschebel Ma nachtlagern würden . Er hatte unterwegs den Entschluß gefaßt , sich mit dem ganzen Ruhme des Sieges zu schmücken und den Ueberfall also ohne den Scheik und uns zu übernehmen . Darum war er nicht nach dem Stelldichein geritten , sondern einer anderen Richtung gefolgt , welche ihn unten thalabwärts bis an den Fuß des Berges geführt hatte . Dort angekommen , waren die Pferde unter der Aufsicht einiger Leute zurückgelassen worden . Dann hatte man sich leise dem Wasser entlang geschlichen , die Feinde trotz der Dunkelheit entdeckt und sie so unerwartet und mit Uebermacht überfallen , daß an einen Widerstand gar nicht zu denken gewesen war . Sonderbarerweise wurde diesem eigenmächtigen Verfahren von seiten des Scheikes nicht die geringste Rüge erteilt . Die Räuber lagen mit Stricken und Riemen gebunden an der Erde . Doch noch ehe wir uns mit ihnen beschäftigen konnten , geschah etwas , worüber selbst die pferdekennenden Dinarun in Staunen gerieten . Nämlich kaum war der Schein des Feuers auf mich und Halef gefallen , und kaum hatten wir einige laute Worte gesprochen , so ertönte von der Seite her das überlaute , frohe Wiehern zweier Pferdestimmen , und unsere beiden Rappen drängten sich , ihn gewaltsam auseinandertreibend , durch den Haufen der Beduinen , um uns zu begrüßen . Barkh machte vor Freude die drolligsten Ziegenbockkapriolen , die er nur unterbrach , um seinen Kopf an Halefs Brust zu reiben und ihm in das Gesicht zu schnauben , als ob er sehr viel und wichtiges mit ihm zu sprechen habe . Mein Assil Ben Rih benahm sich nicht so laut wie Barkh , aber im höchsten Grade rührend . Er drückte mir sein Maul fest an die Wange - Pferde gehören bekanntlich zu den wenigen Tieren , welche küssen - leckte mir hierauf die Hand und legte sich dann zu meinen Füßen auf die Erde nieder und sah mich an , als ob er sagen wolle : » Du weißt , was ich meine . Sei so gut , und thu es mir zuliebe , damit ich nicht nur sehe , sondern auch höre , daß du wieder bei mir bist ! « Er wollte nämlich die gewohnte Sure in das Ohr gesagt haben . Leider durfte ich das nicht thun , weil ich damit eines der Geheimnisse dieses prächtigen Tieres verraten hätte . Aber ich kniete zu ihm nieder , steckte den Arm unter seinem Hals hindurch und hob seinen Kopf empor , um ihn zu streicheln und den Hauch meines Mundes seine Nüstern berühren zu lassen . Da ging sein Atem so laut und so froh , daß es geradezu gefühllos gewesen wäre , zu behaupten , dies sei etwas anderes , aber nur keine Freude . » Er hat dich lieb , sehr lieb , « sagte da der Scheik . » Ist es sein Geheimnis , daß du ihn so anfassest und ihm deinen Atem giebst ? « » Nein , « antwortete ich kurz , weil es unter den Beduinen als Taktlosigkeit gilt , nach dem Geheimnisse eines edlen Pferdes zu fragen . » Aber er hat eines oder vielleicht gar mehrere ? « erkundigte er sich weiter . » Allerdings , denn er ist vom echtesten , allerreinsten Blute . « » Bestehen diese Geheimnisse in Worten oder in Zeichen ? « » Diese Geheimnisse bestehen eben in Geheimnissen , von denen nicht gesprochen wird ! « Ich sagte das in zurückweisendem Tone ; dennoch fuhr er fort : » Bitte , laß mich die Probe machen ! Ich will seinen Hals umarmen , grad so wie du , und ihm dann auch in die Nüstern hauchen . « Das war eine beispiellose Zudringlichkeit , welche mich leicht bewegen konnte , meine bisher gute Ansicht über diesen Mann zu ändern . Ich schüttelte verneinend den Kopf . Trotzdem knieete er neben mir nieder und sagte : » Ich habe noch nie ein Tier von dieser Reinheit des Blutes gesehen . Ich muß es liebkosen . Verweigere mir das nicht ! « Da stand ich nun allerdings schnell auf , um ihm Platz zu machen , und antwortete : » Du bist dein eigener Herr und darfst natürlich thun , was dir beliebt . Als deinem Gaste ist es mir verboten , dich zu hindern . « Jetzt schob er seinen Arm unter den Hals des Pferdes , welches diese Berührung zwar duldete , aber mit unwilligem Schnaufen beantwortete . Als er dann aber Assil anhauchte , schleuderte dieser ihn mit einer kräftigen Bewegung des Kopfes zur Seite , sprang auf und schlug mit den Hinterhufen nach ihm aus , glücklicherweise ohne ihn zu treffen , weil Halef schnell hinzugesprungen war und den Scheik von der gefährlichen Stelle hinweggerissen hatte . Dieser rief , beschämt von der ihm erteilten Lehre , zornig aus : » Allah verdamme das Vieh , welches im Zeichen des Scheitan37 geboren worden ist ! Man wagt ja förmlich sein Leben , wenn man es berührt ! « » Das thut man allerdings , « antwortete ich . » Warum hörtest du nicht auf mich ? Man soll nie versuchen , mit Gewalt in die Geheimnisse anderer Menschen dringen zu wollen ! « » Ist der andere Hengst von derselben Gefährlichkeit ? « » Der eine ist wie der andere . Sie erkennen nur uns als ihre Herren an . Wer dieses unser Recht nicht achtet , der hat es zu bereuen . Schau diese beiden Menschen an ! Sie haben sich an unseren Pferden vergriffen und sie bezwingen wollen .